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"Der Klügere kippt nach"
Die 90er wollen ins Fernsehen zurück

Fotos: Das ist "Der Klügere kippt nach"
Fotos: Das ist "Der Klügere kippt nach" FOTO: dpa, ahe fdt
Düsseldorf. Wenn Hugo Egon Balder, Hella von Sinnen und Wigald Boning eine neue TV-Sendung starten, erinnert das an die goldenen Zeiten des Privatfernsehns. In "Der Klügere kippt nach" sitzen sie in einer Kneipe, trinken Alkohol und reden ohne Konzept. Die Tele-5-Zuschauer haben den Eindruck, dass die 90er Jahre zurück ins TV wollen. Das ist nicht unbedingt schlecht. 

Zunächst eine Einschränkung: Diese TV-Kritik ist ohne Alkoholeinfluss entstanden. Einige andere Kritiker haben beim Ansehen dieser Sendung definitiv unter Alkoholeinfluss gestanden, bei anderen ist dies unsicher. Und tatsächlich, schon die Ankündigung lässt vermuten: Wer nicht mittrinkt, hat keinen Spaß an der Sendung. 

Die Idee stammt von "Wirt" Hugo Egon Balder (65). Er ist Mitbetreiber der Kneipe "Zwick" im Hamburger Stadtteil St. Pauli und hat sich das Konzept der Sendung ausgedacht. In der einstündigen Sendung, in der neben Balder und Talkleiter Wigald Boning auch Hella von Sinnen als Dauergast mitwirkt, tranken die Gäste jeweils zwei bis drei Gläser ihres "Stammgetränks" - also Wein, Bier oder ein Wodka-Mischgetränk - ergänzt durch Eierlikör beim Thema Ostern oder Ouzo, als es um die Griechenland-Krise ging. Zur Premiere kamen am Ostermontag Sex-Expertin Paula Lambert, Schlagersänger Bernhard Brink und Komiker Ingmar Stadelmann.

Diese Promis hatten ihr Coming-out FOTO: ap

Und tatsächlich: Es gab eine Stunde wildes Durcheinandergerede. "Dabei habe ich vier Stunden vor der Sendung erklärt, dass nicht durcheinander gerdet werden soll", erklärte Balder am Ende der Sendung leicht zerknirscht. Er dürfte dennoch zufrieden sein. 240.000 Zuschauer interessierten sich am Sonntagabend ab 22.15 Uhr für den neuen Trinktalk. Für Tele 5 sprang damit ein Marktanteil von 1,0 Prozent heraus. Im Vergleich mit den großen Programmanbietern ist das nicht viel, für den Münchner Privatsender aber ein sehr guter Wert.

Von der Griechenlandkrise, über den Geburtstag von Helmut Kohl bis hin zu Ostern und "50 Shades of Grey". Auch Hitler durfte in der Stunde nicht fehlen. Erstaunlich oft glitt die Diskussion in die Sexualität von Hella von Sinnen ab - selten haben die Teilnehmer mit Begriffen wie Penispropeller oder Sadomaso-Praktiken umsich geworfen.

Wenn Alkohol zum Punk wird

Hugo Egon Balder macht mit dieser Sendung was er schon vor mehr als 20 Jahren gut konnte: Provozieren. Während es in den 90er Jahren die Brüste bei "Tutti Frutti" waren, besteht die Provotkation im Jahre 2015 tatsächlich im öffentlichen Trinken von Alkohol. Sind wir tatsächlich schon so weit gekommen? 

Im Vorfeld hat die Suchthilfeorganisation Blaues Kreuz vor der Sendung gewarnt (Geschäftsführer Jürgen Naundorff:  "Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie keine Zukunft hat. Dennoch werden diese Ausstrahlungen negative Folgen haben, weil allein schon der Titel höchst problematisch ist.")

Doch die Sendung setzt sich selbst mit dem Thema Alkoholismus auseinander. "Zehn Millionen Risikotrinker und 1,3 Millionen Alkoholkranke. Dürfen wir das tun?", fragt Wigald Boning als Talkmaster zu Beginn vielleicht sogar ein wenig hoffend: "Oder ist das ein neuer Tiefpunkt im Trash-TV?" 

Hella von Sinnen gibt sich ungewohnt nachdenklich: "Ich betrachte das Thema ernsthaft, denn ich habe schon viele Menschen an den Alkohol verloren - es hat auch Todesfälle gegeben.Im Moment muss alles politisch korrekt sein. Alles wird verbotener. Ich finde, wir dürfen es uns einfach mal trauen und vor laufender Kamera saufen."

Live ist live

Der Charme der Sendung besteht in ihrer Echtheit. Die Sendung wird live gezeigt, ist stellenweise langatmig und widerspricht den gängigen Überformatierung von Showformaten. Genau das macht die Sendung so sehenswert. Echte Menschen, die sich über echte Themen unterhalten. So wie sie Lust haben. Auch die Reaktionen der Zuschauer auf Twitter fallen positiv aus.

Zunächst sind an den kommenden Montagabenden fünf weitere Folgen geplant. Der Kabarettist Kay Ray, Moderator Micky Beisenherz und Schauspielerin Esther Schweins sollen als nächste auf den Barhockern in St. Pauli Platz nehmen.

(RPO, dafi - mit Agenturmaterial)
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