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TV-Talk "Hart aber fair"
"Würden Sie das als Arzt auch bei sich machen?"

Hart aber fair: "Würden Sie das als Arzt auch bei sich machen?"
Frank Plasberg diskutierte mit seinen Gästen über "IGeL" FOTO: Screenshot / Hart aber fair
Düsseldorf. Der Druck auf die Patienten wächst, weil immer mehr Ärzte zusätzliche Leistungen verkaufen wollen. Der Medizin-Sektor in Deutschland kränkelt. Das wurde bei "Hart aber fair" intensiv diskutiert. Eckart von Hirschhausen machte aus der Gesprächsrunde einen Gesundheitsratgeber. Von Vassili Golod

Darum ging's: "Diagnose Gier – werden wir vom Arzt abgezockt?" wollte Frank Plasberg von seinen Gästen wissen. Ein Arztbesuch kann auch für Kassenpatienten teuer werden. Aber was taugen die teuren Extras und was davon ist überhaupt erlaubt?

Darum ging's wirklich: Um "IGeL", die Individuellen Gesundheitsleistungen oder auch "Selbstzahlerleistungen" genannt. Vor allem ging es aber um die Frage, wie viel Vertrauen wir unseren Ärzten heute noch schenken können.

Die Gäste:

  • Anette Dowideit, Wirtschaftsjournalistin
  • Andreas Gassen, Orthopäde und Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
  • Karl Lauterbach (SPD), MdB und Gesundheitsexperte
  • Rudolf Henke (CDU), MdB und Vorsitzender des Marburger Bundes
  • Eckhart von Hirschhausen, Arzt und Moderator

Der Frontverlauf:

"Wer ist der Top-Verdiener im Medizin-Betrieb", wollte Frank Plasberg zu Beginn der Sendung von Anette Dowideit wissen. "Das sind die Radiologen", sagte die Wirtschaftsjournalistin. "Aber alle behaupten immer von sich, dass sie am schlechtesten verdienen."

"Ärzte sind keine Kaufleute und wir verkaufen keine Ware", stellte CDU-Politiker Rudolf Henke klar. "Wenn wir durch unser Verhalten Zweifel daran wecken, dass das so ist, dann schadet das der Glaubwürdigkeit des Gesundheitswesens." Man müsse jedoch klar trennen was kassenärztliche Versorgung ist und was nicht. 

"Jeder dritte gesetzlich Versicherte bekommt im Jahr eine IGeL-Leistung angeboten", sagte SPD-Politiker und Statistik-Fan Karl Lauterbach. Atteste und Impfungen für bestimmte Reisen seien sicherlich gut, aber dies sei nicht der Kern des Problems. "90 Prozent dieser Leistungen sind entweder unsinnig oder grenzwertig unsinnig", kritisierte Lauterbach.

"Viele Patienten bekommen oft gar keinen Termin, wenn sie nicht schon am Telefon die eine oder andere IGeL-Leistung zusagen", erklärte Anette Dowideit. Der Druck auf die Patienten wachse, weil nicht nur Ärzte, sondern viele medizinischen Mitarbeiter darauf geschult werden, Leistungen zu verkaufen. Nur der Arzt könne seine Patienten aufklären, nicht aber das Praxispersonal, sagte Henke. "Wenn das passiert, dann hat das Elemente einer Drückerkolonne."

"Jeder, der nicht bei drei auf dem Baum ist, kriegt ein neues Knie oder eine neue Hüfte eingehämmert", sagte Eckart von Hirschhausen. "Warum? Weil es sich lohnt." Es gehe ihm nicht darum Ärzte pauschal zu kritisieren, sondern um den Missstand, dass ein offenes Beratungsgespräch zwischen Ärzten und Patienten nicht mehr möglich zu sein scheint. 

"In einer überwältigenden Zahl der Fälle gibt es ein vertrauensvolles Gespräch zwischen Arzt und Patient", entgegnete der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Gassen. Er war so etwas wie der Einzelkämpfer in der Sendung und wehrte sich tapfer gegen die vielen Vorwürfe gegen die Ärzte.

Spruch des Abends:

Eckart von Hirschhausen gibt Patienten Tipps für das IGeL-Gespräch mit dem Arzt. Die entscheidende Frage: "Würden Sie das als Arzt auch bei sich selbst machen?"

Erkenntnis:

Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der besten weltweit. Trotzdem sollte man auch den Ärzten in Deutschland genauer auf die Finger schauen. Einige Mediziner scheinen nämlich mehr an Geld als an der Gesundheit ihrer Patienten interssiert zu sein. 

Die Runde war munter, verrannte sich aber immer wieder in Fachdiskussionen. Ein Patient war zwischendurch Gast im Studio, hätte aber auch dem gesamten Diskussionsverlauf gut getan.

Hier geht es zur "Hart aber fair"-Sendung vom 26. September 2016.

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