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Ärger um 3D-Optik
Das ZDF verteidigt seine neue Heidi

So sieht die neue Heidi in 3D aus
So sieht die neue Heidi in 3D aus FOTO: ZDF
Düsseldorf. Jetzt ist auch Heidi fällig. Nach der Biene Maja und dem kleinen Wickie hat das ZDF auch seine Kinderheldin Heidi einer Renovierungskur unterzogen. Auch das fröhliche Mädchen auf der Alm wird nun am Computer produziert. Fans im Internet reagieren entsetzt. Das ZDF zeigt Verständnis und bittet um Fairness. Von Philipp Stempel

Kinder-Star Heidi kehrt am Ostermontag in neuer Optik zurück auf den Bildschirm. Sie ist trotz der 3D-Optik schlanker geworden, die Bäckchen leuchten nicht mehr rot, in den Augen findet sich dieser etwas metallische Glanz, wie er typisch ist für digital erstellte Figuren. Das rot-gelbe Kleidchen ist hingegen geblieben, die Haare fallen etwas strubbeliger.

"Version des Grauens"

Die Resonanz im Internet ist furchtbar. "Komplett verunstaltet." "Sogar meine Vierjährige findet die neue Heidi hässlich." "Schon wieder so eine schwachsinnige 3D-Animation. Skandal!" "Version des Grauens", heißt es. Nachdem das ZDF vor wenigen Wochen einen ersten Trailer für die neuen Folgen der grundsanierten Heidi im Netz veröffentlichte, ging über den Sender eine Flut von bissig-kritischen Kommentaren nieder.

Unterhalb des Trailers bei Youtube lassen sich gar keine Kommentare abgeben. Womöglich, weil sich dort noch mehr an Frust und Enttäuschung entladen würde. Den Titelsong singt jetzt Volksmusik-Haudrauf Andreas Gabalier, unterlegt mit straffem Ballermann-Beat. "Heidi hat mit dieser Version ihre Seele verloren", ätzten sogar Gitti und Erika, die dem Titel in den 70ern sangen und damit Millionen Schallplatten verkauften.

"Ihr vergreift euch an dem letzten Relikt meiner Kindheit", heißt es in Blogs, "Warum nur?", verzweifeln andere bei Twitter. Zweifelsfrei: Die 52 Episoden von damals haben immer noch treue Fans. Mit Heidi begann 1977 der Siegeszug der im Anime-Stil gezeichneten Kinder-Produktionen im deutschen Fernsehen. Vielleicht ist das kleine Mädchen mit dem schweren Schicksal und dem frohen Gemüt daher sogar die größte Heldin dieser Zeichentrick-Ära. Fast 40 Jahre ist das inzwischen her. Und trotzdem: Keiner, so legt es der Blick ins Netz nahe, mag sich mit der neuen Kinderheldin aus dem Jahr 2015 anfreunden.

Das ZDF zeigt sich trotz der Kritik gelassen. Nicht nur, weil es mit der Biene Maja und Wickie schon Erfahrungen damit gemacht hat, dass sich Menschen schwer tun, wenn man an ihre Kindheitshelden rührt. Sondern auch, weil es von seiner Sache überzeugt ist. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man mit Irene Wellershoff spricht, Leiterin der Kinderredaktion.

Irene Wellershoff nimmt die neue Heidi vor Kritikern in Schutz. FOTO: ZDF

Der Sender hat für Heidis Neustart viel investiert. Drei Jahre lang hat er an der Produktion der neuen Folgen gefeilt und dafür mit Trickstudios in Frankreich und Australien zusammengearbeitet. Systematische Testläufe mit Kindern, wie sie bei großen Kinoprojekten üblich sind, habe es nicht gegeben, erzählt Wellershoff. Doch seien die Kinder der Macher unbestechliche Tester. In Frankreich und Belgien laufe die Serie bereits mit großem Erfolg.

Den Vorwurf, die neuen Figuren seien flach, lässt die TV-Redakteurin nicht gelten. Im Gegensatz zu Heidi aus den 70ern besitze die neue Serie emotionale Tiefe. "Sie befasst sich auch mit Ereignissen aus dem Roman, die in der alten Serie übergangen wurden, zum Beispiel das Trauma des Großvaters, der sich Vorwürfe macht, dass er den Tod seines Sohnes nicht verhindern konnte", sagt Wellershoff.

Dass ihre Kritiker die Neuverfilmung als Technik- und Modernisierungswahn abtun, findet sie ungerecht. Ausschlaggebend für die Neuproduktion sei der technische Wandel: "Die Zuschauer gewöhnen sich sehr schnell an die neue HD-Optik und umso schlechter sehen automatisch alte Produktionen aus", erläutert sie. "Die alte Heidi hätte auf modernen Fernsehgeräten  einfach schlecht ausgesehen. Grobkörnig, blass, mit Schrammen und dergleichen."

Für der Ärger im Netz signalisiert sie durchaus Verständnis, bittet aber auch um eine faire Chance: "Ich kann alle nur bitten, sich die neuen Folgen erst einmal anzuschauen", sagt Wellershoff. "Ich glaube versprechen zu können, dass wir den Kern von Heidi bewahrt haben."

Die ersten beiden Folgen der neuen Heidi strahlt das ZDF am Ostermontag ab 8 Uhr aus, weiter jeweils samstags um 9.20 Uhr.

Im Interview erzählt Irene Wellershoff außerdem, worauf sie besonders stolz ist, warum Heidi für Kinder eine besondere Figur ist und was die neuen Folgen anspruchsvoller macht als Wickie oder Maja. Lesen Sie hier das Interview in vollständiger Länge.

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