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Numan Acar aus "Homeland"
"Es macht Spaß, der Bösewicht zu sein"

Homeland: "Es macht Spaß, der Bösewicht zu sein"
Numan Acar spielt in "Homeland" den Top-Terroristen Haqqani. FOTO: Geisler-Fotopress
Berlin. Der deutsch-türkische Schauspieler Numan Acar verkörpert in der vierten Staffel der US-Serie "Homeland" den Top-Terroristen Haqqani. Ein Gespräch über Helden der anderen Seite und das Wandern in Kapstadt. Von Ludwig Krause

Herr Acar, Sie sollen großer Fußballfan sein. Sind Sie auch auf dem Platz der Böse?

Numan Acar Nein, ich denke nicht. Ich war immer relativ konditionsstark und geschickt mit dem Ball. So konnte ich meine Gegenspieler auflaufen lassen. Ich spiele auch viel lieber selbst, als dass ich zuschaue. Wenn ich vor der Option stehe, ein Spiel anzugucken oder mit Freunden zu kicken, dann würde ich immer auf den Platz gehen.

Sie spielen in der vierten Staffel der US-Serie Homeland den Bösewicht Haqqani. Wie würden Sie die Rolle beschreiben?

Acar Haqqani war beim Casting als skrupelloser General ohne Hemmungen charakterisiert. Er ist ein Mann, der sich in den Afghanistan-Kriegen die Sporen verdient hat und zu einem Volkshelden geworden ist. Jetzt sieht er die Möglichkeit, seinem Land die Freiheit zu bringen. Er ist ein Familienmensch, ein Taktiker und ein Mensch mit Würde und Stolz.

Zehn unbekannte Fakten über Homeland FOTO: Twentieth Century Fox Film Corporation

Es scheint, als ob Sie Haqqani nicht als durchweg düster empfinden.

Acar Als ich in diese Rolle geschlüpft bin, habe ich versucht, herauszufinden, wie es sich anfühlt, im permanenten Kriegszustand zu leben. Wie es ist, als Widerstandskämpfer in einem immerzu besetzten Land. Ich versuche, das Leben durch die Perspektive der anderen Seite zu betrachten. Was hält die andere Seite von der Figur? Ist er für sie vielleicht ein Held? Den Produzenten ist durch diese Perspektive bei der vierten Staffel wirklich etwas Einzigartiges gelungen.

Entwickelt sich der Charakter weiter?

Acar Glücklicherweise taucht er im Verlauf der Staffel immer häufiger auf. Jede Episode erfährt man ein Stück mehr von ihm. So konnte auch ich die Zeit nutzen, um immer mehr über die Figur herausfinden. Mit jeder Folge, die wir gedreht haben, habe ich eine neue Facette entdeckt. Diese Entwicklung ist nie zu Ende. Wenn es jetzt nochmal zehn Folgen geben würde, würde die Entwicklung auch zehn Folgen fortschreiten, weil die Figur immer tiefer erzählt wird. Das ist das Interessante bei dem Format der Serie.

Wie versetzt man sich in die Lage eines Terroristen?

Acar Ich habe viel gelesen, mir viele Bilder angeschaut. Von Widerstandskämpfern, aber auch Familien in allen möglichen Situationen: Beim Essen oder auf einer Hochzeit. Ich wollte das Spektrum vom Top-Terroristen bis zum liebevollen Familienmenschen sehen, um herauszufinden, wie weit man so eine Figur interpretieren und wiedergeben kann.

Wie kommt man als deutscher Schauspieler zur Rolle des Bösewichts in einer großen internationalen Produktion?

Acar Das ist schwer zu sagen. Die Produzenten haben mir gesagt, dass sie mich einfach sehr authentisch fanden. Ich habe mich schon früh darum gekümmert, dass ich international von einer Agentur vertreten werde. Dann habe ich mich wie viele andere dafür beworben und war derjenige, der genommen wurde.

Vor Homeland haben Sie schon in komischen Produktionen gespielt. Was ist schwieriger?

Acar Als schwierig habe ich keines von beidem empfunden. Jede Rolle hat ihren eigenen Reiz. Comedy besitzt ein anderes Timing und eine andere Energie als Drama. Ich finde es sehr schön, dass ich überhaupt für diese unterschiedlichen Rollen in Erwägung gezogen werde und ich nicht immer nur einen Typen spiele. Das werde ich hoffentlich beibehalten können.

Der kürzlich verstorbene Christopher Lee ist als großer Bösewicht-Darsteller in die Filmgeschichte eingegangen. Hätten Sie ein Problem damit, den Rest ihrer Karriere den Bösen zu spielen?

Acar Das kommt immer auf die Figur an. Es macht auf jeden Fall mehr Spaß, ein Bösewicht zu sein, als immer nur den Guten zu spielen.

Seit einiger Zeit erleben US-Serien hierzulande einen Boom. Fans sagen, sie würden sich auf einem anderen Level erzählen, als die deutschen Produktionen. Sie haben beides kennengelernt. Ihre Meinung?

Acar Es gibt Unterschiede, das größte davon ist das Budget. Das wirkt sich in jeder Abteilung aus. Ob in der Ausstattung oder bei den Kostümen. Es ist aber auch eine andere Erzählweise und viel Raum für Innovationen. Ich finde internationale Serien auf jeden Fall reizvoller.

Waren Sie vor ihrer Rolle schon Fan von Homeland?

Acar Ja, sehr.

Mit wie viel Ehrfurcht geht man dann an so ein Projekt heran?

Acar Das ging so schnell, dass ich mich gar nicht in die Ehrfurcht hineinsteigern konnte. Ich hatte schon ein paar Filmen zugesagt, denen musste ich wieder absagen. Außerdem musste noch mein Visum besorgt werden. Innerhalb von zehn Tagen sollte ich ja nach Kapstadt. Erst im Flugzeug habe ich realisiert: Oh Gott, ich fliege da jetzt wirklich hin, um mit Claire Danes ("Carrie Mathison"), Mandy Patinkin ("Saul Berenson") und dem Team zu drehen.

Wie war der Empfang am Drehort?

Acar Am Set war ich super aufgeregt. Ich bin einen Tag vorher hingegangen, weil ich die Stimmung in mir aufnehmen wollte. Dann wurde ich aber sofort in den Kreis aufgenommen, durfte solange bleiben, wie ich wollte. Mit jedem Drehtag verschwand die Nervosität.

Haben Sie Freundschaften am Set geschlossen?

Acar Wir sind mit der Zeit wie eine Familie geworden. Mandy und ich sind sehr gute Freunde, aber auch mit Claire oder Produzent Alex Gansa bin ich befreundet. Wir schreiben uns, verabreden uns zum Essen. Eigentlich eine sehr vertraute Beziehung.

Sie und Mandy Patinkin sollen ein gemeinsames Ritual bei den Dreharbeiten in Kapstadt gehabt haben.

Acar Das Wandern? Das war weniger ein Ritual, es hat sich viel mehr einfach so ergeben. Mandy ist ein begeisterter Wanderer, ich mache es auch gerne. Dann ist man in dieser Stadt mit dem Table Mountain, der hat uns einfach dazu eingeladen, loszulegen.

Worüber spricht man beim Wandern durch die Berge Kapstadts?

Acar Über alles. Die Serie, aber auch was einen im Leben beschäftigt, was man mit seinen Freunden teilt.

Am 10. Juli wird die vierte Staffel von Homeland im Free-TV ausgestrahlt, gedreht wurde aber bereits im vergangenen Jahr. Wie weit weg fühlt sich Homeland mittlerweile für Sie an?

Acar Die Serie ist noch ganz nah bei mir, zumal ich Wahlberliner bin und die neue Staffel hier gedreht wird. Vor kurzem war ich zu Besuch am Set in Berlin. Ich hatte das Gefühl, ein gern gesehener Gast zu sein.

Ist Berlin die richtige Wahl für Homeland?

Acar In einer solch großen Serie das Hauptmotiv zu sein, ist eine große Möglichkeit für die Stadt. Gerade bei Homeland tragen die Motive immer zu Geschichte bei. Aber auch für die deutschen Schauspieler ist es ein riesen Geschenk, von so einem großen Publikum gesehen zu werden und die Erfahrung mitnehmen zu können.

War Homeland auch für Sie ein Geschenk?

Acar Homeland hat mir neue Werkzeuge in die Hand gegeben. Ich bin ein Beobachter und nehme dabei immer ganz viel mit. Das Wirken mit den anderen Schauspielern vor der Kamera, aber auch die Art und Weise, wie dort mit der Arbeit und den Figuren umgegangen wird, haben mich wirklich beeindruckt.

Welches Projekt steht für Sie als nächstes an?

Acar Ich drehe einen Film mit Matt Damon und Willem Dafoe in China. Das ist ein Projekt von Regisseur Zhang Yimou, der unter anderem "House of the flying Daggers" gemacht hat. Ein großartiger Regisseur, seine Filme sind Poesie in Bildern.

Homeland scheint Ihnen ja nicht unbedingt geschadet zu haben…

Acar Nein, definitiv nicht. Aber ich musste genauso ein Casting machen wie alle andere anderen auch und mich für die Rolle bewerben. Es ist nicht so, als dass ich jetzt etwas geschenkt bekomme.

Weitere Informationen zu "Homeland" in unserem Dossier.

Quelle: RP
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