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Jan Josef Liefers
"Als Schüler war ich ein Störenfried"

Jan Josef Liefers im Tatort-Interview: "Als Schüler war ich ein Störenfried"
Teils Nostalgiker, teils Technikfan: Jan Josef Liefers (51) will sich bald ein Brennstoffzellenauto kaufen. FOTO: dpa
Düsseldorf. Der Schauspieler spricht im Interview mit unserer Redaktion über den richtigen Zeitpunkt, um mit dem "Tatort" aufzuhören, seine Technikaffinität, die Schulzeit und was ihm an Autos wirklich wichtig ist. Am Montag ist Liefers im vierten Teil der Reihe um den Anwalt Vernau zu sehen.

Auf einem hellen Sofa in der Panorama-Suite hoch oben in einem Kölner Hotel hat Jan Josef Liefers Platz genommen. Dann fällt sein Blick auf ein kleines, modernes Gemälde in einer Vitrine. "Für 50 Euro können Sie es kaufen", sagt er, nimmt es aus dem Glaskasten und dreht es zu allen Seiten. "Hübsch, oder?", sagt er wie jemand, der es verkaufen will. Es zeigt den Dom in einer abstrakten Form. Als der Schauspieler das erkennt, stellt er es wieder beiseite. Und das Gespräch - mit Blick auf den echten Dom - kann beginnen.

Man kennt Sie vom "Tatort" als Autoliebhaber - Professor Boerne fährt stets wertvolle Wagen -, in Ihrer Rolle als Anwalt in "Die siebte Stunde" sind Sie in einer Schrottlaube unterwegs. Würden Sie privat auch ein solches Auto fahren?

Liefers Privat fahre ich auch ein altes Auto, das kurz davor ist, den Oldtimer-Status zu bekommen, jedenfalls wenn es anspringt. Das ist aber mehr ein Hobby, eine Schwäche für Otto-Verbrennungsmotoren. Der umweltbewusste Teil meiner Person fährt natürlich einen Toyota Hybrid. Zusammen mit Axel Prahl werbe ich ja für die Hybrid-Technologie, mein zweites Auto ist dementsprechend eines, das möglichst wenig Benzin verbraucht und ressourcenschonend unterwegs ist. Demnächst will ich auf ein Brennstoffzellenauto umsteigen. Da kommt dann nur noch Sauerstoff und Wasserstoff hinten raus. In meinem ersten Film nach meiner Zeit am Theater ging es genau darum: das Zero-Emission-Vehicle. Das ist mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

Das heißt, Sie haben keine Angst vor neuen Technologien?

Liefers Nein, ich bin eher ein Techie, ein Geek Freak. Ich gebe auch gerne zu, dass mir das ein oder andere sinnlose Technikspielzeug gefällt.

Welche sinnlosen Dinge besitzen Sie?

Liefers Das hier zum Beispiel (zeigt auf sein iPhone). Wir wissen von Datenschützern, dass man auch gleich den Geheimdienst ins Zimmer holen könnte, anstatt dieses Gerät zu benutzen. Laut Snowdon die Sicherheitslücke schlechthin. Trotzdem dient es meiner Art zu leben: Ich bin vernetzt, kommuniziere mit vielen Menschen, und muss dazu nur in meine Tasche greifen.

Und für welche Technik können Sie sich begeistern?

Liefers Alles, was das Leben leichter macht. Zum Beispiel diese kleinen Roboter, die alleine die Wohnung saugen, finde ich toll.

Sie sind auch sehr aktiv bei Twitter.

Liefers Die sozialen Netzwerke haben für mich - so viel Schwachsinn und dämliches Zeug sie auch produzieren - tatsächlich einen vernetzenden und informativen Effekt. Wir lernen auf diese Weise die Meinungen und Analysen von Menschen auf der ganzen Welt kennen, auch von denen, die in deutschen Medien nicht vorkommen.

Haben Sie Angst vor einem Krieg beziehungsweise vor einer deutschen Beteiligung?

Liefers Wer hat die nicht? Ich bin im Kern genauso ein "Pazi" wie die meisten anderen, wurde in den Frieden reingeboren, kenne nichts anderes. Wenn mir jemand sagt "Blumen statt Waffen", dann sage ich: "Genau richtig! Und für mich noch einen grünen Tee dazu!" Aber ich habe Syrien vor zwei Jahren besucht, Aleppo und den Krieg gesehen. Da helfen keine Blumen mehr. Gandhi sagte, es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg. Ich hoffe, das stimmt nicht, denn es muss einen Weg zum Frieden geben, anders wird die Welt sich nicht retten können.

Sie sind selbst Musiker, in Paris wurde ein Musikclub zum Ziel eines Attentats. Wie geht es Ihnen damit?

Liefers Für mich war das ein Schlag, genauso wie für alle anderen Menschen. Ich habe Freunde in Paris, und kenne auch das "Bataclan", und ich würde mit ihnen wieder hingehen. Der IS will den Bereich, in dem Muslime und Christen gut miteinander klarkommen, zerstören. Wir dürfen dem IS nicht den Gefallen tun, diese Kluft wieder größer werden zu lassen. Wichtig ist, dass wir uns von diesen Menschen nicht in feindselige Angst treiben lassen.

Sie waren selbst vor einigen Jahren in Syrien...

Liefers Ich war während des Bürgerkrieges vor etwa zwei Jahren dort, zusammen mit drei Begleitern. Es ging um Sehen, Verstehen und Helfen. Als wir zurück kamen, war uns klar, ohne Hilfe von außen wird das Land eine grausame Spielwiese für alle extremistischen Durchgeknallten und zu kurz Gekommenen dieser Welt werden. Jeder kann rein ins Land und Krieg spielen, wie es ihm passt. Die Propagandamaschine des IS bedient sich gezielt der Bildsprache erfolgreicher Ballerspiele aus der Computerbranche. Alles was wir durch politische Passivität verhindern wollten, ist doppelt schlimm eingetreten. Die UN waren zahnlos. Das war ein ziemliches Versagen.

In Ihrem neuen Film werden Sie, der Anwalt, als Lehrer für eine Privatschule engagiert. Dort setzen Sie sich für die teils problematischen Schüler ein. Waren Sie ein guter Schüler, oder jemand, der Ärger gemacht hat?

Liefers Ich war kein Troublemaker oder jemand der andere drangsaliert hat. Aber ich war ein Störenfried, war unaufmerksam und albern, ich glaube einige Lehrer hatten die Nase voll von mir. Gleichzeitig war ich ein guter Schüler, mir hat der Stoff keine großen Probleme bereitet. Meine Fachnoten waren gut, meine Verhaltensnoten weniger: Betragen vier. Vielleicht bin ich deshalb ans Theater gegangen: Dort war ich mit meinen ganzen Spinnereien willkommen, anderswo eher nicht.

Fast jede Rolle, die Sie spielen, hat etwas Komisches. Können Sie über sich selbst lachen?

Liefers Im Leben schon, im Film eher nicht. Diese Distanz ist mir nicht möglich. Die meisten Menschen mit komödiantischem Talent sind in Ihrer Selbstbetrachtung sehr kritisch. Ich gucke mir eine Sendung an und überlege, was ich hätte besser machen können. Gute Komik ist sehr komplex und ziemlich schwierig. Da funktioniert ein Drama oft einfacher.

Die Reihe um den Anwalt Joachim Vernau ist spannend, weil sie anders erzählt ist als viele Fernsehformate.

Liefers Wir hängen in Deutschland beim Geschichtenerzählen etwas hinterher, verglichen mit dem Rest der westlichen Welt. Ich sehe in solchen neueren Formaten vor allem eine Chance, da langsam etwas aufzuholen. In dieser Folge haben wir es geschafft, wieder mehr den Krimi zu erzählen und weniger eine Lovestory.

Wenn es in Deutschland eine unkonventionell erzählte Serie gäbe, in der Sie mitspielen könnten, würden Sie dann dem "Tatort" Lebewohl sagen?

Liefers Ich glaube nicht, dass ich aus diesem Grund mit dem "Münster-Tatort" aufhören würde. Wenn man sich scheiden lässt, muss man ja auch nicht gleich wieder heiraten, sondern sich vielleicht erstmal neu erfinden. Wir hoffen aber, dass die Ehe noch etwas hält und sich vor allem weiter entwickelt!

LESLIE BROOK FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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