| 15.38 Uhr

TV-Kritik "Maischberger"
Pegida-Busfahrer streitet sich mit Sascha Lobo

Das war der Talk bei Maischberger am 30.11.2016
Das war der Talk bei Maischberger am 30.11.2016 FOTO: WDR
Düsseldorf. Die "Lügenpresse" war das Diskussionsthema bei Sandra Maischberger. Unter den Gästen war auch ein Pegida-Demonstrant aus Berlin, der mit Sascha Lobo aneinandergeriet. Doch der Berliner Busfahrer erhielt unerwartete Schützenhilfe. 

Darum ging's Berichten Journalisten nur, was in ihr eigenes Weltbild passt, und kungeln sie mit den Mächtigen? Die Kritik, sie verdrehten Fakten oder ließen manches unter den Tisch fallen, was politisch nicht salonfähig erscheint, ist immer wieder zu hören. "Vorwurf 'Lügenpresse' – Kann man den Journalisten noch trauen?", lautete daher die Leitfrage bei "Maischberger".

Darum ging's wirklich Ab dem zweiten Drittel der Sendung diskutierte die Runde bei Sandra Maischberger über den Begriff "Lügenpresse" im Zusammenhang mit der Darstellung der Flüchtlingssituation in den Mainstream-Medien. Die Medien hätten sich dazu weitgehend positiv positioniert und hätten eine kritische Perspektive vermissen lassen, lautete die Kritik. 

Die Gäste

  • Ulrich Wickert, ehemaliger "Tagesthemen"-Moderator
  • Vera Lengsfeld, ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete
  • Sascha Lobo, Blogger
  • Joachim Radke, Busfahrer in Berlin, AfD-Mitglied und Pegida-Demonstrant
  • Gerhard Vowe, Medienwissenschaftler, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Der Frontverlauf

Der Medienwissenschaftler Gerhard Vowe von der Uni Düsseldorf widersprach der verbreiteten Vorstellung, den Medien werde immer weniger geglaubt: Von Vertrauenskrise könne keine Rede sein. Es sei schon lange so, dass etwa 40 Prozent der Menschen in Deutschland den Medien vertrauten, die anderen eher nicht. In dieser Hinsicht habe es keine erheblichen Veränderungen gegeben.

Joachim Radke, Busfahrer aus Berlin und AfD-Mitglied, kritisierte, die Berichterstattung in den Medien wirke gesteuert. Die Presse bilde zwar größtenteils die Realität ab, dennoch gebe es viele Halbwahrheiten, die der Berichterstattung beigemischt seien. Es finde Meinungsmanipulation statt. Und es werde tendenziell berichtet. Als der ehemalige "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert ihn nach einem Beispiel fragte, führte Radke die Berichterstattung über den Galgen bei einer Pegida-Demonstration in Dresden an. Kamerateams hätten sofort draufgehalten, diesen Einzelfall in den Mittelpunkt gestellt und dessen Bedeutung auf diese Weise ungerechtfertigt überhöht. 

Der Blogger Sascha Lobo wollte das so nicht stehen lassen. Er griff Radke an und warf dem Pegida-Sympathisanten eine "Opferinszenierung" vor. "Ich bin kein Opfer", sagte Radke daraufhin. "Aber sie tun halt so", schnappte Lobo zurück. Das sei ein klassisches rechtes Narrativ. "Das hat er gar nicht gesagt", mischte sich die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld in die Diskussion ein. Der Galgen, der zeitgleich während einer Demonstration gegen das Freihandelsabkommen TTIP gezeigt worden sei, hätten die Medien nicht gleichwertig thematisiert.

Doch Sascha Lobo ließ nicht locker. "Ich bin der erste, der die Presse kritisiert", sagte er. "Aber ich halte es für eine Unverschämtheit, wenn Sie auf der einen Seite 'Lügenpresse' sagen und auf der anderen Seite differenzieren möchten." Der Begriff Lügenpresse sei das Gegenteil der Differenzierung. Der Begriff unterstelle eine Verschwörung, in der alle Medien sich absprechen würden, über ein Thema gleichlautend zu berichten, definierte Lobo den Begriff weiter.

Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld führte daraufhin mehrere dafür an, wo die Medienberichterstattung sensationsheischend und tendenziös über Rechte berichtet habe. Sie sprach über den Fall des Flüchtlings in Schmölln, der Selbstmord begangen hatte. Zunächst war berichtet worden, ein rechter Mob hätte ihn angestachelt, später stellte sich diese Darstellung als verkehrt heraus.

Sandra Maischberger zitierte zur Berichterstattung über die Flüchtlinge in Deutschland eine Studie der Hamburg Media School, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Medien darüber überwiegend positiv berichtet hätten. Medienwissenschaftler Gerhard Vowe bestätigte, das sei auch nach seiner Wahrnehmung bis September 2015 so gewesen.

Es habe tatsächlich einen Konsens der Medien in dieser Frage gegeben. Die Vorstellung, da habe jemand im Hintergrund die Fäden gezogen und die Medien wie Marionetten gesteuert, sei aber abstrus.

Ulrich Wickert erklärte den Umgang der Medien mit dem Flüchtlingsthema mit der deutschen Geschichte. In Deutschland sei darüber ganz anders berichtet worden als in vielen übrigen Ländern, etwa in Frankreich. Das habe etwas mit der nationalen Identität zu tun – aber nichts mit gezielter Steuerung.

Wickert sprach auch das Thema soziale Medien an: Algorithmen, etwa bei Facebook, führten dazu, dass Nutzer nur das mitbekämen, was sie sowieso schon glaubten. Soziale Medien funktionierten daher wie eine Echokammer.

Der Blogger und Social-Media-Experte Sascha Lobo ergänzte, dass Nutzer sozialer Medien zunehmend Artikel aus ihrem eigenen Meinungsumfeld lesen und keine Gegenpositionen mehr wahrnehmen würden. Dass Gefährliche daran sei, dass sich das eindimensional zuspitze - dem Nutzer fehle das Korrektiv, das es in den klassischen Medien gebe.

(dpa/heif)
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