| 08.06 Uhr

Neue RTL-Datingshow
"Herz zu verschenken" – Demütigung am Fliesentisch

Das sind die Kandidaten von "Herz zu verschenken" 2016
Das sind die Kandidaten von "Herz zu verschenken" 2016 FOTO: RTL
Düsseldorf. Die nie viersiegende Quelle der Bloßstellungs-Formate plätschert wieder: In der neuen RTL-Datingshow "Herz zu verschenken – Eine Chance für die Liebe" sucht seit Sonntagabend wieder eine neue Riege von unerfahrenen Dauersingles nach dem Partner fürs Leben.  Von Marlena Schönfeld

"Schwiegertochter gesucht", "Traumfrau gesucht", "Bauer sucht Frau" – dass RTL Menschen auf der Suche nach der großen Liebe gerne zu Quotenzwecken mit Fragen in der Hoffnung auf lustige Antworten löchert, ist kein Geheimnis. Mit dem Format "Herz zu verschenken – Eine Chance für die Liebe", das nun in seine erste Staffel im RTL-Vorabendprogramm startete, bekam das altbekannte Konzept eine neue Verpackung. 

Frage nach sexueller Inaktivität

Inhaltlich blieb jedoch alles beim Alten: Kauzige Charaktere werden am heimischen Fliesentisch zu ihren hoffentlich möglichst albernen Hobbies und ihrer hoffentlich schon möglichst lang andauernden sexuellen Inaktivität befragt, woraufhin der Zuschauer sich entweder telefonisch als potentieller Liebeskandidat bewerben, oder freuen kann, dass die eigene Lust-Flaute im Vergleich ja doch noch gar nicht so dramatisch ausfällt. Die große Liebe findet dann am Ende erfahrungsgemäß niemand – nur bei "Bauer sucht Frau" gibt es wenige Ausnahmen.

Das wurde aus den Paaren bei "Bauer sucht Frau" FOTO: RTL / Stephen Power

Mit Karsten, dem "gutmütigen Gebäudereiniger" aus Sachsen, hat das putzige Produktionsteam von RTL dabei einen ganz besonderen Fisch an Land gezogen. Mit seinen 34 Jahren hatte Karsten bisher erst ein einziges Mal Sex, seine Wohnung zieren neben dem obligatorischen Fliesentisch ein witziges Wandtattoo mit der weisen Aufschrift "Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum" und einige fesche Fotos von der eigenen entblößten Hühnerbrust. In seiner Freizeit sammelt Karsten Modell-Mähdrescher und kuschelt gerne mit seinen possierlichen Plüsch-Diddlmäusen. Ein echter Jackpot für RTL.

Ein Date mit einer klischeehaft überzeichneten Kandidatin

Die einzige Möglichkeit, den Unterhaltungswert dieses zum wandelnden RTL-Klischee hochstilisierten  Pseudo-Versagers noch zu steigern: Man schickt ihn auf ein Date mit einer ebenso klischeehaft überzeichneten Dame. Die Wahl fällt dabei auf die "patente Puzzlerin" Claudia, die sich ihre Zeit für gewöhnlich mit Sticken, Puzzlen und Malen nach Zahlen vertreibt, sich nach einem Mann mit dem adretten Aussehen von Xavier Naidoo sehnt und natürlich unter leichtem Übergewicht leidet, aber das versteht sich ja wohl von selbst.

Und wenn man den beiden unbeholfenen Dating-Novizen jetzt auch noch einige unsinnig anmutende Dialoge in den Mund legt und natürliche Gesprächspausen durch geschickte Schnitte und eingespieltes Grillen-Gezirpe auf eine fast unerträglich peinliche Länge zieht, ist der wohlige Schauer der Fremdscham perfekt. Das von Karsten höchstpersönlich und höchst dilettantisch zubereitete und aus Makkaroni und Käse bestehende Verführungsmahl ist dabei dann bloß noch die Kirsche auf der bittersüßen Torte der Bloßstellung. 

Thomas lebt mit Vater und Schwester zusammen

Doch auch die restlichen Attraktionen im RTL Freak-Zirkus haben einiges zu bieten: da gäbe es noch Thomas, den drolligen Druckermeister, der trotz seiner 50 Jahre noch immer mit Vater und Schwester zusammenlebt und gerne im trauten Familienkreis Brettspiele spielt und Squaredance betreibt. Und die rassige Ruth (57), die in einer Art Vintage-Messi-Museum lebt, gerne einen zehn Jahre jüngeren Mann mit wallendem blonden Haar hätte und sich am liebsten im japanischen Gothic-Look kleidet.

Und natürlich die sinnliche Silke, die bei der zukünftigen Partnerwahl vor allem die Berufsgruppen der Landwirte und Rapper anstrebt und von RTL zur allgemeinen Belustigung direkt mal in ein unvorteilhaftes, fliederfarbenes  Negligé gesteckt und angewiesen wird, sich darin lasziv und mit farblich passenden Plüschhandschellen wedelnd zu räkeln. Als ehemalige erfolglose DSDS-Kandidatin ist Silke diese Art der Demütigung aber ja zum Glück schon gewohnt.

Alternativ-Titel war vermutlich zu lang

Schnell wird klar, dass "Herz zu verschenken" weniger "Eine Chance für die Liebe" ist, als eine weitere "Chance zum sozialen Abwärtsvergleich für ein Publikum, das wahrscheinlich auch noch über Mario Barths Witze über schlecht einparkende Frauen lacht". Aber das war als Titel wahrscheinlich zu lang für die Spalte in der Fernsehzeitschrift.

Gleich zu Beginn der Sendung lieferte Kandidat Karsten eine vermutlich sehr treffende Zusammenfassung seiner Liebhaber-Qualitäten: "Da muss man nicht lange um den heißen Brei herum reden – ich hab' jetzt nicht so viel zu bieten." Eine Stunde später weiß man: Auf die Sendung lässt sich das uneingeschränkt übertragen.

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