| 15.21 Uhr

Einbruchs-Talk bei Sandra Maischberger
"Deutschland ist ein Eldorado für Einbrecher"

Maischberger: Deutschland - ein Eldorado für Einbrecher
Ein Serieneinbrecher erzählte Einbruchsopfer Marijke Amado, warum ein Profi keine Empathie empfinden darf. FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Sandra Maischberger talkt über Erfahrungen mit Einbrechern, den Einsatz von Schrotflinten und die Hilflosigkeit der Polizei. Bizarr: Ein Serieneinbrecher prahlt mit seinen Taten. Die Sendung im Check.  Von Philipp Stempel

Darum ging's

Am späten Mittwochabend setzt auch Maischberger auf das Thema Einbruchskriminalität. Offizielles Thema: "Mehr Einbrüche, mehr Kriminalität: Kann der Staat uns noch schützen?"​

Darum ging's wirklich

Im Gegensatz zu etwa der Runde bei Frank Plasberg gestaltet sich der Talk allerdings persönlicher. Zwei Gäste erzählen von ihren Erlebnissen, einer verrät, mit welchen Tricks er in angeblich bis zu 1000 Häuser einstieg. Zwei Fachleute von Politik und Polizei bemühen sich um einen sachlicheren Blick. 

Sandra Maischberger plaudert mit einem Einbrecher FOTO: ARD

Die Runde 

  • Marijke Amado, Promi-Opfer und Moderatorin
  • Sebastian Fiedler, Bund Deutscher Kriminalbeamter
  • Stefan Studt (SPD), Innenminister von Schleswig-Holstein
  • Siegfried Massat, ehemaliger Serieneinbrecher, 30 Jahre Gefängnis
  • Jürgen Behr, Pfarrer aus Remscheid, Einbruchs-Opfer

Die Fakten

Die Zahl der Einbrüche steigt. Zunehmend machen professionelle Banden der Polizei zu schaffen. 2015 betrug die Zahl der Straftaten laut ARD 6,33 Millionen – 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Einbrüchen stieg die Zahl um zehn Prozent. Die Quote der aufgeklärten Fälle lag zuletzt bei rund 16 Prozent, verurteilt wurden zwei Prozent der der Täter. 

Die Schicksale

Gleich zu Beginn erzählt Moderatorin Amado, was sie vor sieben Jahre erlebte. 2009 stiegen Täter in ihr Haus bei Maastricht ein, zufällig hätte sie dort gerade den Schmuck ihrer kurz zuvor verstorbenen Mutter aufbewahrt. "Ich war nachmittags nur eine halbe Stunde weg. In der kurzen Zeit haben Einbrecher mein komplettes Haus leer geräumt", erinnert sich Amado. 

Schlimmer noch die Erlebnisse von Pfarrer Jürgen Behr aus Remscheid. Im November 2015 überraschte er in seinem Haus zwei Einbrecher. Die überwältigten ihn, bedrohten ihn mit einem Messer. Er wurde getreten, geschlagen und über eine Stunde an einen Stuhl gefesselt. "Ich bin zwischenzeitlich davon ausgegangen, dass ich den Abend nicht überleben werde", berichtet der katholische Geistliche. 

Die Folgen

Wie so viele Opfer litt auch Amado nicht nur unter den materiellen, sondern auch psychischen Folgen. Das schlimme Gefühl, selbst in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein, wird sie nicht mehr los. Sie habe monatelang schlecht geschlafen. Von der Polizei ist sie bitter enttäuscht. Die hätte noch nicht mal Fingerabdrücke genommen. Auf die könne man sich nicht verlassen. "Lohnt sich eh nicht, die kriegen wir nicht mehr", habe es geheißen. Eine Aussage, die auch viele Opfer in Deutschland so oder so ähnlich schon gehört haben. 

Der bizarrste Gast

Diese Auszeichnung geht sicherlich an Siegfried Massat. Der 73-Jährige war lange Jahre als Einbrecher unterwegs. Einen gewissen Stolz kann er nicht verhehlen. "Ich war gut, ich war einer, ich war gefragt", sagt er. An die Opfer dürfe man als Profi eben nicht denken. Die mehr als 20 Jahre hinter Schloss und Riegel nutzte er gewissermaßen für Fortbildungszwecke, informierte sich in der Gefängnisbücherei über Meissner Porzellan und kostbare Teppiche. Seine Bilanz: "Deutschland ist ein Eldorado für Einbrecher." Als Einbrecher komme man überall rein. Ist das Haus alarmgesichert, dann eben über das Dach. Heute berät er Sicherheitsfirmen. 

Satz des Abends

"Man muss hier mal ein bisschen Realität einfügen und der Bevölkerung sagen, dass wir tatsächlich nicht mehr in der Lage sind, für jeden einzelnen Einbruch eine Ermittlungskommission zu bilden."

(Sebastian Fiedler, Bund Deutscher Kriminalbeamter)

Frontverlauf 

Wegen der vielen Anekdoten gibt es keine echte Auseinandersetzung. Auch die Zahl der Forderungen ist überschaubar, die Ideen sind alt. Fiedler fordert mehr Personal und verweist auf die Positiv-Beispiele Bayern und Baden-Württemberg. Dort habe ein Ermittler nur halb so viele Fälle auf dem Tisch wie einer in Köln, Hamburg oder Berlin. Die Einbruchszahlen seien daher zurückgegangen. Minister Studt unterstützt ihn, fordert aber auch die Bürger auf, sich besser zu schützen: "Jeder kann sehr viel dazu beitragen, Einbrechern das Leben so schwer wie möglich zu machen." 

Krawall 

Zum Ende hin soll noch ein weiterer Gast für neuen Schwung sorgen: Die Waffenhändlerin Katja Triebel aus Berlin. Sie bringt die Frage aufs Tableau, ob Bürger sich nicht am besten mit Waffen gegen Einbrecher schützen können. Triebel wirbt entsprechend für liberalere Gesetze. In Österreich könne sich schließlich auch jeder eine Schrotflinte kaufen, warum also nicht auch hier? Die Runde bügelt sie aber kurz und entschlossen ab. Am meisten Eindruck hinterlässt das Argument von Einbruchsprofi Massat: "Der Täter ist schneller als Sie."

(pst)
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