| 15.13 Uhr

Talk bei Maischberger
Ist Niels H. Deutschlands schlimmster Serienmörder?

Maischberger-Talk zum Thema Niels H.
Maischberger-Talk zum Thema Niels H. FOTO: Melanie Grande/WDR
Düsseldorf. Bei Sandra Maischberger diskutierten Angehörige von Opfern des Krankenpflegers Niels H., der mindestens 30 Patienten ermordet hat, mit SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Der Talk im Check. Von Sebastian Bergmann

Darum ging's: Es könnte der schlimmste Serienmord der deutschen Nachkriegsgeschichte sein: Der Krankenpfleger Niels H. steht im Verdacht, bis zu 200 Menschen mit Medikamenten getötet zu haben, 30 Morde hat er vor Gericht bereits gestanden. Muss man Klinikpersonal prinzipiell besser überwachen?

Darum ging's wirklich: Wer trägt die Verantwortung dafür, dass Niels H. solange morden konnte, obwohl es von Anfang an Verdachtsmomente gab? Die Klinik Oldenburg, die ihn mit einem guten Zeugnis davon lobte? Oder die Staatsanwaltschaft, die zu lange zögerte? 

Die Gäste: 

  • Kathrin Lohmann (Tochter eines Mordopfers) 
  • Frank Lauxtermann (Krankenpfleger) 
  • Gisela Friedrichsen (Gerichtsreporterin) 
  • Dr. Dirk Tenzer (Vorstand Klinikum Oldenburg) 
  • Judith Arlt (Schwiegertochter eines Patientenmordopfers) 
  • Karl Lauterbach, SPD (Arzt und Gesundheitsexperte)

Frontverlauf: In den ersten Minuten der Sendung ließ Maischberger vor allem Kathrin Lohmann, deren 61-jährige Mutter 2003 von Niels H. getötet wurde, viel Raum, um über ihr Schicksal und ihren Gang zur Justiz zu berichten. Lohmann hat maßgeblich Anteil daran, dass das Ausmaß des Falls Niels H. nach und nach aufgeklärt wird. Doch der Kampf mit der Justiz ging nicht spurlos an ihr vorbei.

"Mein Leben hat zwölf Jahre stillgestanden. Jetzt kann ich es endlich weiterleben", sagte sie mit ruhiger Stimmer. Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen, die den Prozess von Niels H. begleitete, stellte fest: "Die Angehörigen haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie ihre Verwandten gestorben sind." Sowohl Lohmann als auch Friedrichsen waren sich einig, dass die Staatsanwaltschaft Fehler begangen und zu lange die Ermittlungen verschleppt habe.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach analysierte die Taten des Krankenpflegers für das Publikum aus medizinischer Sicht. Dass die Opfer gelitten hätten, "lässt sich leider nicht ausschließen", sagte er. Niels H. habe seinen Opfern ein Herzrhythmusmittel verabreicht, um später sein Können bei der Reanimation zu beweisen. So seien viele Patienten gestorben. Friedrichsen: "Dieser Fall ist ja so besonders, weil der Pfleger ja eigentlich nicht die Patienten töten wollte, sondern bei der Reanimierung zeigen wollte, wie toll er ist, wie toll er intubieren kann."

Frank Lauxtermann arbeitete mit Niels H. gemeinsam als Krankenpfleger zusammen. Er habe von Anfang an Verdacht geschöpft. "Niels H. hatte einen deutlichen Aktionismus bei Reanimation. Bei den Ärzten führte das dazu, dass sie meinten, der ist engagiert. Sein Interesse war ganz klar in der Notfallmedizin." Dirk Tenzer von der Klinik Oldenburg, der zum Zeitpunkt der Morde noch nicht im Klinikvorstand war, musste zugeben, dass es schon früh Verdachtsmomente gab. "Das ist völlig richtig. Mitarbeiter waren überzeugt, dass Niels H. Patienten schädigt." Judith Arlt, deren Schwiegervater von einer Krankenschwester umgebracht wurde, hakte ein: "Das ist ja der Skandal, dass dann nicht früher gehandelt wurde."

Antworten auf die eingangs gestellten Fragen gab es von der Talk-Runde keine. Lediglich SPD-Mann Lauterbach merkte an: "Eine Konsequenz ist, dass wir bei unklaren Todesfällen in einer Klinik sehr viel genauer hinschauen und untersuchen müssen, woran der Patient wirklich gestorben ist." Moderatorin Sandra Maischberger schloss die Runde mit den Worten: "Wir werden sehen, wohin das politisch, in den Krankenhäusern und bei der Wachsamkeit der Kollegen führt." 

Zitat des Abends:

"Den Kliniken geht es vor allem um den guten Ruf." (Giesela Friedrichsen, Gerichtsreporterin)

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