| 13.25 Uhr

"Hart aber fair" mit Frank Plasberg
Grüne AfD-Wählerin verwirrt Spitzenpolitiker

Hart aber fair mit der sonderbarsten Protestwählerin der AfD: Brigitte Büttner
Brigitte Büttner im Gespräch mit Frank Plasberg. FOTO: Screenshot Frank Plasberg / Mediathek
Berlin. Die Große Koalition rätselt bei Frank Plasberg über die richtige Strategie im Umgang mit der AfD, deren Sprecher schimpft über "sozialdemokratisierten Einheitsbrei". Den Auftritt des Abends hat aber eine AfD-Wählerin, die eigentlich für die Grünen ist. Die Sendung im Schnellcheck. Von Ludwig Krause

Im Vorwahlkampf der USA versucht man, den politischen Gegner mit Werbespots und Millionenbeträgen klein zu kriegen – selbst wenn er aus der eigenen Partei kommt. Bei uns rätseln die Parteien noch, wie sie der AfD das Wasser abgraben könnten. Alle scheinen irgendwie das gleiche Ziel zu haben, ziehen dann aber an unterschiedlichen Enden des Seils. In gleich mehreren Talkshows vor den Landtagswahlen haben sich Großkoalitionäre Kämpfe mit offenem Visier geliefert, nach der Wahl schoben sie sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Dabei machten 65 Prozent der AfD-Wähler ihr Kreuz bei den Rechtspopulisten, weil sie von den anderen Parteien enttäuscht waren.

"Verliert Deutschland die politische Mitte?", fragte Frank Plasberg.

Die Gäste

Peter Altmaier (CDU), Chef des Bundeskanzleramtes, Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung

Jörg Meuthen (AfD), Bundessprecher der Partei, Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg

Thomas Oppermann (SPD), Fraktionsvorsitzender im Bundestag

Juli Zeh, Schriftstellerin

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Der Burgfriede des Abends

Hatten sich schwarz-rote Politiker in der jüngsten Talk-Vergangenheit vor allem durch offen zur Schau getragene Uneinigkeit profiliert, demonstrierten Thomas Oppermann und Peter Altmaier jetzt Geschlossenheit. "Ziel ist es, dass diese Koalition funktioniert", sagte Altmaier und erhob sogar sein Wasserglas. Natürlich ein gefundenes Fressen für AfD-Mann Meuthen, der schon lange "sozialdemokratisierten Einheitsbrei" zu schmecken glaubt. Kritik aber auch von anderer Seite: Die SPD sei keine Partei des "sowohl als auch", sondern eine des "weder noch", meinte Christoph Schwennicke. Julia Zeh warf den Politikern Altmaier und Gabriel eine Aura der Arroganz vor.

Der Auftritt des Abends

Bisher war Brigitte Büttner treue Wählerin der Grünen. "Rechtsradikal, islamophob, habe ich gar nichts mit am Hut", sagte sie. Die studierte Romanistin und Unternehmerin hat in diesem Jahr AfD gewählt. Eine Stimme von dem 12,1-Prozent-Anteil der Wähler, die in Rheinland-Pfalz dort ihr Kreuz gemacht haben. "Ich war sehr überrascht, in dieser Form hätte ich mir das nicht ausmalen können, dass der Protest so weitreichend sein würde", sagte sie.

Nach Euphorie klingt das nicht: "Ich war auch befremdet." Dass sie nun eine Partei gewählt habe, in der es auch fremdenfeindliche Tendenzen gebe, den Schuh ziehe sie sich an. "Ich habe meine Stimme instrumentalisiert."

Sie habe keine politische Heimat mehr gehabt. Den Kurs Merkels und der Grünen in der Flüchtlingspolitik habe sie nicht weiter tragen können, den von Julia Klöckner erst gar nicht verstanden. "Mein Thema ist, dass Angela Merkel nicht vermitteln kann, wohin die Reise geht. Was wird mit uns passieren?" Sie habe Sorge, dass sich der ganze afrikanische Kontinent auf den Weg zu uns mache und Deutschland keine Antwort habe.

Von der AfD wünsche sie sich nun mehr direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild. "Ein Punkt, der auch bei den Grünen mal sehr wichtig war." Sie hoffe, dass diese Wahl etwas bewirke und sie beim nächsten Mal ihr Kreuz wieder woanders machen kann.

"Ich musste das erst einmal alles zusammenbringen. Sie ist sicherlich die sonderbarste Protestwählerin, die ich bisher getroffen habe", meinte Thomas Oppermann. "Bei dem, was sie gesagt hat, könnte ich mir sie auch als CDU-Wählerin vorstellen", sagte Peter Altmaier.

Satz des Abends

"Es gibt Menschen, die haben Angst vor der großen Zahl von Flüchtlingen. Denen hat die AfD ein Angebot gemacht, nämlich Protest." (Thomas Oppermann)

Fazit

Frank Plasberg lässt nach bekannter Manier kaum einen Gast ausreden, die Koalition schmiedet Pläne gegen die AfD, während diese sich im Erfolg sonnt. Die Beobachter haben sich unterdessen längst ihr Bild gemacht.

Unser Dossier zu Frank Plasberg finden Sie hier.

(lukra)
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