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Vox-Show "Die Höhle der Löwen"
Original, unverpackt und herzzerreißend

Fotos: Vierte Folge der "Höhle der Löwen" 2017
Fotos: Vierte Folge der "Höhle der Löwen" 2017 FOTO: Pitch: Original Unverpackt
Düsseldorf. Dieses Mal wollte eine Weltverbesserin die Investoren überzeugen. Aber "Die Höhle der Löwen" endete für sie ohne Deal. Maschmeyer, Thelen und Co. wollten ihr Geld lieber in Katzenmöbel, Nudeln und eine elektronische Auto-Heckklappe investieren. Von Sebastian Esch

Das gab es in "Der Höhle der Löwen" noch nie – ein Investor ist krank und kann nicht im TV-Studio erscheinen. Judith Williams fehlte bei den Aufnahmen im März wegen einer Grippe. Ihr Ersatz ist der ehemalige Geschäftsführer vom Pay-TV-Sender Premiere: Georg Kofler. Der 60-Jährige ist seit vielen Jahren starker Partner von Williams. Deshalb nimmt er für diese Folge als Aushilfs-Löwe zwischen Carsten Maschmeyer, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel Platz.

Es ist der bedeutsamste und zugleich traurigste Pitch des Abends: Milena Glimbovski möchte mit ihrem Unternehmen "Original Unverpackt" die Welt vom Plastik befreien. "Ich lebe seit zwei Jahren ohne Müll", erklärt sie. In ihrem Laden ist das Einkaufen komplett ohne Tüten möglich. "Die Kunden kommen mit ihren eigenen Behältern und können über 600 Produkte selbst abwiegen", sagt Milena und ist stolz: "Wir haben eine Bewegung gegründet, wir wollen das Plastik und die Weichmacher aufhalten." Die Löwen sind von der Idee fasziniert. "Man merkt ja, wie weh es ihnen tut, wenn sie das Wort Plastik sagen", findet Dümmel. "Das, was du gemacht hast, ist mein Traum. Ich mag es, wenn Leute nicht nur reden, sondern zeigen, wie es geht", sagt Thelen begeistert.

Ein Leben ohne Plastik – aber auch ohne Investment

Das Problem der 27-Jährigen: Sie möchte keine weiteren Filialen öffnen, sondern aufs Online-Geschäft umsteigen. "Die Leute folgen unserem Beispiel schon in anderen Städten. Ich möchte eigene Produkte ohne Plastik herstellen wie beispielsweise Naturkosmetik." Dies bringt die Löwen in eine schmerzhafte Situation. Alle möchten helfen, aber ohne weitere Filialen sehen sie keinen Markt. "Ich fühle als Investor den Willen zum Spenden. Das ist für mich kein Start-up, deshalb muss ich schweren Herzens passen, aber vielleicht treffen wir uns einmal, und reden über eine Spende", sagt Thelen. Die anderen Löwen schließen sich an. "Sie haben das Potenzial, eine Weltverbesserin zu werden", ist sich Maschmeyer sicher. Thelen macht Glimbovski dennoch Mut: "Du hast uns alle fünf begeistert, ich glaube, wir werden noch viel von dir hören und sehen."

Den ersten Deal macht das Düsseldorfer Unternehmen "Kletterletter" mit hochwertigen Möbeln für Katzenliebhaber  – und die Vierbeiner. "Ich lebe gerne schön und stilvoll, und das soll sich durch Katzen nicht ändern", erklärt Gründer Lutz Spendig. Spätestens beim Thema Kratzbaum würde dies aber schwer werden, deshalb arbeitet er an großen, selbstgebauten Kunstwerken. Diese haben die Form von Zahlen oder Buchstaben, in deren Rückseite jeweils ein Parcours für Katzen eingearbeitet ist. Für die Menschen ist der Kletterpark im Möbelstück nicht zu sehen. Kostenpunkt: 800-4500 Euro. "Das ist ein Nischen-Nischen-Nischen-Produkt", sagt Thelen und lehnt ab. Nur Dümmel ist zu überzeugen. "Wir brauchen Massenproduktion und müssen das Kunstwerk zerlegbar machen, dann bin ich dabei."

Die "schlanke Nudel"

Die Marke "Kajnok" landet den zweiten Deal des Abends. Das Unternehmen von Sonja Zuber stellt "die schlanke Nudelalternative" her. Der Clou: 100 Gramm Nudeln haben nur acht Kalorien. Zum Vergleich: Normale Nudeln haben rund 150 bis 300 Kalorien. Die Nudeln werden aus der Konjak-Pflanze hergestellt. "Es ist ein Funktionsessen, ein Gourmet soll das gar nicht essen", erklärt die Gründerin. Der Pasta beim Lieblingsitaliener möchte sie überhaupt keine Konkurrenz machen, sagt sie selbst. Es sei mehr für Leute gedacht, die bei der Ernährung ein paar Kalorien sparen möchten. Thelen und Maschmeyer finden die Idee zwar gut, sind aber bereits mit anderen Gründern in der Nudelproduktion. Schließlich macht Gast-Löwe Kofler den Deal. Dieser beinhaltet als Partnerin auch die abwesende Judith Williams.

Auch für die Gründer von "go simply" verläuft der Auftritt erfolgreich. Sie präsentieren ein Produkt, wodurch es auch "einfachen Autos wie dem VW Golf" möglich ist, den Kofferraum elektronisch zu öffnen. Dies funktioniert durch eine eingebaute Feder auf den Dämpfern des Kofferraums. "Sobald der Mechanismus am Schlüssel aktiviert wird, entwickelt die Feder so einen starken Druck, der den Kofferraum weit öffnet." Für Einkäufe eine optimale Lösung, meinen die Gründer. Das Produkt sei in wenigen Schritten einfach einzubauen. "Sie glauben nicht, wie viele Rentner bei uns angerufen haben." Da sieht auch Wöhrl das Potenzial und macht ein Angebot. Sie verliert allerdings gegen Konkurrent Dümmel, der ebenfalls begeistert ist. "Ich denke dabei an meine beiden Söhne. Das ist eine Mega-Sache", sagt er und schließt den Deal ab.

Neu-Löwin Wöhrl hat es schwer bei Gründern

Wie schon in den vergangenen Folgen fällt das Engagement von Dümmel auf. Hat die Gründeridee nur etwas Potenzial, investiert der Löwe, gibt den Gründern eine Chance. Williams sucht sich dagegen gezielt die Produkte für ihren Teleshopping-Kanal aus und bekommt durch ihren Namen auch oft das Vertrauen der Gründer. Wöhrl hingegen hat als Neuling einen sehr schweren Stand. Es wirkt oft, als nehmen sie viele der Gründer gar nicht als echte Löwin ernst, was aber auch an der ständigen Erwähnung ihres "Familienunternehmens" liegen könnte. Thelen ist in dieser Staffel wesentlich unauffälliger. Wenn er doch investieren will, handelt er sich oft einen Korb ein. Dasselbe gilt für Maschmeyer.

Das abschließende Investment erhalten die Gründer hinter "Fit Taste". Sie bieten Fertiggerichte für Sportler und Menschen, die sich gesund ernähren möchten. "Viele haben das Problem, Beruf, Sport und gesundes Essen unter einen Hut zu bringen. Das ist kaum schaffbar." Da will das Unternehmen mit den Fertigprodukten aushelfen. Im Schnitt kosten diese acht Euro. Die Gründer haben auch einen prominenten Fürsprecher – Olympiasieger Fabian Hambüchen, der sich gleich per Videobotschaft meldet. "Ich kann euch das nur empfehlen", sagt er. Der Funke springt allerdings nur bei Frank Thelen über. Den anderen ist der Markt zu umkämpft. Thelen: "Ich will das trotzdem machen, weil ich Bock habe, das mit euch aufzubauen."

 
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Höhle der Löwen 2017: Deal für Kofferraumöffner "go simply"


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