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„Die Höhle der Löwen“
Gründer verzocken sich mit Tinder-Kopie

Düsseldorf. "Anmaßend, frech, ein Desaster" – die Macher der App "Wydr", eine Tinder-Kopie für Kunstwerke, mussten am Dienstagabend harte Kritik einstecken. Wie viele andere der blassen Kandidaten, bekamen sie keinen Deal. Einen Lichtblick gab es jedoch: Den ersten Heiratsantrag in der Geschichte der Sendung. Von Tim Kronner

Wann lernen es die Gründer endlich? Woche für Woche kommen Menschen mit gute Ideen in die Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen" und verbauen sich die Zusammenarbeit mit einem der Investoren von vornerein selbst. Grund dafür sind die meist viel zu hohen Bewertungen, die die Kandidaten für ihre Firmen aufrufen. Als Paradebeispiel dienten am Dienstagabend die Jungs von "Wydr", die ihre App als das "Tinder für Kunst" bezeichnen. Sie schätzten den Wert ihres Marktplatzes für Hobby- und Profikünstler auf 1.250.000 Euro – und das mit einem Jahresumsatz von bislang nur 6.000 Euro.

Da ließ sich Zahlenliebhaber Carsten Maschmeyer nicht lange bitten und zerlegte die Gründer vor laufenden Kameras: "Diese Bewertung ist anmaßend, euer beruflicher Leistungsnachweis ein Nichts. Das ist ein Desaster, das ist eine Frechheit." Auch die anderen Löwen verabschiedeten sich – trotz vereinzelten Gefallens an der Idee – schnell vom Gedanken Geld zu investieren. "Das waren schwache Zahlen und ein schwacher Auftritt. Ich bin raus", sagte Frank Thelen.

Diese Gründer präsentierten sich in Folge 7 FOTO: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Leider wurde es für die Löwen und Zuschauer im Anschluss nicht viel besser. Denn der gestrigen Sendung fehlte es an Biss – die vorgestellten Produkte überzeugten kaum und auch die Gründer blieben im Vergleich zu den bisherigen Folgen blass. Das Ergebnis: Drei von sechs Kandidaten bekamen keinen Deal angeboten.

Erster Heiratsantrag in der Sendung

Das positive Highlight gab es immerhin direkt zu Beginn. Und das ist auch gut so – sonst hätten es viele Zuschauer wahrscheinlich gar nicht mehr mitbekommen. Der Stuttgarter Oliver Rokitta ergatterte mit seinem "Rostschreck" für sauberes Spülmaschinen-Besteck, nämlich den ersten Deal und machte seiner Freundin Nadine anschließend im Überschwang der Gefühle einen Heiratsantrag per Video-Botschaft. Der erste in der Geschichte der Vox-Sendung. Und wie sich heute herausstellte: Nadine hat beim gemeinsamen Ansehen der Folge "Ja" gesagt! Oliver Rokitta darf sich dank seines beherzten Auftritts über einen Deal fürs Leben freuen.

Fotos: So lief die sechste Folge der "Höhle der Löwen" FOTO: MG RTL D

Ein bisschen mehr Enthusiasmus hätte ihm allerdings auch bei der Präsentation seiner Idee zu Gesicht gestanden, die war nämlich eher trocken und löste bei den Löwen keine Begeisterungsstürme aus. "Ihr Rostschreck ist eher noch ein Investorenschreck", sagte Maschmeyer, der mal wieder die Sprüche des Abends auf seiner Seite hatte. Glück für Rokitta: Als letzter verbliebener Löwe stieg Ralf Dümmel ein, schnappte sich mit 35 Prozent für 100.000 Euro, aber auch gleich mehr als doppelt so viele Anteile wie der Gründer eigentlich abgeben wollte.

Niemand fährt die Krallen aus

Neben wirklich bahnbrechenden Ideen, ließ diese Folge auch das oft so unterhaltsame Buhlen um die Gründer vermissen. Nur ein Mal wollten zwei Löwen den Deal machen und mit der Sportmarke "Morotai" ins Geschäft kommen. Dümmel und Dagmar Wöhrl boten um eine Beteiligung an dem neuen Brand für besonders funktionale und vielseitige Sportkleidung. Dass die Familienunternehmerin mit 100.000 Euro für 20 Prozent deutlich mehr als Dümmel offerierte (75.000 für 25,1 Prozent), ließ den Handelsexperten zwar kurz zerknirscht drein blicken, nachbessern wollte er aber auch nicht. Am Ende war es damit doch eher ein müder Kampf, als dass ein Löwe wirklich die Krallen ausgefahren hätte.

Noch weiter ging es bei einem deutsch-englischen Gründer-Pärchen, als sich zwei Löwen sogar zu einem Angebot zusammenschlossen. Judith Williams und Frank Thelen stiegen bei den beiden Porridge-Fans ein, um mit ihnen den deutschen Markt für Haferflocken zu erobern. Mangels anderen Löwen-Interesses konnten sie dafür aber auch doppelt so viele Anteile, wie eigentlich angeboten, zum selben Preis einstreichen.

Keine Deals gab's zudem für die Macher von selbst stehenden Schultüten im 3D-Design und die Erfinder einer Regen-, Schnee, und Konfetti-Maschine für Theater, Events und Partys. Im ersten Fall war den Löwen das Saisongeschäft zu riskant, im zweiten die Produkt-Nische zu klein. Die Gründer wirkten wie viele ihrer gestrigen Mitkandidaten zwar bemüht, konnten die Löwen mit ihrer Art aber nicht überzeugen.

 
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