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Böhmermann keilt gegen Kanzlerin
"Sie hat mich einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert"

Porträt: Böhmermann – Podolski-Imitator, Komiker, ZDF Neo
Porträt: Böhmermann – Podolski-Imitator, Komiker, ZDF Neo FOTO: dpa, bsc
Düsseldorf. Zum ersten Mal seit seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit hat sich der Satiriker Jan Böhmermann zu dem Skandal um sein Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert. In einem Interview mit der "Zeit" teilte er dabei auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel aus. Von Marcel Romahn

Als Journalist, Buchautor und Moderator einer Satiresendung ist der 35-Jährige für vielfältig verpackten Spott und sarkastische, provokative Äußerungen bekannt. Doch die Worte, die er nach wochenlanger Abschottung und selbst auferlegter Schaffenspause im Interview wählt, klingen eher nach aufrichtiger Empörung, einer großen Portion Wut und Unnachgiebigkeit.

"Einen deutschen Ai WeiWei aus mir gemacht"

"Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht", sagte Böhmermann. "Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai WeiWei aus mir gemacht." Gemeint ist die Entscheidung der Kanzlerin, rechtliche Schritte des türkischen Präsidenten gegen Böhmermann zuzulassen und die Gerichte entscheiden zu lassen.

Mit wütenden Protesten als Resultat seiner Arbeit hat der Satiriker bereits Erfahrung. 2005 erfand Jan Böhmermann für den Radiosender "1Live" das Unterhaltungsformat "Lukas' Tagebuch" - eine Parodie auf den Fußballspieler Lukas Podolski.

Daraufhin verklagte dieser den WDR und boykottierte während der Weltmeisterschaft 2006 sämtliche ARD-Interviews. Podolskis Versuch, beim Landgericht München eine einstweilige Verfügung zu erwirken, scheiterte. Nach mündlichen Verhandlungen zog er die Klage 2007 zurück.

Die Antipathie zwischen dem Satiriker und dem Fußballstar spielte zuletzt auch im Skandal um das Schmähgedicht eine Rolle. Anfang April twitterte Podolski. "Lieber Jan, wer immer nur auf Kosten anderer austeilt, der kriegt irgendwann den Bumerang zurück." Wie hart dieser Bumerang den Satiriker treffen wird, bleibt abzuwarten.

Quelle: RP
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