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"Herr Lenz reist in den Frühling"
Lenz sucht seinen Frühling

Frankfurt. Im Ersten geht es um verpasste Chancen und einen möglichen Neuanfang. Von Katharina Dockhorn

Herr Lenz hat den Frühling seines Lebens längst überschritten. Doch statt die Früchte seiner Arbeit zu ernten, steht der Mittvierziger frustriert vor den Scherben seines Lebens. Am Frühstückstisch reden seine Frau Ilona und er schon längst aneinander vorbei. Sein 17-jähriger pubertierender Sohn hält ihn für einen Versager und stellt heimlich aufgenommene Videos von seinem Vater ins Internet. Beruflich bleibt ihm der erstrebte Aufstieg versagt; ein jüngerer Konkurrent erhält den begehrten Posten des Filialleiters eines großen Versicherungskonzerns. Die Aussicht, nun noch länger für das Standard-Reihenhaus am Rande der Stadt abzahlen zu müssen, zieht seine Stimmung zusätzlich runter.

Aus dem alltäglichen Einerlei reißt Lenz ein Freund seines vor mehr als 20 Jahren in Asien verschollenen Vaters. Der Spanier führt die Asche des Verstorbenen in einer Plastikflasche mit sich. Die Nachricht vom plötzlichen Ableben des Vaters und die Aussicht auf das Erbe eines Appartements auf Phuket lassen Lenz aufbrechen.

Andreas Kleinert zählt nach etlichen "Tatort"-Folgen und nach "Klemperer" und "Kelly Bastian" zu den Regisseuren, deren Fernseharbeiten lange im Gedächtnis bleiben. So gewinnt er auch in diesem Film einer Geschichte neue Seiten ab, die schon etliche Male mit einem süßlich-verlogenen Happy-End im deutschen Fernsehen erzählt wurde.

Mit Ulrich Tukur vertraut er für sein Drama einem der besten Schauspieler seiner Generation. Tukur wählt seine Rollen genau aus, er macht aus ihnen Menschen aus Fleisch und Blut, die ihre Krisen mehr schlecht als recht meistern. In der Amüsiermetropole Phuket zwängt er sich als Lenz befremdet und doch ein wenig fasziniert durch die Reihen der Prostituierten beiderlei Geschlechts.

Kleinerts Drama überzeugt mit überraschenden Wendungen, die emotional stimmig sind. Niemals gleitet der Film in Rührseligkeit oder Kitsch ab, stets ist er nah am Leben wie es ist. Er hinterlässt die Hoffnung, dass jeder Abschied mit einem Neubeginn verbunden ist.

"Herr Lenz reist in den Frühling", Das Erste, 20.15 Uhr

(kna)
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