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"Hart aber fair"
"Impfgegner sind Egoisten"

Hart aber fair: Eckart von Hirschhausen fand klare Worte zur Impf-Diskussion
Bei "Hart aber fair" ging es heiß her. Dr. Eckart von Hirschhausen (zweiter von rechts) nannte die Impfgegnerin Elisabeth von Wedel (links) eine "Trittbrettfahrerin". FOTO: Screenshot / ARD
Düsseldorf. Kann man angesichts der Masernepidemie in Berlin noch über das Thema Impfen bei Masern diskutieren? Diese Frage stellte Frank Plasberg seinen Gästen. Die Impfskeptiker mussten sich dem Vorwurf stellen, egoistisch zu sein. Dr. Eckart von Hirschhausen fand sehr klare Worte.

Eigentlich ging es in der Ausgabe am Montagabend von "Hart aber fair" um alternative Methoden und unseriöse Angebote auf dem Medizinmarkt, die bei vielen als Aberglaube gelten, der Schulmedizin aber oft Konkurrenz machten. Doch Plasberg startete die Diskussion mit der Impfdebatte. Dabei hätte diese Diskussion für eine ganze Sendung gereicht.

Seit Oktober sind etwa 850 Menschen in Berlin an Masern erkrankt. Darunter sind Säuglinge, aber auch viele Erwachsene. Ein Kleinkind starb durch das Virus. Immer noch ist die Masernwelle nicht eingedämmt. Die Stadt greift zu drastischen Mitteln, um dem Virus Herr zu werden. So entschied das Berliner Verwaltungsgericht vergangene Woche, dass nicht geimpfte Schüler, die die Krankheit auch nicht durchgemacht haben, die Schule nicht betreten dürfen.

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Mittlerweile hat sich die Krankheit ausgeweitet. Bundesweit gibt es laut Robert-Koch-Institut schon über 1000 Fälle. In einer Waldorfschule in Erfurt etwa sind 29 Kinder erkrankt. Mit diesem Fall wurde eine hitzige Streitrunde bei Plasberg eröffnet, die oft mit den Gegensätzen Verstand gegen Überzeugung dargestellt wird.

Dass es bei den Impfgegnern vielleicht um mehr als um Überzeugung geht, konnte die Heilpraktikerin Elisabeth von Wedel nicht wirklich ausräumen. Mit Platzhaltern wie: "Für mich ist Impfung keine ausreichende Maßnahme, um Krankheiten zu verhindern", oder Prämissen wie " Ich gehe zunächst mal davon aus, dass Masern eine Kinderkrankheit ist" konnte sie gegen die Ärzte in der Runde nicht gegenhalten.

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Bei ihrer heute 22-jährigen Tochter hatte sich von Wedel gegen eine Impfung als Kleinkind entschieden: "Sie hat mit elf die Masern bekommen. Ich habe keine Angst bekommen, denn ich gehe zunächst davon aus, dass Masern eine Kinderkrankheit ist, die in der Regel der Fälle komplikationslos verläuft. Meine Tochter hatte eine Komplikation, eine Masernbronchitis, die dann aber gut geheilt ist."

Eine Egoistin nannte sie daraufhin der Arzt und Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen: "Das macht mich richtig wütend. Weil Sie eine Trittbrettfahrerin sind!", attackierte Hirschhausen sie. "Sie nutzen die Fähigkeit von vielen Menschen zu einer vernünftigen Entscheidung. Die meisten Deutschen sind fürs Impfen – gerade bei Masern."

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Auch der Kinder- und Jugendarzt Dr. Wolfram Hartmann und die ARD-Wettermoderatorin Claudia Kleinert zeigten für Impfgegner kein Verständnis. "Dass man heute sagt, ich möchte mein Kind nicht impfen lassen, finde ich eine Rücksichtslosigkeit anderen gegenüber", sagte Kleinert. Sie könne sich das nicht erklären, wie man sich gegen das Impfen entscheiden kann: "Dass vielleicht das eigene Kind nicht glücklich wegkommt, wird wohl gerne verdrängt." Dabei war die Moderatorin gerade als Befürworterin alternativer Methoden und Homöopathie eingeladen worden. 

Sogar das Publikum schien ausschließlich aus Impfbefürwortern zu bestehen, die vor allem von Hirschhausens emotionale Kommentare mit viel Applaus belohnten. Der Arzt und Moderator fiel von Wedel gerne ins Wort. Vor allem als sie ihre Überzeugung kundtat, eine hundertprozentige Impfquote würde die Masern nicht aus der Welt schaffen, rastete von Hirschhausen aus: "Das ist doch Quatsch! Das ist doch Bullshit hoch zehn!"

Von Wedels Argument der Impfversagerquote konnte keinen in der Runde überzeugen. Die Ärztin und Homöopatin Cornelia Bajic ("Ich bin keine Impfgegnerin, sondern für eine individuelle Entscheidung"), hatte ihre Position damit begründet: "In China, mit einer Impfrate von 99 Prozent, gibt es immer wieder Masern-Epidemien."

Dieses Argument ließ der Kinder- und Jugendarzt Dr. Wolfram Hartmann nicht gelten: "Stimmt nicht. Wir haben keine Diphtherie mehr, wir haben keine Polio mehr und kein Tetanus mehr."

Gegen den Vorwurf des Egoismus gegenüber Menschen, die sich nicht schützen können, hatten die Impfgegner eh keine Chance. Dabei betonte von Hirschhausen: "Und diese sind keine Impfgegner, sondern Babys, die sich nicht schützen können, Immunsupprimierte, HIV-Positive, Menschen nach einer Transplantation, und das sind Menschen, bei denen die Impfung nicht angeschlagen hat. Die können wir schützen durch zwei Mal piksen."

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