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Jürgen Vogel im Interview
"Ich bin ein Typ für Alleingänge"

Jürgen Vogel: "Ich bin ein Typ für Alleingänge"
Schauspieler Jürgen Vogel. FOTO: dpa
Düsseldorf. Der Schauspieler über eigene Grenzen, Winnetou und seine neue Serie "Blochin", die ab Freitag im ZDF gezeigt wird. Von Leslie Brook

Wenn sich mit Jürgen Vogel einer der meistbeschäftigtsten Schauspieler des Landes eines Projekts annimmt, dann genießt das besondere Aufmerksamkeit. Die Rede ist von "Blochin", einer der ersten deutschen Serien, die wie die derzeit vielgelobten US-Reihen von einem Autorenkollektiv geschrieben wurde. "Blochin" ist sozusagen die deutsche Antwort auf "True Detective" - und für Vogel eine Chance, große Schauspielkunst zu zeigen.

Sie haben noch nie in einer Serie mitgespielt. Warum jetzt?

Vogel Es war schon lange ein Traum von mir. Ich bin ein großer Fan des horizontalen Erzählens, man ist dichter an der Figur, verbringt viel Zeit mit ihr. Es lassen sich zudem größere Bögen spannen, als es im Film je möglich wäre. Es wird langsamer und intensiver erzählt, das ist für einen Schauspieler total schön.

Aber wieso hat es so lange gedauert, bis Sie für eine Rolle in einer Serie zugesagt haben?

Vogel Ich wollte nur eine Serie machen, wenn sie echt geil ist.

Und was hat Sie hier überzeugt?

Vogel Die Serie ist dramaturgisch gut gemacht. Ich bin sehr glücklich damit und hoffe, dass es ein richtig langfristiges Projekt wird.

Auf den ersten Blick wirkt "Blochin" wie eine Miniserie mit sechs Folgen.

Vogel Es ist schon eine richtige Serie mit zunächst fünf Folgen und 90-minütiger Pilotfolge. Wir haben daran anschließend einen Auftrag für acht Mal 60 Minuten. Es wird also definitiv eine zweite Staffel geben.

Einen Kommissar haben Sie noch nicht allzu oft gespielt. Könnten Sie sich auch eine feste Rolle als Ermittler im "Tatort" vorstellen?

Vogel Ich bin ganz froh, dass wir hier freier arbeiten können und mehr dürfen als die Kollegen beim "Tatort". Wir sind nicht so fest an den Sender und seine Regeln gebunden, sondern können unsere Ideen umsetzen - das war bis vor einigen Jahren so noch nicht möglich. Das ZDF hat uns viel Freiheit gelassen.

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Wenn man zum ersten Mal den Titel "Blochin" hört, denkt man unfreiwillig an die ARD-Serie "Bloch".

Vogel Die Hauptfigur heißt nun mal Blochin - woher der Name kommt, wird sich im Verlauf der Serie aufklären. Ich finde, er klingt gut und macht neugierig.

Man hätte die Serie ja auch "Bad Lieutenant" nennen können. Inhaltlich würde das sehr gut passen.

Vogel Ich mag Blochin. Das ist ein guter Name.

Ein "Bad Lieutenant", zwei Männer, die miteinander verschwägert sind, das erinnert an "Breaking Bad".

Vogel Es ist nicht das deutsche "Breaking Bad". Aber in der horizontalen Erzählstruktur erinnert "Blochin" natürlich an amerikanische Serien. Es ist das erste Mal, dass im deutschen Fernsehen so konsequent horizontal erzählt wird. Dafür gibt es verschiedene Vorbilder: "The Wire" oder "The Shield". Keine Folge ist in sich abgeschlossen, die Spannung wird gehalten, so dass man weiter gucken möchte.

Hinter dem Drehbuch für "Blochin" steckt ein "Team Writers Room". Es gibt nicht einen Autor, sondern ein ganzes Team. Was halten Sie davon?

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Vogel An der Vielseitigkeit des Drehbuchs, aber auch an der Sprache und den Figuren merkt man, dass viele Leute mitgeschrieben haben. Es gibt mehrere starke Frauenfiguren, der Einfluss der weiblichen Autoren wird deutlich. Ein Team macht ein Drehbuch reichhaltiger.

Das Konzept der Serie funktioniert in anderen Ländern wie Großbritannien oder den USA prächtig. Worin besteht für Sie der Reiz des Formats?

Vogel Auch in Deutschland hat sich die Serie durchgesetzt. Wir schauen ja alle wie wahnsinnig amerikanische Serien auf DVD. Es wird Zeit, dass wir Deutschen uns auch trauen, selbst solche Serien zu machen.

Sie haben schon mehrmals Projekte mit Matthias Glasner verwirklicht. Was prägt Ihre Zusammenarbeit?

Vogel Wir interessieren uns für ähnliche Dinge und haben viele Filme zusammen gedreht. Matthias schreibt die Bücher, aber wir sprechen viel darüber. Ich bin großer Fan von ihm, und ich hoffe, dass er auch ein großer Fan von mir ist.

"Blochin" ist ein Typ für Alleingänge. Sie auch?

Vogel Ich bin ganz viel von diesem Blochin. Ich fahre auch allein auf dem Motorrad durch Berlin. Wenn du Motorrad fährst, kannst du nichts anderes machen, nicht telefonieren, keine Fragen beantworten. Einfach nur Motorrad fahren. Das brauche und liebe ich.

Sie engagieren sich sehr stark im Bereich der Organspende. Warum?

Vogel Es gibt einige Dinge in unserer Gesellschaft, die sich dringend ändern müssen. Und der Umgang mit dem Thema Organspende ist eines davon. Jeder in diesem Land müsste automatisch Organspender sein, es sei denn, er widerspricht aktiv. Dann gäbe es immer genug Organe, und wir hätten ein Problem weniger. Viele Länder haben es geschafft, aber wir hinken hinterher.

Seit wann haben Sie einen Spenderausweis?

Vogel Meine Schwester hatte Leukämie, und ich habe eine Knochenmark-Lebendspende gemacht. Damals war ich 22. Es war selbstverständlich, dass ich spenden würde.

Sind Sie generell jemand, der vorsorgt? Stichwort Patientenverfügung oder Testament?

Vogel Es ist wichtig, dass die Menschen in meinem Umfeld wissen, was ich möchte.

Bei der Organspende-Aufklärungskampagne setzen Sie auf Youtube. Wie wichtig ist der Kanal für Sie?

Vogel Für so etwas ist er nützlich.

Was ist Ihr wichtigstes Projekt momentan?

Vogel Der neue "Winnetou"-Film von Philipp Stölzl. Darin spiele ich den Bösewicht.

Was verbindet Sie mit "Winnetou"?

Vogel Ich habe die Filme als Jugendlicher gesehen.

Hat Sie Pierre Brice' Tod betroffen gemacht?

Vogel Das war traurig. Aber irgendwann trifft es jeden.

Sie gehen oft an Ihre Grenzen, am krassesten war das in "Der freie Wille" zu beobachten. Darin haben Sie einen Vergewaltiger gespielt. Wo würden Sie eine Grenze ziehen, die Sie nicht überschreiten wollen?

Vogel Ich kenne meine persönliche Grenze noch nicht, das heißt, ich bin ihr noch nicht begegnet.

Ihr Freund Matthias Schweighöfer will das Leben von Boris Becker verfilmen. Wäre das eine Rolle für Sie?

Vogel Wie jetzt? Ich als Boris Becker? Ich glaube, das kann ich nicht.

Quelle: RP
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