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Talkrunde bei Maischberger
Würzburg bleibt nicht das letzte Attentat

Das war der Maischberger-Talk am 20. Juli 2016
Das war der Maischberger-Talk am 20. Juli 2016 FOTO: WDR
Berlin . "Sind wir dem neuen Terror schutzlos ausgeliefert?", fragte Sandra Maischberger. Die passende Frage zum richtigen Zeitpunkt. Ein Psychologe fand Antworten. Nur Renate Künast redete sich um Kopf und Kragen. Von Jessica Balleer

Die Gäste

Wolfgang Bosbach (CDU-Innenexperte)
Renate Künast (B'90/Die Grünen)
Judith Assländer (Pflegemutter junger Asylbewerber)
Claus Strunz (Journalist)
Ahmad Mansour (Psychologe)
Guido Steinberg (Terrorismus-Experte)

Anfang des Jahres sticht eine 15-Jährige am Hannoveraner Flughafen auf einen Polizisten ein. Im April verüben 18-Jährige ein Attentat auf einen Sikh-Tempel in Essen. Am Montagabend dann verletzt ein 17-Jähriger in einem Regionalzug in Würzburg wahllos Menschen. Die Propaganda des Islamischen Staates (IS) hatte Deutschland längst erreicht. Und zumindest in einer Sache waren sich die Gäste bei Sandra Maischberger einig: Würzburg wird nicht das letzte Attentat in Deutschland bleiben. "Wachsamkeit ja, aber keine Panik", sagte der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach gleich zu Beginn des Talks.

Pflegemutter spaltet das Publikum

Mit Spannung durfte man die Meinung von Judith Assländer erwarten. Die Pflegemutter lebt mit unbegleiteten Flüchtlingen zusammen. Ein überraschend kühler Kopf zeichnete ihren Auftritt aus. Sie warnte vor einem Generalverdacht und dem Schüren der Angst. Bemerkenswerte Antworten fand sie auf die polemischen Fragen der Moderatorin. Und sie distanzierte sich konsequent von einer Generalisierung: "So etwas spielt sich unter Flüchtlingen nicht häufiger ab als unter anderen Jugendlichen", sagte Assländer. Mit dieser klaren Kante spaltete Assländer das Publikum.

Künast bleibt uneinsichtig

Renate Künast hingegen hatte in den sozialen Netzwerken bereits nach wenigen Minuten reichlich Häme hervorgerufen. Anstatt die Chance zu nutzen, ihren Tweet aus der Terrornacht zu entschuldigen, in dem sie das Vorgehen der Würzburger Polizei kritisiert hatte, rechtfertigte die Grünen-Politikerin ihre 140 Zeichen. "Als Parlamentarierin darf man so etwas twittern", sagte Künast. "Unsere Demokratie hält das aus." Wolfgang Bosbach konterte: "Ich erwarte von Politikern, dass sie Polizisten nicht in den Rücken fallen. Künast aber bewies in einem fünfminütigen Monolog nur, dass ihre Fehleinschätzung in der Terrornacht nicht der Kürze des Tweets geschuldet war. Und sie irritierte, weil ihre Haltung so starr wirkte, wie der auffallend hochgestellte Kragen ihrer Bluse.

 

"Es gibt keine Turbo-Radikalisierung"

Ahmad Mansour bereicherte den ARD-Talk als Psychologe und Analyst. Die Radikalisierung sei ein Prozess und die Einstellung der Täter sitze tief, weil sie Teil der Erziehung ist. Die Haltung des 17-Jährigen hätten die Betreuer in Deutschland verkannt. Anzeichen seien Feindbilder, die Verachtung des Lebens und die Liebe zum Tod. "In Gesprächen hätte man das herausfinden können", sagte Mansour. Von dem Begriff der "Turbo-Radikalisierung" halte er nichts.

 

 

Angst vor der Zukunft

Während der Journalist Claus Strunz laut über "Anti-Terror-Kurse" nachdachte und den Spott der Runde erntete, war es wieder Mansour, der das Problem artikulierte: Es seien diejenigen, die unsere Gesellschaft heute ablehnen, die in Zukunft gefährlich werden könnten. Die Faktoren könne man nicht relativieren, sie seien psychologisch, soziologisch und ideologisch. "Wir müssen den Grund für die Radikalisierung erwähnen", sagte Mansour. "Das ist die Religion".

Fazit des Abends

Das Thema der Talkshow passte zur Stimmung im Land. Allein die Schlussfrage brachte nicht Maischberger auf den Punkt. Sie fragte bis zuletzt nach der Reaktion auf Terrorsituationen. Die eigentliche Kernfrage stellte Psychologe Ahmed Mansour – Wie können wir Angriffe verhindern? Und es war auch nicht Terrorismus-Experte Steinberg, der Antworten gab, sondern Mansour selbst. "Langfristig kann uns nur Integrationsarbeit retten. Wir müssen miteinander reden." Das Ohnmachtsgefühl konnte der Talk natürlich nicht nehmen. Denn klar ist auch eines – das Restrisiko Mensch, es bleibt.

 

In einer früheren Version des Artikels haben wir fälschlicherweise behauptet, beim Attentat in Würzburg habe es Tote gegeben. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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