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Berlin
In Island geht das Licht aus

Berlin. "Lava" ist eine Thriller-Miniserie über grausame Machenschaften. In Skandinavien wurde der Vierteiler zum TV-Hit. Von Ulrike Cordes

Riesige Lava- und Geröllwüsten, unter denen Höhlen klaffen, schneebedeckte Gletscher, eiskalter Wind, diesige Luft, viel Wasser und jede Menge Einsamkeit: Eigentümlichkeiten Islands, die förmlich nach dem Schreiben von Kriminalromanen schreien. Tatsächlich hat sich im dünn besiedelten Vulkaninselstaat nahe dem nördlichen Polarkreis längst eine international erfolgreiche Szene entwickelt, zu der Autoren wie Árni Thórurinsson und Arnaldur Indridason gehören. Unter dem Einfluss sozialkritischer skandinavischer Kollegen wie des Pionier-Duos Sjöwall/Wahlöö ("Martin-Beck"-Romane) benutzen sie die unwirtliche Natur zur Darstellung sozialer und individueller Problemlagen.

Eindrucksvoll geschieht das auch in der Arte-Miniserie "Lava", die in Skandinavien bereits zum TV-Hit wurde. Nach dem Drehbuch des Schriftstellers Sveinbjörn I. Baldvinsson hat der renommierte Kurzfilmer Reynir Lyngdal 2008/2009 die vier Folgen um einen von düsteren Erinnerungen geplagten Ermittler und seine attraktive wie unerfahrene Kollegin geschaffen. Mord und Totschlag, internationaler Drogenhandel, Bankenkorruption und Kindesentführung - an nichts wird hier gespart. Und alles samt behäbiger Erzählweise, fremdartig-melancholischer Landschaft sowie mühseligen und beladenen Menschen aufgeladen zum Fest für Island-Thrillerfans.

Handlungsort ist die mythenumwobene Halbinsel Snaefellnes. Hierhin verschlägt es Kommissar Helgi Runarsson (Björn Hlynur Haraldsson) aus der Hauptstadt Reykjavik, als ein hoch verschuldeter Banker in seiner Ferienvilla brutal ermordet aufgefunden wird. Einzelgänger Helgi, der um seinen toten kleinen Sohn trauert und von Frau und Tochter getrennt lebt, ist davon so wenig erbaut wie von den Ideen der Kaugummi kauenden Kollegin Gréta (Heida Rún Sigurddardottir), die gerade als Fußballspielerin der Nationalmannschaft pausiert. Während der Ermittler in Funktionskleidung durch die Ödnis stapft, stößt er nicht nur auf den arg zugerichteten Kadaver eines Hundes.

Immer wieder erfährt er Verwerfungen, die aber nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. So verschwinden ein Vater und sein Sohn im Lavafeld - doppelt beunruhigend, da unter den Einheimischen die Gewissheit gilt, dass nach Einbruch der Nacht von dort noch nie jemand zurückgekehrt ist. Zudem macht der Kripo ein Rauschgiftgeschäft zu schaffen, das von Südamerika über Kanada und Island bis nach Deutschland reicht. Ganz zu schweigen von der Gefahr, die von der brutalen Motorradgang "Shadow Riders" ausgeht.

Voller Atmosphäre und urig-sensibel gestalteter Charaktere spiegelt "Lava" eine düster-brüchige moderne Welt - geprägt von diffusen Beziehungsspannungen und nicht zuletzt eiskalter Architektur. Eine Welt, von der man sich hier dennoch gern fesseln lässt.

"Lava", Arte, 20.15 Uhr

(dpa)
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