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Düsseldorf
Martin Suters Bestseller verfilmt
Düsseldorf. Das ZDF zeigt heute "Der Teufel von Mailand". Die Produktion ist hochkarätig besetzt.

Vom Teufel bekommt man nichts umsonst. "Was ist dein Preis?", fragt das Mädchen Ursina, das Reichtum und Schönheit von ihm erbeten hat. Und hört als Antwort einen Abzählvers, der es das Fürchten lehren wird. Diese angeblich uralte Engadiner Sage hat sich der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter (64) selbst ausgedacht und raffiniert in seinen in der Gegenwart spielenden Krimi "Der Teufel von Mailand" (2006) verwoben.

Der Film erzählt von der Identitätskrise der Physiotherapeutin Sonia (Regula Grauwiller), die nach unglücklicher Ehe in einem Berghotel arbeitet, um Abstand und Ruhe zu gewinnen. Stattdessen wird sie nachts von Albträumen geplagt, in denen ihr Ex-Mann sie mit einer Pistole bedroht. Außerdem versetzen ein Baum, der seine Blätter verliert, glühende Leuchtstäbe im Swimmingpool, der Tod ihres Wellensittichs und ein Teufelszeichen auf dem Auto von Gästen sie in Panik. Sind es Botschaften ihres reichen Ex-Mannes, der mittlerweile in einer geschlossenen Anstalt sitzt und den seine Mutter unbedingt freikaufen möchte? Und wem im Hotel darf sie trauen?

"Der Teufel von Mailand" bietet hochkarätig besetzte Fernsehunterhaltung auf gepflegtem Niveau. Die gruselige Engadin-Geschichte inszenierte Markus Welter nach dem Drehbuch von Thomas Berger. Eine unterschwellig-wesentliche Rolle spielt auch hier das Suter-Thema einer Gesellschaft, die für Gold, Geld und Ansehen ihre Seele verkauft.

Vor allem dank der sensibel-ausdrucksstarken Hauptdarstellerin Grauwiller, die man auf ihrem Weg durch die Psychohölle fasziniert begleitet, und der atmosphärischen Dichte im wie versteinert wirkenden alpinen Val Grisch gerät Welters Film zum ziemlich aparten Fernsehvergnügen. Nicht thematisiert – möglicherweise weil zu kompliziert – wird hier allerdings ein Hauptaspekt des 2007 mit dem wichtigen Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichneten Buchs: die Synästhesie der hochempfindlichen Heldin, die also physisch voneinander getrennte Bereiche, etwa Farbe und Temperatur, gekoppelt wahrnimmt.

"Der Teufel von Mailand", ZDF, 21.45 Uhr

Quelle: dpa
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