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"Hart aber fair"
Wie der Gender-Talk zur Rechtfertigungsrunde verkam

Hart aber fair mit Frank Plasberg: Was darf zu Mann und Frau gesagt werden?
Erneut zu Gast bei Frank Plasberg: Anne Wizorek, Anton Hofreiter, Wolfgang Kubicki, Sophia Thomalla und Birgit Kelle. FOTO: WDR
Köln. "Männer und Frauen passen nicht zusammen", lautete einst Loriots Beitrag zum Thema Gleichberechtigung. Ähnliches könnte man auch zur Gästeauswahl der Wiederholungsausgabe des Gender-Talks von "Hart aber fair" sagen: Was beim ersten Mal nicht funktionierte, lief auch beim zweiten Mal nicht rund. Von Jörg Isringhaus

Zu sehr war den Protagonisten daran gelegen, Dampf über das Verhalten des WDR abzulassen und die eigene Argumentation zu erneuern. Der Sender hatte die erste Sendung vom 2. März mit dem Titel "Nieder mit den Ampelmännchen" nach Protesten von Frauenverbänden und einer entsprechenden Empfehlung des Rundfunkrats aus der Mediathek erst entfernen lassen, nach einem darauffolgenden Entrüstungssturm aber wieder eingestellt und eine Neuauflage mit nahezu denselben Gästen initiiert. Einzige Änderung: WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn und eine Vertreterin des Landesfrauenrats Niedersachsen diskutierten mit.

Geredet wurde allerdings trotz des Titels "Der Gender-Streit – Was darf zu Mann und Frau gesagt werden?" lange nicht über Gleichstellung, sondern über den Umgang von Medien mit Kritik. Als einzigartiges TV-Experiment hatte Moderator Frank Plasberg die Sendung angekündigt, es war jedoch über weite Strecken eine reine Rechtfertigungs-Runde. Schönenborn sagte wortreich, es sei keine Schande, einen Fehler einzugestehen, auch Plasberg zeigte sich einigermaßen zerknirscht über das Mediathek-Desaster und den eigenen Auftritt. FDP-Vize Wolfgang Kubicki vermutete allerdings hinter dem Vorgehen eine PR-Maßnahme des Senders, um die Quote zu steigern, Publizistin Birgit Kelle mutmaßte eher den Druck von Lobbygruppen, Bloggerin Anne Wizorek fühlte sich von der Kritik an der ersten Diskussion "nicht inkludiert", während der Co-Vorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter, das Verhalten des WDR salopp als "ungewöhnlich ungeschickt" abqualifizierte. "Dass das zu Protesten führt, hätte man sich denken können."

Alle gegen Mattfeldt-Kloth

Nach der WDR-Schelte ging es vor allem in eine Richtung – alle gegen Sybille Mattfeldt-Kloth vom Landesfrauenrat. Sie hatte den Umgang mit dem Gender-Thema in der ersten Sendung beanstandet und sachliche Kompetenz vermisst. Weinerlich sei diese Kritik, sagte Kelle, es seien doch drei Frauen in der Runde vertreten – aber wohl nicht die richtigen. Und Kubicki klärte Mattfeldt-Kloth darüber auf, dass es Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei, Meinungsvielfalt abzubilden. Zudem, korrigierte er sie, seien Männer und Frauen zwar gleichberechtigt, aber nicht gleich.

Was auch für die Diskutanten galt, denn nun stand die Rolle von Schauspielerin Sophia Thomalla im Mittelpunkt – weil sie, so ein häufig geäußerter Vorwurf nach der ersten Sendung, nicht dazu befähigt sei, über Gleichstellung zu debattieren (Thomalla: "Den Stöckelschuh ziehe ich mir nicht an"). Während Wizorek ihre Zweifel an Thomallas Expertise erneuerte, weil das Thema einen ernsthafteren Umgang verdient habe, verteidigte Kelle die Darstellerin, weil diese die "normalen Frauen" vertrete. "Ich bin eine erfolgreiche und selbstbewusste Frau, und deshalb darf ich sagen, was ich will", lautete Thomallas Fazit.

Damit war die Selbstbespiegelung dann größtenteils abgeschlossen, und Plasberg versuchte in den verbliebenen rund 30 Minuten, der Runde doch noch ein paar brauchbare Aussagen zur Gleichstellung abzutrotzen. Dabei war es vor allem Hofreiter, der das Thema argumentativ auf eine sachliche Ebene hievte ("geringere Einkommen für Frauen sind nicht wegzudiskutieren"), während etwa Kelle einen konservativ weiblichen Standpunkt einnahm ("Frauen streben bestimmte Positionen oder Berufe gar nicht an, weil Männer und Frauen unterschiedlich sind") und Kubicki polemisch Öl ins Feuer goss.

Erhellend war das nur am Rande, unterhaltsam aber immerhin über weite Strecken. Ähnlich wie beim ersten Mal also, und damit die Aufregung kaum wert. Nur dass diesmal der Frauenrat sich nicht selbst kritisieren wird und die ARD der Sendung einen Ehrenplatz in der Mediathek einräumen kann. Bis in alle Ewigkeit. Oder der Rundfunkrat es sich anders überlegt.

Hier geht es zur Sendung in der Mediathek.

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