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"Durchgedreht" aus Köln
Viel Luft nach oben beim "Tatort"-Start

Szenen aus dem "Tatort: Durchgedreht"
Szenen aus dem "Tatort: Durchgedreht" FOTO: WDR/Martin Valentin Menke
Köln. Beim Auftakt in die neue Saison schlägt der Zuschauer-Puls beim Fall des Kölner Teams noch nicht schneller. Dies liegt auch daran, dass ziemlich viel über das Thema Steuergerechtigkeit debattiert wird. Von Martina Stöcker

Der Steuerbeamte Sven Habdank (Alexander Beyer) kehrt von einer Dienstreise heim: Vor dem Haus steht die Polizei - seine Frau Freya und sein kleiner Sohn Jesco wurden ermordet, die achtjährige Tochter Anna wird vermisst. Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) findet die Kleine schließlich im Keller, doch das Mädchen spricht nicht. Es könnte den Mörder gesehen haben.

Mit seinem Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) versucht Ballauf, Licht ins Dunkel zu bringen. Der Mord wurde äußerst dilettantisch ausgeführt, vieles deutet auf eine persönliche Beziehung zwischen der Familie und dem Täter hin. Der Vater verhält sich überhaupt nicht kooperativ: Er hat an der Treue seiner Frau gezweifelt, ausgerechnet sein Bruder könnte sein Nebenbuhler sein. Zwei Männer, denen er im Rahmen seiner Arbeit als Steuerprüfer auf die Füße getreten ist, hätten in den Augen der Kommissare ebenfalls ein Motiv. Und das Verhältnis von Freya zu ihrer Schwester war auch nicht das Beste.

Menschen verlieren die Struktur

Regisseurin Dagmar Seume will in "Durchgedreht", mit dem die Krimi-Reihe aus der Sommerpause zurückkehrt, zeigen, wie Menschen die Struktur in ihrem Leben verlieren und dann an Grenzen stoßen. Deshalb tummeln sich in diesem Krimi viele Personen, die die Balance verloren haben - wirtschaftlich und psychisch. Dennoch ist der Fall nicht spannend. Es gibt einige Szenen in Zeitlupe, unterlegt mit leicht elegischer Musik. Es gibt zu viele Nebenstränge, die zu offensichtlich darauf hindeuten, dass sie nur als nette Ablenkung vom Wesentlichen dienen sollen. Die stete Diskussion aller Beteiligten, Kommissare und Mordverdächtige, über die Steuergerechtigkeit in Deutschland hilft bei der Spannung auch nicht weiter.

Hoffnung auf Stuttgart

Zudem werden Schenk und Ballauf als Vater und Kinderloser in Opposition zueinander gebracht. Der eine zeigt natürlich Verständnis für das traumatisierte Kind, dem anderen fehlt angeblich gänzlich die Empathie für die Nöte des Kindes - wenn es denn immer so einfach wäre. Nach diesem Saisonauftakt schlägt der Puls sonntags ab 20.15 Uhr immer noch nicht schneller. Nächste Woche kann das Stuttgarter Team die Kölner spannungsmäßig locker übertreffen.

"Tatort - Durchgedreht", Das Erste, So., 20.15 Uhr

Mehr zur beliebten Krimireihe lesen Sie in unserem Dossier.

Quelle: RP
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