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Fall Jan Böhmermann
"Die Bundeskanzlerin hat mich filetiert"

Jan Böhmermann: "Die Bundeskanzlerin hat mich filetiert"
Der Moderator spricht über die Causa Böhmermann. FOTO: Screenshot ZDF
Düsseldorf . Nach seinem Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Erdogan hat sich Jan Böhmermann aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Jetzt äußert er sich zum ersten Mal zu den Reaktionen und der Diskussion, die er losgetreten hat – und übt scharfe Kritik an Merkel. 

Lange Zeit hat er geschwiegen, sich weder auf Facebook noch in seiner Satire-Show "Neo Magazin Royale", die er im Gegenteil sogar in die Pause geschickt hat, geäußert. Doch nun bricht Moderator Jan Böhmermann dieses Schweigen und spricht in einem Interview mit der "Zeit" über die Causa Böhmermann.  

"Einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert" 

"Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai Wei Wei aus mir gemacht", sagte Böhmermann im Gespräch mit der "Zeit". Merkel hatte das Gedicht als "bewusst verletzend" bezeichnet und diese Äußerung später bereut.

In dem Interview spricht Böhmermann laut "Zeit" über sein Leben seit dem 31. März, als er in seiner Sendung das Schmähgedicht gegen  Recep Tayyip Erdogan vorgetragen hatte. Er erzählt davon, wie und warum er sich von der Öffentlichkeit abgeschottet hat, wie es für ihn war, als er Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) um Hilfe bat, über seine Rolle als Auslöser einer Staatskrise. Und er spricht auch über den Prozess, der auf ihn zukommt, und darüber, was er sich davon erwartet. 

Es ist das erste Mal, dass Böhmermann sich in solcher Deutlichkeit zu dem Fall äußert. Zwar ist er inzwischen wieder bei Twitter und Facebook aktiv, zum Schmähgedicht und der Reaktion Merkels jedoch hatte er bislang noch nichts gepostet. Zu Lesen sein wird das ganze Interview am Mittwoch in der aktuellen Ausgabe der "Zeit". 

Erdogan hatte im April Strafantrag gegen Böhmermann wegen Beleidigung gestellt. Die türkische Regierung wandte sich mit dem förmlichen Wunsch nach Strafverfolgung auf Grundlage des Paragrafen 103 im Strafgesetzbuch an die Bundesregierung. Er stellt die Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten unter Strafe. Dafür muss die Bundesregierung für die Strafverfolgung eine Ermächtigung erteilen. Das hat sie in diesem Fall getan. 

(jeku)
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