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Die Höhle der Löwen
Mutter baut künstliches Organ

Die vierte Staffel der "Höhle der Löwen"  : Künstliches Gleichgewichtsorgan rührt Investoren
Die vierte Staffel der "Höhle der Löwen" : Künstliches Gleichgewichtsorgan rührt Investoren FOTO: Pitch: MovEAid
Düsseldorf. Zum Staffelauftakt der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen" gibt es ein neues Gesicht in der Jury. Dagmar Wöhrl beerbt Jochen Schweizer. Eine Geschichte fürs Herz klaut aber allen die Show.  Von Sebastian Esch

"Sie gehen hier heute nicht ohne Deal weg. Das können wir fünf gar nicht zulassen", sagt Ralf Dümmel gerührt. Wenige Minuten zuvor betraten Dindia Gutmann (26) und ihre Mutter Anna Vonnemann (67) die Höhle der Löwen und präsentierten ihr Startup "MoveAid".

Die 26-Jährige erlitt drei Monate vor ihrer Geburt einen Schlaganfall und ist seitdem halbseitig gelähmt. "Erst in der Schule wird einem bewusst, was das eigentlich bedeutet", erklärt sie. Abhängigkeit, Schmerzen und Ausgrenzung. Mutter Anna will ihrer Tochter den Rollstuhl ersparen und fängt an, "wild herumzuexperimentieren". Die freie Malerin baut ohne technische Kenntnisse ein künstliches Gleichgewichtsorgan, das es Dindia seit inzwischen zehn Jahren ermöglicht zu gehen. Wie sie so etwas ohne technischen Hintergrund entwickelt habe, wollen die Investoren wissen. "Ich bin Mutter!", ist die Antwort. 

Die fünf Löwen Carsten Maschmeyer, Frank Thelen, Judith Williams, Ralf Dümmel und Neuzugang Wöhrl sind nach dieser Geschichte erst einmal sprachlos. "Das ist wahrscheinlich die emotionalste Story, die wir hier je hatten. Unfassbar", sagt Thelen. "Wegen solcher Geschichten, die zeigen, was alles möglich ist, liebe ich diese Sendung", ergänzt er.

Rund 3000 Euro soll das Gerät kosten. Für die Löwen spielt das keine Rolle: "Das hat so einen Mehrwert für die Menschen, weit mehr als 3000 Euro", sagt eine den Tränen nahe stehende Williams. Am Ende dürfen sich Mutter und Tochter über ein Investment von gleich zwei Löwen freuen. Maschmeyer und Wöhrl investieren die geforderten 200.000 Euro für 20 Prozent. "Ob ich mein Geld zurückbekomme ist mir egal. Es gibt so viele Game-Changer, das hier ist ein Life-Changer", sagt Dümmel.

Überzeugender Auftritt

Auch "ProtectPax" kann die Jury überzeugen: Ein unsichtbarer Displayschutz fürs Smartphone aus der Tube – so die Idee des Startups von Pascal Buchen (26) und Anthony Filipiak (22). "Das Sicherheitsglas ist sechsmal stabiler als herkömmliches", erklären die Gründer und greifen zu Hammer und Schere, um das gleich einmal zu beweisen. Das Glas hält, was es verspricht.

Auch Thelens Bedenken einer eingeschränkten Sensibilität des Touch-Displays sind unbegründet. Weiterer Vorteil: "Das Spektrum ist so breit. Ich kann es an der Theke für jedes Handy verkaufen", sagt Buchen. Es sei nicht nötig, nach einer Hülle für ein bestimmtes Handymodell zu suchen.

Spannend wird es dann beim Thema Patent: "Ein Patent konnten wir nicht anmelden, weil die Technologie an sich schon bei der Marine und dem US-Militär eingesetzt wird – beispielsweise, um Flugzeuge robuster zu machen."  Bei den Investmentangeboten kommt es zu einem Novum. Erstmals machen drei Löwen das exakt gleiche Angebot. Thelen, Williams und Dümmel bieten je 150.000 Euro für 20 Prozent. Letzterer erhält den Zuschlag.

Thelen investiert in Luicella´s Eismix 

Der ehemalige Profischwimmer Markus Deibler (27) und Luisa Mentele (29) überzeugen die Löwen mit einem Eis-Pulver, das zuhause mit Milch schnell zu Speiseeis wird. "Es gibt zig Backmischungen für Kuchen, warum also nicht auch so etwas für Eis", erklärt Deibler die Idee. Luicella´s Eismix nennen die Erfinder die Kreation.

Nach der Vorstellung dürfen die Löwen testen. Diverse "hmms", "ooohs" und "aaahs" zeugen vom Geschmack des Eismixes. Thelen, Dümmel und Wöhrl sind bereit für ein Investment. Thelen erhält am Ende den Zuschlag, hat aber gleich eine Forderung: "Ich möchte eure Kuh töten." Diese befindet sich im Logo des Startups, schrecke aber den veganen Markt zu sehr ab, so Thelen.

Kein Investment für Schaumstoff-Herzen 

Die 49-jährige Birgit Unger bringt zunächst ihre Bewunderung für die Löwen zum Ausdruck: "Diese Sendung hat mich zum Nachdenken gebracht, mich inspiriert, welches Problem ich lösen könnte", sagt sie. Lange musste sie nicht nachdenken. "Ich muss bei meinen Schuhen immer Zwischengrößen tragen. Perfekt passt es nie."

Ihre Lösung: hearts for heels. Das sind kleine Schaumstoff-Herzen, die den Raum in zu großen Schuhen ausfüllen sollen und für jeden Schuh individuell anpassbar sind. "Das wird bei sehr vielen Familienausflügen helfen", sagt Maschmeyer. Investieren will er aber nicht. Trotz großer Sympathie für den Enthusiasmus von Unger entschließt sich kein Löwe für einen Deal. "Ich sehe den Unterschied zu einer Einlage nicht", erklärt Wöhrl.

Kritik an Spezialgrill 

Das perfekt gegrillte Steak – dass ist die Unternehmens-Idee von Otto Wilde (67), Tochter Julia (31) und Alexander Luik (29).  Die drei Gründer haben einen speziellen Grill erfunden, der eine so hohe Temperatur erreicht, dass "auf dem Fleisch eine besondere Kruste entsteht", erklärt Luik.

Die folgende Geschmacksprobe begeistert die Löwen zwar, dennoch gibt es Kritik: "Der Grill ist so klein, da brauch ich ja drei Stück von", sagt Maschmeyer. Das müssen auch die Gründer zugeben. "Unser Produkt ist sehr speziell und eher als Zweit- oder Drittgrill gedacht", sagt Luik.

Den Gesichtern der Investoren ist bereits anzusehen: Hier wird heute nicht investiert. Endgültig raus sind alle fünf, als es zur Unternehmensbewertung kommt – diese beträgt zwei Millionen Euro. "Die Bewertung ist nicht von dieser Welt", betont Dümmel.  

 
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