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Absurder Beitrag zu Jan Böhmermann
Ein türkisches Video zeigt dem ZDF, wo der "Hammer hängt"

Jan Böhmermann: Türkisches Video zeigt ZDF, wo der "Hammer hängt"
Der türkische Reporter Mevlut Yüksel berichtet vom Pförtnerhäuschen des ZDF. FOTO: Screenshot Youtube
Düsseldorf. Der Reporter des türkischen Senders "A Haber" ist sehr aufgeregt. "Das ZDF will uns von hier vertreiben", ruft er in sein Mikrofon, dramatische Musik unterstreicht die Szene. Er ist wegen Böhmermann gekommen. Es ist erst der Beginn eines Clips, den man zunächst für Satire halten will. Ist er aber nicht.

Ausgestrahlt wurde der Beitrag bereits am Wochenende auf dem Sender "A Haber". Mehrere Mitschnitte kursieren im Netz, mit weitgehend zutreffenden Übersetzungen unterlegt. Gezeigt wurde er ursprünglich in dem Format "Yaz Boz", einer Sendung, deren Reporter sich Woche für Woche ab 22 Uhr als furchtlose Aufklärer inszenieren, etwa um Verschwörungen gegen die Türkei aufzudecken.

Der Sender gilt als staatsnah und Erdogan treu ergeben, zählt aber eher nicht zu den bedeutenden im Land. Sein Ruf ist nicht der beste. "Wohl nirgends wird die Wahnwelt aus Paranoia und Größenwahn, in der viele AKP-Anhänger und türkische Nationalisten heimisch sind, so komprimiert präsentiert", umschreibt der Türkei-Korrespondent der "Welt" die Sendung. 

In der vergangenen Woche suchte nun ein unerschrockener "Yaz Boz"-Reporter des Gelände des ZDF auf dem Lerchenberg auf. Die zusammengeschnittenen Szenen zeigen ihn mit dem Mikrofon in der Hand vor der Pforte. Gleich mehrere Szenen sind an Absurdität kaum zu überbieten, weil die in der Reportage vorgebrachte Dramatik so ganz und gar nicht zu den Bildern passen will.

Der Einstieg Fette Lettern auf rotem Grund, eingerahmt von den Rändern eines Einschusslochs in einer Mauer. "Das ZDF hat die Türkei beleidigt. Yaz Boz hat ihm gezeigt, wo der Hammer hängt", heißt es zum Einstieg. Es folgen Bilder von Reporter Mevlut Yüksel vor dem Gelände des ZDF. Neben ihm ist eine grüne Wiese, hinter ihm ein Zebrastreifen und das Pförtnerhäuschen, die Schranke der Zufahrt ist geöffnet. "Sie haben den Sicherheitsdienst gerufen. Damit will der Sender, der von Pressefreiheit redet, glaube ich, uns von hier vertreiben." Es wirbeln die Trommeln, die Geigen verkünden Unheilvolles.

Der Sicherheitsmann Nächste Einblendung. "Warum hatte der ZDF-Verantwortliche Angst vor Mevlut Yüksel?" Schnitt. Yüksel steht mit seinem Mikrofon neben einem dünnen Mann des Sicherheitsdienstes, Brille, weißes Haar, die Hände in den Jackentaschen. Während Yüksel spricht, schleicht er zurück in sein Pförtnerhäuschen. Dazu sendet "Yaz Boz" Drama: "Er sagt: Ihr könnt hier nicht drehen, nicht die Kamera hierherrichten." Das mutige Reporter-Team tut es trotzdem. "Weil es Pressefreiheit gibt."

Der Hosentaschen-Affront "Die Verantwortlichen fühlen sich durch unsere Anwesenheit sehr gestört", sagt Yüksel über den Lärm der Drama-Geigen hinweg. Rückwärts laufend nähert er sich zwei Männern am Straßenrand. Um wen es sich genau handelt, sagt Yüksel nicht. Stattdessen interpretiert er die Haltung des linken Mannes, bei dem es sich um einen Sprecher des ZDF handelte, wie der Sender später bestätigte. "Sie sehen, die Hände in der Tasche, er steht da in sehr grober Haltung." Als der Sprecher beginnt, gelassen zu gestikulieren, sagt Yüksel: "Er zittert regelrecht vor Zorn." Danach empört er sich darüber, dass er als Gast mit den Händen in der Hosentasche empfangen wird. 

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Auch Türken finden den Clip befremdlich. "Das ist Fernsehen für Dumme", sagt etwa Ali Acabuga aus Dinslaken. Allerdings vermisst er den Kontext. Es sei nicht erkennbar, in welchem Zusammenhang der Beitrag ausgestrahlt wurde. Im Vergleich zu den Beleidigungen Böhmermanns sei er außerdem harmlos. 

Das ZDF hat sich mittlerweile zu dem Fall geäußert. Es habe keine Anfrage nach einer Drehgenehmigung gegeben, zitiert Bild.de am Dienstag einen Sprecher des Senders. Unternehmenssprecher Alexander Stock sei zur Hauptpforte gekommen und habe dem Dolmetscher erläutert, das für das Drehen auf dem Gelände eine Genehmigung erforderlich sei. "Ein Interview mit dem Reporter hat, wie gesagt, nicht stattgefunden und ist auch nicht angefragt worden."  

(pst)
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