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"Familie Braun"
Deutsche Serie holt den International Emmy

International Emmy Award 2017: ZDF-Serie "Familie Braun" gewinnt Trophäe
Eine Szene aus "Familie Braun": Lara (Nomie Lane Tucker) und ihr Vater Thomas (Edin Hasanovic) müssen wohl oder übel miteinander auskommen. FOTO: C.Pausch-Fotografie/ZDF/dpa
New York. Die kaum bekannte ZDF-Comedy-Serie "Familie Braun" hat bei den International Emmy Awards eine Auszeichnung ergattert. Die Miniserie mit nur jeweils sechs Minuten langen Episoden ist derzeit in der ZDF-Mediathek komplett abrufbar.

Einen Jubelschrei am Podium kann sich Produzentin Beatrice Kramm am Ende einfach nicht verkneifen. Als sie und das Team der vom ZDF produzierten Mini-Serie "Familie Braun" den International Emmy entgegengenommen haben, steht ihr die Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Mit der goldenen Trophäe holten die Macher der Serie um eine Neonazi-WG den wichtigsten internationalen Fernsehpreis nach Deutschland. "Familie Braun" setzte sich bei der Gala am Montagabend (Ortszeit) in New York damit gegen Konkurrenten aus Kanada, Argentinien und Brasilien durch.

Die acht jeweils rund sechsminütigen Episoden waren im Februar und März 2016 zum ersten Mal zu sehen. Das ZDF hat sie nun für Donnerstag, 23. November, ab 0.45 Uhr noch einmal ins Programm genommen, wie der Sender am Dienstag mitteilte. Außerdem lassen sie sich in der ZDFmediathek abrufen.

Weniger Glück hatte Schauspielerin Sonja Gerhardt, die für ihre Rolle in der ZDF-Serie "Ku'damm 56" in der Kategorie als beste Darstellerin nominiert war. Die 28-Jährige unterlag der Britin Anna Friel, die in der Serie "Marcella" mitspielt. "Natürlich ist man enttäuscht. Man ist so nah dran und dann kriegt man's doch nicht", sagte Gerhardt der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Gala.

Mit Humor gegen Neonazismus

Das Produktionsteam von "Familie Braun" freut sich in New York über die Auszeichnung. FOTO: rtr, AK/DN

"Vielen Dank an die Jurys auf der ganzen Welt, dass sie für unser kleines Programm gestimmt haben", sagte Kramm bei Entgegennahme der Trophäe auf der Bühne. Die humoristische Darstellung von Neonazis in "Familie Braun" sei keineswegs verharmlosend, sagte sie nach dem Sieg - im Gegenteil: "Man muss gegen Neonazismus kämpfen, wie man auch immer es kann." Gerade mit Humor könne man bei diesem Thema sehr viele Menschen erreichen.

Die Episoden von "Familie Braun" drehen sich um das Mädchen Lara (Nomie Lane Tucker), ihre afrikanische Mutter (Karmela Shako) und ihren Vater Thomas Braun (Edin Hasanovic), einem Neonazi. Da die Mutter nach dem One-Night-Stand in ihre Heimat Eritrea abgeschoben wird, muss der Vater sich in oft bizarren Situationen mit der dunkelhäutigen Tochter arrangieren. "Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung, in fünf oder sechs Minuten komplexe Figuren zu erzählen", sagte ZDF-Redakteurin Lucia Haslauer.

Die International Emmys sind ein Ableger des wichtigsten Fernsehpreises der Welt. Die für nichtamerikanische Produktionen vergebenen Ehrungen haben nicht den Glanz der in Los Angeles vergebenen US-Preise, sind aber trotzdem sehr begehrt. Gerhardt bezeichnete sie als "Königsklasse" und sagte, auch die Nominierung sei eine "ganz schön große Ehre". Gerhardt hatte mit "Ku'damm 56" in diesem Jahr bereits den Deutschen Fernsehpreis als beste Schauspielerin sowie den Bayerischen Fernsehpreis gewonnen.

Emmy Awards 2017 – die Gewinner des Abends FOTO: rtr, sf

Mit insgesamt vier Preisen in den elf Kategorien ging Großbritannien 2017 als stärkstes Land aus der Verleihung hervor. Auch Produktionsteams aus Norwegen, Belgien, Frankreich, Kanada und der Türkei nahmen Trophäen mit nach Hause. Eine herbe Enttäuschung erlitt Brasilien, das mit neun Nominierungen in den Abend gestartet war, am Ende aber keine einzige Auszeichnung gewann. Im vergangenen Jahr war Deutschland gleich fünfmal nominiert gewesen und mit drei International Emmys nach Hause gegangen.

Sowohl die Macher von "Familie Braun" als auch die trophäenlose Sonja Gerhardt versicherten, am Montagabend noch zu feiern. "Leider ohne Alkohol, weil ich hochschwanger bin", sagte ZDF-Redakteurin Haslauer. "Aber die Stimmung ist auch ohne Alkohol sehr gut. Das Adrenalin haben wir im Blut, insofern werden wir es krachen lassen."

(mro/dpa)
 
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