| 08.47 Uhr

München
Historienschinken vom Feinsten

München. Die ARD hat den Bestseller "Das Geheimnis der Hebamme" verfilmt - mit Jungstar Ruby O. Fee und Franz Xaver Kroetz. Von Martina Stöcker

Als kleines Mädchen muss Marthe (Ruby O. Fee) mit ansehen, wie ihre Mutter ertränkt wird. Die Menschen glaubten, sie sei mit dem Teufel im Bunde, weil Marthe dank ihrer besonderen Fähigkeiten einen Menschen geheilt hat. Seitdem verheimlicht sie diese Gabe, weil sie die Reaktion der Menschen fürchtet. Als sie zu Hilfe gerufen wird und die Frau eines mächtigen Grafen bei der schweren Geburt nicht retten kann, muss sie fliehen. Sie schließt sich einem Siedlertreck an, der unter der Führung des Ritters Christian (Steve Windolf) das Land jenseits von Saale und Elbe erschließen will.

Der ARD-Film "Das Geheimnis der Hebamme" basiert auf der erfolgreichen Romanreihe der Autorin Sabine Ebert und führt in die Zeit von Kaiser Barbarossa. Nun könnte der Zuschauer einen schlimmen Historienschinken befürchten, aber dem renommierten Regisseur Roland Suso Richter ("Die Spiegel-Affäre", "Der Tunnel", "Mogadischu") ist ein feiner, spannender Film gelungen, in dem es um Themen unserer Zeit geht, wie zum Beispiel Selbstbestimmung und persönliche Freiheit. Ritter Christian ist ein gesellschaftlicher Aufsteiger, seine Gefolgsleute träumen von einem besseren Leben ohne die Willkür eines Lehnsherrn, und vor allen Dingen Marthe will auch als Frau selbstständig sein. Natürlich gibt es auch böse Widersacher, viele Schwertkämpfe, Schmerzensschreie, zottelige Haare und von Dreck verkrustete Gesichter sowie eine Liebesgeschichte zwischen Marthe und Christian, die allerdings aussichtslos scheint, weil sie nicht demselben Stand angehören. Richter inszeniert das 12. Jahrhundert nicht als "dunkle Zeit", sondern als eine Epoche, in der die Menschen auch Freude, Glück und Zuversicht empfunden haben - mit stimmungsvollen Bildern und einem atmosphärischen Soundtrack, der an die Musik der irischen Künstlerin Enya erinnert.

Zwei Schauspieler sorgen in diesem Film für eine Überraschung: Für die erste ist Franz Xaver Kroetz verantwortlich, der in der Rolle von Christians Lehnsherren, Markgraf Otto von Wettin, mal wieder im Fernsehen zu sehen ist. Der 69-Jährige war in den 80ern der legendäre Klatschreporter Baby Schimmerlos in "Kir Royal". Eine gewisse Schlitzohrigkeit verpasst er auch seinem Markgrafen und zeigt dessen Facetten zwischen Herrschsucht, Machtdenken und Menschlichkeit. Die zweite Überraschung ist die eindringliche Hauptdarstellerin Ruby O. Fee, die im ersten Drittel des Films kaum spricht und nur durch ihre Mimik und Blicke aus ihren dunklen Augen überzeugen kann. Die 20-Jährige, die Marthe so stark und so verletzlich spielt, hat schon mehrere Filme gedreht und dabei ein breites Repertoire gezeigt: Es liegt zwischen "Bibi und Tina" und ihrer Rolle als Heimkind, das eines Mordes bezichtigt wird, in der Stuttgarter "Tatort"-Folge "Happy Birthday, Sarah". Für diese Rolle bekam sie auch den "Jupiter"-Preis als "Beste deutsche TV-Darstellerin".

Der knapp dreistündige Film erinnert dank großartiger Naturaufnahmen und der eindrucksvollen Kulissen an einen Ausflug in ein Freilichtmuseum. Tatsächlich wurden die Produzenten auf der Suche nach geeigneten Drehorten in einem Museumsdorf in der Nähe von Prag und in Niederösterreich fündig. Das Ende lässt erahnen, dass es mit der Hebamme weitergehen könnte. Vier Bände der Autorin liegen noch vor.

"Das Geheimnis der Hebamme", Das Erste, Fr., 20.15 Uhr

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

München: Historienschinken vom Feinsten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.