| 11.17 Uhr

Talk bei Maischberger
"Doping ist physische und psychische Vergewaltigung"

Das war die Runde bei Maischberger
Das war die Runde bei Maischberger FOTO: ARD
Düsseldorf. Vor Beginn der Fußball-EM stand bei Sandra Maischberger das Thema Doping auf der Talk-Agenda. Dabei kam es zum Showdown zwischen einem russischen und einem deutschen Journalisten. Von Franziska Hein

Darum ging's:
"Gedopt, gelogen, gewonnen, wie kaputt ist der Sport?" – so lautete der Titel der Talksendung. Die Runde lief im Anschulss an eine ARD-Dokumentation zu den Dopingvorwürfen gegen Russland. Und so fragte Moderatorin Maischberger am Mittwochabend: "Ist der Sport noch die schönste Nebensache der Welt, oder schlicht und einfach 'Organisierte Kriminalität'"? 

Darum ging's wirklich: 
Die Sendung lebte von einem Schlagabtausch zwischen dem deutschen Journalisten Hajo Seppelt und dessen russischen Kollegen Ivan Rodionov. Die beiden warfen sich gegenseitig und quer durch sämtliche Themen vor, falsche Geschichten zu erzählen und falsche Zahlen zu zitieren. Ganz unterhaltsam, aber wenig erhellend. 

Die Runde: 

  • Hajo Seppelt, ARD-Dopingexperte
  • Ivan Rodionov, russischer Journalist, "RT Deutsch"
  • Michael Vesper, Vorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes
  • Perikles Simon, Sportmediziner
  • Ines Geipel, ehemalige Leichtathletin in der DDR und Dopingopfer
  • Peter Neururer, Fußballtrainer

Der Frontverlauf:
Hajo Seppelt recherchiert als ARD-Journalist schon seit Jahren in Russland, um die dortigen Dopingstrukturen aufzudecken. Ivan Rodionov ist Chefredakteur des russischen, deutschsprachigen Fernsehsenders "RT Deutsch" . Er gab sich Mühe, die Enthüllungen der ARD-Doku zu relativieren, was Seppelt ihm in keinem Fall durchgehen ließ. Russland sei das Land mit den meisten Dopingfällen weltweit. 

Perikles Simon, Sportmediziner aus Mainz, setzte in der Diskussion um die Anzahl der Dopingfälle in Russland und wie diese zu bewerten seien, eine andere Duftmarke. Die Welt-Anti-Doping-Agentur habe keine verlässlichen Zahlen darüber, bei welchen positiv getesteten Sportlern es schließlich auch zu einer Sperre komme. Denn unter den positiv getesteten Sportlern seien jene, die nur ein verkehrtes Asthmaspray benutzt haben.

Ines Geipel, die selbst Leichtathletin in der DDR war und staatlich verordnet gedopt wurde, stellte sich an die Seite der Sportler und sprach von "phsychischer und physischer Vergewaltigung". In der Sendung wurde der Fall einer russischen Athletin, die in der Dokumentation als Kronzeugin auftritt, verhandelt. Als sich Rodionov dazu verstieg, deren Aussagen herabzuwürdigen, weil sie eine überführte Doperin sei, konnte Seppelt nicht mehr an sich halten. Zunehmend aggressiv herrschte er Rodionov an: "Wie können Sie es eigentlich wagen?" Der ließ sich jedoch überhaupt nicht beeindrucken und warf der Athletin einen Interessenkonflikt vor. Hajo Seppelt bezichtigte ihn daraufhin der Lüge. 

Schließlich ging es um die Frage, ob der russische Verband von den olympischen Spielen suspendiert werden sollte und damit alle Athleten kollektiv bestraft würden. Peter Neururer sprach sich dagegen aus, Ines Geipel war als ehemaliges Opfer des Staats-Dopings in der DDR dafür. Dann kam die Stunde von Perikles Simon, der das internationale Dopingkontrollsystem in Frage stellte. Natürlich müsse man sich die Frage stellen, ob es fair sei, den einzelnen Sportler zu bestrafen. Es sei viel besser, sich ein System zu überlegen, wie man die Sportfunktionäre bestrafen könne. 

Satz des Abends:
"Ohne Ihre Verdienste schmälern zu wollen, Herr Seppelt, aber Sie sind nur ein einzelner Journalist." (Perikles Simon)

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