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"Hart aber fair" mit Frank Plasberg
Bei G7 war der Russe der Böse – bei Plasberg ist es der Amerikaner

Hart aber fair: Bei Frank Plasberg ist der Amerikaner der Böse
Der US-amerikanische Journalist Eric T. Hansen mischte die Talkrunde bei Frank Plasberg auf. FOTO: Screenshot ARD
Berlin. Der russische Präsident Wladimir Putin war zum Gipfel der G7 nicht eingeladen. In der Talkrunde bei "Hart aber fair" hätte unterdessen eher der Amerikaner zuhause bleiben sollen – zumindest, wenn es nach den anderen Gästen gegangen wäre. Denn der amerikanische Journalist Eric T. Hansen mischte die Runde mit steilen Thesen zum NSA-Skandal und dem Irak-Krieg auf, bis zwischen den Rednern die Fetzen flogen. Von Laura Sandgathe

Wahrscheinlich war nicht zuletzt Moderator Frank Plasberg selbst daran Schuld, dass in seiner Sendung am Montagabend über viel Relevantes, aber nie richtig über Angela Merkels Macht gesprochen wurde. Obwohl die eigentlich das gesetzte Thema war, schließlich stand der Talk unter dem Titel "Auf dem Gipfel – Was macht Merkel mit ihrer Macht?" Doch schon bei Plasbergs Anmoderation ging es nicht um die Kanzlerin, sondern um US-Präsident Barack Obama. Und die Amerikaner und deren Politik sollten auch den weiteren Verlauf der Diskussion bestimmen.

Porträt: Frank Plasberg – Hart-aber-fair-Moderator FOTO: AP, AP

Denn die Macher von "Hart aber fair" hatten mit dem in Deutschland lebenden US-amerikanischen Journalisten Eric T. Hansen einen Mann eingeladen, für den sein Vaterland, die USA, über jeden Zweifel erhaben zu sein scheint. Kein Wunder also, dass ihn die These von Kabarettist und Autor Serdar Somunco, die Amerikaner seien 2003 ohne jeden Grund in den Irak einmarschiert und hätten sich damals nicht viel besser verhalten als die Russen 2014 bei der Annexion der Krim, allen Anstand vergessen lässt.

Den anderen ausreden lassen und seine Argumente akzeptieren, das ist Anstand. Doch während Somuncu sprach, machte Hansen mit der Hand ein Zeichen, dass wohl so viel bedeuten sollte wie: "Ja ja, rede du nur – ist ja sowieso alles Quatsch". 

Wie die Runde von G7 zum Irak-Krieg kam? In etwa über diesen Weg: Kosten des Gipfels – Ergebnisse des Gipfels – Hätte man Putin einladen sollen? – "Nein, mit jemanden, der einfach in ein anderes Land einmarschiert und es für sich beansprucht, sollte man nicht reden" – "Aber das haben die Amerikaner doch 2003 im Irak genauso gemacht". Und damit wären wir schon beim Thema.

Barack Obama lässt sich in Krün das Weißbier schmecken FOTO: dpa, pg jhe

"Lassen Sie mich ausreden im eigenen Land"

Und auch die Fronten sind nun klar: Der Amerikaner gegen den Rest der Talkrunde. Denn mit seiner Meinung steht Hansen offenbar alleine da. Die anderen Teilnehmer springen schnell und gern auf den Zug auf, dessen Tür Somuncu ihnen da geöffnet hat. Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der "Stern"-Chefredaktion, schneidet das Thema Guantanamo an und kritisiert, dass die USA dort " illegale Foltermethoden" anwenden würden. Das gefällt Hansen natürlich gar nicht, er fährt Jörges brüskiert ins Wort – und der entrüstet sich: "Sie sind zwar Amerikaner, aber Sie lassen mich bitte ausreden im eigenen Land". 

Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses versucht, die Ehre der Amerikaner zu retten. "Wie sähe denn die Welt aus ohne das amerikanische Engagement – bei allen Fehlern, die sie machen", sagt er. Doch dieser Versuch geht ins Leere, Plasberg schneidet lieber das Thema NSA-Skandal an. Laut Jörges war G7 ein "Schlussstrichgipfel" unter dieses Thema. Er findet es problematisch, dass auf dem Gipfel nicht über Spionage unter befreundeten Staaten gesprochen wurde. "Da sehen wir in diesem Biergarten den Präsidenten, der darauf besteht, ganz Deutschland und auch die übrige Welt ausspionieren zu dürfen und alle prosten ihm zu. Das finde ich ein wenig pervers", sagt Jörges.

Krün erwartet Angela Merkel und Barack Obama FOTO: Eva Quadbeck

"Unsere echten Freunde – also nicht Deutschland"

Hansen sieht das naturgemäß anders. Wer die Spionage durch die NSA kritisiert, sei naiv, findet er. "Sogar unsere echten Freunde – also nicht Deutschland, sondern Israel, England oder Frankreich – spionieren uns aus". Somunco hakt nach: "Unsere echten Freunde – also nicht Deutschland – haben Sie das gerade gesagt?" Jörges wirft Hansen "Verblendung" vor. Nun gerät der Talk endgültig außer Kontrolle. Hansen behauptet, als Merkel den Bürgern ein No-Spy-Abkommen mit den USA versprochen habe, habe sie gelogen – und jeder habe das gewusst und über die Deutschen "gelacht".

Längst ist die Talkrunde über die Machtposition Merkels zu einer Talkrunde über die Bedeutung amerikanischer und russischer Politik für die Welt geworden. Vielleicht ist aber eben diese Entwicklung die Antwort auf die Ausgangsfrage: Die weltpolitische Macht verläuft nach wie vor entlang der Linien, die die USA und Russland vorgeben. Und die Deutschen suchen nach wie vor nach ihrer Position im Verhältnis zu den beiden Mächten. Mit den Russen sind sie nicht grün, mit den Amerikanern aber eben auch nicht immer. Zumindest stellt sich dieser Eindruck ein, wenn man die Talkrunde bei Plasberg betrachtet.

(lsa)
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