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"Let's Dance"
Triumph der kackenden Ente

Biene Maja und Fred Feuerstein bei "Let's Dance"
Biene Maja und Fred Feuerstein bei "Let's Dance" FOTO: RTL/Stefan Gregorowius
Köln. Eine erste echte Kampfansage und zwei schmerzliche Abschiede: Auf den vorletzten Metern verlässt "Let's Dance" nun dann doch gezwungenermaßen den Kuschelkurs der diesjährigen Staffel. Von Anja Rützel

Es hat noch kein Kandidat einen Tanzschritt gemacht, da setzt "Let's Dance" schon wieder neue Maßstäbe. Genauer gesagt: Jurymitglied Jorge Gonzales. Der hat es mit seinen wahnwitzigen Showfummeln der letzten Wochen nämlich geschafft, dass man einen goldenen Einteiler mit hundert von modisch interessierten Mäusen eingenagten Käselöchern inzwischen als "schlicht" und "ein bisschen zu dezent" empfindet.

Giovanni Zarella ist es indessen gelungen, trotz anfänglichem Desinteresse an seinen Tanzkünsten echte Freude darüber zu erzeugen, dass der letztwöchig Ausgeschiedene in die Show zurückkehren durfte. Auch wenn der Grund dafür ein trauriger ist: Heinrich Popow musste "Let's Dance" aus gesundheitlichen Gründen verlassen.

Fotos: "Let's Dance" 2017: Die Platzierungen der Promis FOTO: RTL / Stefan Gregorowius

Der Stumpf seines ab dem Knie amputierten Beins sei nach dem Training plötzlich zur Hälfte taub gewesen, berichtete er sichtlich betrübt. Es habe sich angefühlt, als ob man auf eingeschlafenen Händen Handstand machen müsse. 

Eine geradezu ekstatische Jury bei Vanessa Mai

Kumpel Faisal war bei seinem Quickstep im Fred-Feuerstein-Kostüm leider aus dem Takt. "Das war lustig", war die einzige Nettigkeit, zu der Lochanzugträger Jorge sich hinreißen ließ, und das bedeutet nichts Gutes. Auch Faisals zweiter Tanz des Abends, ein Fusion-Mischmasch aus Rumba und Wiener Walzer zu den softschmalzigen Klängen von "Ti amo" – die zweite Runde stand für alle unter dem Motto "Schlager" – rettete trotz putzigem Luftballoneinsatz nicht mehr viel. "Ich bin nicht glücklich", fasste Motsi Mabuse die Lage zusammen.

Bilder: Mit Wiegeschritten ins Finale FOTO: RTL / Stefan Gregorowius

Geradezu ekstatisch war die Jury dagegen wie gehabt bei den profitauglichen Auftritten von Vanessa Mai. "Du sitzt dann halt immer wie eine Ente beim Kacken auf mir drauf", hatte ihr Tanzpartner Christian Polanc noch bemängelt, aber das war natürlich Mäkeln auf allerhöchstem Niveau: Für ihren Quickstep und den schlagerisierten Slowfox-Jive-Mix fuhr Vanessa 59 von 60 möglichen Jurypunkten ein, und mehr kann man dazu schon nicht mehr sagen.

Giovanni Zarrella und die "Biene Maja"

Dringend reden müsste man dagegen mit dem offenbar ausgesprochen heißbirnigen Show-Dramaturgen, der auf die spektakulär bizarre Idee verfallen war, den zurückgekehrten Giovanni zum Titellied von "Biene Maja" tanzen zu lassen – und dann auch noch eine Fusion aus Rumba und Samba. 

Seine Tanzpartnerin Marta Arndt hatte sich pflichtschuldig mit einem knallgelben Hinternflatterwerk irgendwie bienenmäßig ausstaffiert. Beim Zuschauen war es dann höchst eigenartig, die diesen Tänzen abverlangte Sinnlichkeit und Sexyness mit dem Tralala-Kinderlied in gedanklichen Einklang zu bringen, zumal die mitunter zweifelhafte Studioband nicht eben pfleglich damit umging. Joachim Llambi entschuldigte sich dafür gar direkt bei Karel Gott.

Heißer Auftritt von Vanessa Mai und Christian Polanc FOTO: RTL / Stefan Gregorowius

"Die Studioband spielt 'Atemlos durch die Nacht' – oder wie ich es nenne: Schagerboarding", witzelte Moderator Daniel Hartwich (an diesem Freitag extrem gut in Form) über den nächsten Fusion-Titel, musste dann aber direkt zurückrudern, weil Helene Fischer höchstselbst im Finale auftreten wird.

Gil Ofarim: "Ich möchte Let's Dance gewinnen"

Angelina Kirsch, die ewig mit sich hadernde, vertanzte zum Über-Hit dann ihren Mix aus Tango und Cha Cha Cha so erotisch, wie es zu den stellenweise fast bontempiorgel-haften Klängen der Band eben möglich war. "Du bist eine Granate", rief Motsi der chronisch Zaudernden zu. Bei ihrem ersten Tanz, einem Quickstep, hatte sie sie gar als "silent killer", als "lautlose Mörderin" bezeichnet. Jorge lobte den engen Kontakt, den Angelina "im Beckenbereich" zu ihrem Partner Massimo Sinato gehalten habe – und die Kamera hält dabei natürlich höchst albern auf dessen Ehefrau Rebecca Mir, die im Publikum saß.

"Ich möchte 'Let's Dance' gewinnen", sprach dann Gil Ofarim mit offenem, schwerst berechtigten Selbstbewusstsein. Mit sensationell elastischen Beinen und gewohnt spektakulären Hebe- und Schleuderfiguren – etwa einer "Helikopter"-Wirbelung, bei der er seine Partnerin Ekaterina Leonova mit beherztem Genickgriff rotieren ließ, bewies er erneut, dass es eine große Überraschung wäre, sollte er nicht zusammen mit Vanessa im Finale stehen.

Für Faisal hingegen war die Show am Freitagabend nach dem Zuschauervoting zu Ende. Immerhin kann er für sich beanspruchen, in seiner letzten Show für den größten Lacher gesorgt zu haben. "Stell dir vor, ich bin deine 'Let's Dance'-Fee und du hast einen Wunsch frei", hatte Sylvie Meis ihn befragt: "Was wäre das dann?" Und der angeschlagene Comedian antwortete, ohne einen Wimpernschlag lang zu zögern: "Zieh das Kleid aus!"

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