| 13.58 Uhr

Let’s Dance 2017
Jörg Draeger muss nach der ersten Show gehen

Jörg Draeger fliegt bei Let's Dance raus - Vanessa Mai überzeugt
Jörg Draeger fliegt bei Let's Dance raus - Vanessa Mai überzeugt FOTO: dpa, ve fdt
Düsseldorf. Die Kandidaten der zehnten Staffel der RTL-Tanzshow mussten erstmalig in Paarformation vortanzen. Zuschauer und Jury sahen eine Promitänzerin auf Profi-Niveau, zwei hoffnungsvolle und einen hoffnungslosen Fall und jede Menge Mittelmaß. Die Kritik zur Show in zehn Kategorien. Von Laura Ihme

Die Show Let's Dance ist Glitzer, Musik, gute Laune und großes Gefühl. Wer die Sendung schätzt, weiß das und erwartet es auch von Folge zu Folge. In der ersten "echten" Folge der Jubiläumsstaffel am Freitagabend nach der Tanzpartner-Auswahl vor drei Wochen, war dieser Mix nur selten zu erkennen. Der Tanz der Profis zu Beginn gehörte dazu. Die mechanisch wirkende Choreographie der Promis später weniger. Trotz Glitzerkleidchen blieben bis auf wenige Kandidaten fast alle Promis auffallend farblos. Es fehlen die Funken. Aber für sie ist ja nun noch einige Wochen Zeit.

Die Moderation Viel Talent gleicht kein Talent leider nicht aus: Wie schon in den vergangenen Jahren wird der Unterschied zwischen der bissig-charmanten Moderation von Daniel Hartwich und dem unsouveränen Gebrabbel von Sylvie Meis äußerst deutlich. Reduziert auf das Aufrufen zum Anrufen, das Verkünden der Sieger und ein Auftreten repräsentativer Natur fragt man sich, ob RTL nicht lieber an der zweiten Moderation sparen sollte. Hartwich allein wäre viel lustiger.

Die Jury Klar, Joachim Llambi gibt sich am Jurypult gewohnt streng, das kennen wir schon. Und dass Jorge Gonzalez den meisten "Chicos" und "Chicas" stets nur Komplimente oder Aufforderungen zu mehr Hüftschwung mit auf den Weg gibt und dabei ein möglichst exotisches Outfit zur Schau trägt, ist ebenfalls bekannt. So weit, so erwartbar und so gut. Enttäuschend ist in der ersten Folge aber Motsi Mabuse. Obwohl sie ein Profi ist, kritisiert sie weniger Techniken der Promitänzer, als Gefühl und Ausdruck. Das hat sie auch schon früher getan, allerdings in Kombination mit Techniktipps. Bleiben die auf der Strecke, wirkt sie wie ein abgeschwächter Jorge. Und der reicht schon in einer Version. Deshalb bitte lieber wieder mehr Fachkritik.

Die besten Tänzer Star des Abends und Favoritin ist Schlagersängerin Vanessa Mai. Mit Tanzpartner Christian Polanc tanzt sie einen Cha-Cha-Cha zu "Don't Be So Shy" von Imany – und legt damit den "besten Cha-Cha ever, ever, ever – wirklich ever, ever" (Motsi Mabuse) aufs Parkett. Das belohnt die Jury mit 29 Punkten und Platz 1 an diesem Abend. Dabei hätte das Paar diese Platzierung gar nicht nötig gehabt: Schon in der Auftaktshow vor drei Wochen zur Tanzpartnerzuordnung waren die beiden so gut, dass sie einen Freifahrtschein für Runde 1 des Wettkampfes gewannen.

Dass sie trotzdem so hart trainierten, bringt ihnen am Freitag sogar ein anerkennendes Lob von Joachim Llambi ein. Viel erwarten dürfen die Zuschauer in den kommenden Wochen aber noch von zwei weiteren Paaren. Mit einem Walzer zu Rihannas Hit "Love On The Brain" beeindrucken die Alles-was-zählt-Schauspielerin Cheyenne Pahde und Tänzer Andrzej Cibis die Jury und erhalten dafür 25 Punkte. Die gleiche Wertung gibt es für Profiboxerin Susi Kentikian und Robert Beitsch, die ebenfalls einen Cha-Cha-Cha präsentieren.

Die schlechtesten Tänzer Nein, Rhythmus hat er nicht im Blut. Aber er ist dabei unglaublich sympathisch: Moderator Jörg Draeger, mit 71 Jahren der älteste Teilnehmer aller Zeiten bei Let's Dance. Mit Tanzpartnerin Marta Arndt versucht er, Cha-Cha-Cha zu "Marmor, Stein und Eisen bricht" zu tanzen – und scheitert kläglich. Mit sieben Punkten von der Jury landet das Paar auf dem letzten Platz, wird von den Zuschauern anschließend rausgewählt. Aber wenigstens hat es Spaß gemacht.

Freude am Tanzen hat angeblich auch Chiara Ohoven, den sieht man ihr beim Walzer mit Vadim Garbuzov allerdings nicht an. Die Jury bestraft das mit lediglich zwölf Punkten. Auch bei der Zuschauerauswertung muss das Paar zittern – schafft es aber in die nächste Runde. Ein Glück für Ohoven: Um Mitternacht feiert sie nämlich ihren Geburtstag. Hinter den Erwartungen der Jury zurück bleibt auch Giovanni Zarrella zurück. Er ist für den verletzten Pietro Lombardi eingesprungen, zeigt mit Christina Luft einen Cha-Cha-Cha. Der Jury gefällt dieser nicht: Zu wenig Hüfte, findet Jorge. Zu viel Show, meint Motsi. Zu wenig Technik, sagt Llambi. Trotzdem schafft es das Paar letztlich aber noch in die nächste Runde.

Die Tänzer mit Potenzial Beeindruckend ist der Auftritt von Paralympics-Sieger Heinrich Popow und Tänzerin Kathrin Menzinger. Auch sie zeigen einen Cha-Cha-Cha. Popow tanzt mit Beinprothese – und ist damit gelenkiger und geschmeidiger als so manch anderer Teilnehmer der diesjährigen Show. Zwar merkt Joachim Llambi an, dass die Technik zuweilen ausbaufähig ist, ist aber ansonsten so wie der Rest der Jury voll zufrieden. Wie die Entwicklung dieses Tanzpaares weitergeht, wird in den nächsten Wochen spannend. Bemerkenswert ist auch der Auftritt von Faisal Kawusi. Trotz zwei Meter Körpergröße und reichlich Hüftgold bewegt er sich geschmeidig mit Partnerin Oana Nechiti über das Parkett. Wenn er nun noch seine Technik verbessert, könnte er gefährlich werden. Denn was er hat, kann man (meist) nicht lernen: Rhythmusgefühl.

Ferner liefen Für die Vollständigkeit – diese Paare waren auch dabei: Übergrößen-Model Angelina Kirsch und Massimo Sinató, Musiker Gil Ofarim und Ekaterina Leonova, Moderator Maximilian Arland und Isabel Edvardsson, Model Ann-Kathrin Brömmel und Sergiu Luca sowie Ex-Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma und Erich Klann. Sie alle sind weder richtig schlecht, noch richtig gut in der ersten Show. Hoffentlich kommt da noch mehr – sonst wird es langweilig. Pech hatte dagegen Kandidat Bastiaan Ragas: Der niederländische Sänger musste sich während der Probezeit einer Blinddarm-Operation unterziehen und darf bei der ersten Folge nicht auftreten. Kommende Woche Freitag ist er aber wieder mit Partnerin Sarah Latton mit von der Partie.

Spruch des Abends (1) "Deine Oma will ihre Tischdecke wiederhaben." – Faisal Kawusi zu Sylvie Meis über ihr Kleid

Spruch des Abends (2) "Wenn Chiara rausfliegt, kaufen ihre Eltern den Laden hier einfach" – Daniel Hartwich

Ausblick Höchstwahrscheinlich wird es wieder eine gute Staffel mit Tanzkunst und viel Glitzer werden. Dafür müssen wir nur – wie jedes Jahr – die ersten Wochen überstehen, bis sich die Zahl der Tanzpaare auf ein übersichtliches Maß reduziert hat. 14 Paare sind einfach zu viel. Am Ende der Sendung hat man Paar 1 und seinen Tanz schon wieder vergessen. Das macht auch in der zehnten Staffel noch keinen Spaß.

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