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Neuer Charakter in TV-Kinderserie
Julia zieht ein - neues "Sesamstraße"-Mitglied hat Autismus

Julia zieht ein - neues "Sesamstraße"-Mitglied hat Autismus
"Julia" - der neue Charakter in der Sesamstraße. FOTO: ap
New York . Die "Sesamstraße" hat vielleicht bald eine neue Heldin. Und die ist Autistin. Die beliebte US-Fernsehserie bringt mit Julia erstmals die Entwicklungsstörung zur Sprache.

Die Stars der "Sesamstraße" haben ihre ganz eigene Art, damit sich jeder akzeptiert fühlt. Das gilt zumindest für Julia, ein Neuling der Show, mit rotem Haar, grünen Augen und Autismus. Sie ist kein Außenseiter, so wie es Kindern mit dieser Entwicklungsstörung zu häufig geht, sondern Teil der Gang.

In einer Szene für die nächste Staffel stehen die Freunde vor der Herausforderung, Objekte zu erkennen, die die Form von Vierecken, Kreisen und Dreiecken haben. "Du hast Glück", sagt Abby Cadabby dabei zu Grobi. "Du hast Julia in deinem Team. Sie ist wirklich gut darin, Formen zu finden!" Danach verschwinden alle Puppen gemeinsam aus der Szene, suchen Formen - und Julia ist mitten unter ihnen.

Seit mehr als einem Jahr ist die Puppe das Herzstück einer Druck- und Digitalkampagne eines "Sesamstraße"-Workshops, der auf Vielfalt abzielt. "Sesamstraße und Autismus: Das Wunderbare in allen Kindern sehen", heißt er. Julia war Teil eines Bilderbuchs, das zeitgleich mit einer App und einer entsprechenden Webseite veröffentlicht wurde. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für Menschen mit Autismus zu schaffen.

Die Interessensgruppe Autism Speaks beschreibt die Entwicklungsstörung als eine "Reihe von Umständen, die sich durch Herausforderungen bei der sozialen Kompetenz, sich wiederholende Bewegungen, Sprache und nicht verbale Kommunikation sowie individuelle Stärken und Unterschiede charakterisieren" lassen.

Erster Auftritt am 10. April

Für Julia ist es jetzt Zeit fürs Fernsehdebüt. Zum ersten Mal wird sie in der Folge "Trefft Julia" zu sehen sein, die am 10. April von den US-Sendern PBS und HBO ausgestrahlt wird. Online wird es zusätzlich weitere Videos mit Julia geben.

Der Entwicklung der Figur und der Kampagne seien jahrelange Gespräche mit Organisationen, Experten und Familien vorangegangen, sagt Jeanette Betancourt, die den Sesam-Workshop mitgestaltet hat. "In den USA wird bei einem von 68 Kindern die Diagnose Autismus-Spektrum-Störung gestellt", sagt sie. Mit dem Projekt rund um die Puppe sollten Vorurteile abgebaut werden, die häufig um diese Kinder kreisten. "Wir schaffen einen Weg, mit dem Kinder und Erwachsene auf Autismus mit einer auf Stärken basierenden Perspektive blicken können; indem wir finden, was alle Kinder teilen."

Auch wenn die Puppe alle Kinder aus dem Autismusspektrum repräsentiert, soll sie nicht jedes exemplarisch darstellen. "So, wie wir jedes Kind als einzigartig anschauen, sollten wir auch jene mit Autismus betrachten", sagt Betancourt.

Stacey Gordon erfuhr vor etwas mehr als einem Jahr von der neuen Figur. "Ich sagte: "Wenn sie jemals eine Puppe wird, will ich Julia sein!"" Die in Phoenix lebende Puppenspielerin hat einen Sohn mit Autismus. Bevor sie ihre eigene Familie gründete, therapierte sie Jugendliche mit dem Spektrum.

"Sie macht Dinge ein bisschen anders, in der Julia-Art"

Zwei Freunde, die bereits als sogenannte Muppeteers in der "Sesamstraße" arbeiteten, gaben den Namen der Puppenspielerin an die Produzenten der Serie weiter. Kurz darauf wurde sie angestellt. In der Einleitungsszene hat Julia Spaß mit Abby und Elmo, als der große, gelbe Vogel Bibo hinzukommt. Er will Julias neuer Freund sein, doch sie spricht nicht mit ihm - und er denkt, sie mag ihn nicht. "Sie macht Dinge ein bisschen anders, in der Julia-Art", erklärt Abby Bibo darauf.

Julia fängt daraufhin ein witziges, aber anderes Fangenspiel, an und alle machen mit. Als eine Sirene ertönt, hält sie ihre Ohren zu und schaut so, als ob sie Schmerzen hätte. "Sie braucht eine Pause", sagt Bibos Menschenfreund Alan dann ruhig. Bald darauf ist alles gut, und das Spiel geht weiter.

"Die "Trefft Julia"-Folge ist eine, von der ich wünschte, die Freunde meines Sohnes hätten sie gesehen, als sie klein waren", sagt Gordon. "Ich erinnere mich, dass er Zusammenbrüche hatte und seine Klassenkameraden nicht verstanden, wie sie reagieren sollten."

Ihr Sohn, heute 13, hat es nicht so mit Puppen. "Er interessiert sich mehr für Mathe und Wissenschaft und spielt brillant Klavier", sagte die Mutter stolz. Doch sie selbst habe eine große Freude daran, Teil der Show zu sein, die sie selbst als Kind für das Puppenspiel begeisterte. "Es macht so viel Spaß, am Set mit allen zu sein und die positiven Dinge darzustellen, die ich mit den Kindern sah, mit denen ich gearbeitet habe", erklärt sie. "Zugleich komme ich hier auch mit Demut hin. Ich möchte die Autismusgemeinde nicht hängen lassen."

(felt/ap)
 
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