| 11.28 Uhr

TV-Talk mit Maybrit Illner
Die Diskussion blieb bei der Frage des Händeschüttelns stecken

Maybrit Illner: Diskussion blieb bei Frage des Händeschüttelns stecken
Die Gäste bei Maybrit Illner diskutierten, wie weit Deutschland mit der Integration ist. FOTO: Screenshot ZDF
Düsseldorf. "Wir schaffen das", hatte die Kanzlerin Angela Merkel vor gut einem Jahr in Berlin gesagt. Für Maybrit Illner ein Grund, Bilanz zu ziehen in der ersten Sendung nach der Sommerpause. Doch nur bei der Frage des Händeschüttelns zur Begrüßung wurde die Diskussion spannend. Von Franziska Hein

Worum es ging: "Wie weit ist der Weg von einem Nebeneinander zu einem Miteinander?", fragte Moderation Maybrit Illner zu Beginn der Sendung. Vor einem Jahr kamen eine Million Zuwanderer nach Deutschland, die hier Wohnungen, Arbeit und Wohlstand suchen. "Aber wollen Sie auch dazugehören?", fragte Illner. 

Darum ging es wirklich: Obergrenzen, Vorurteile, Rassismus und Abstiegsängste, Doppelte Staatsbürgerschaft, Burka – es fiel kaum ein Begriff in der Sendung, der nicht schon hinlänglich diskutiert wurde. Es wurde schließlich nur deutlich, dass die Antwort auf die Frage "Schaffen wir das?", reine Interpretation ist. 

Gäste: 

  • Aydan Özoguz, Staatsministerin für Integration 
  • Paul Ziemiak, Vorsitzender der Jungen Union
  • Christian Pundt, Bürgermeister in Hatten, Niedersachsen (parteilos)
  • Khola Maryam Hübsch, Journalistin und Autorin
  • Güner Yasemin Balci, Autorin und Filmemacherin
  • Anas Modamani, syrischer Flüchtling, schoss 2015 ein Selfie mit der Kanzlerin 

Frontverlauf: Zu Beginn der Sendung erzählte der syrische Flüchtling Anas Modamani, wie es ihm mittlerweile in Deutschland geht. Der 19-Jährige war deutschlandweit bekannt geworden, weil er ein Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gemacht hatte, das weltweit über die Medien verbreitet wurde. Die Aufnahme ist etwa ein Jahr alt und wurde in einem Flüchtlingsheim in Berlin-Spandau aufgenommen. Zunächst habe ihn das Security-Personal aufhalten wollen, berichtete der Syrer, der mittlerweile bei einer deutschen Familie lebt. Aber dann habe ihn die Kanzlerin gesehen. "Ich hab einfach das Selfie gemacht", sagte Modamani. 

In der Folge wollte keine richtige Diskussion in Fahrt kommen. Die Gäste erklärten sich nur gegenseitig, wie sie den Umgang mit den Flüchtlingen derzeit erleben. Khola Maryam Hübsch erklärte, warum sie Menschen versteht, die in Deutschland nicht noch mehr Flüchtlinge sehen wollen. "Es gibt Abstiegsängste, die sich an einem syrischen Flüchtling manifestieren. Es bringt nichts, gegen den Kapitalismus zu wettern, aber ein Flüchtlingsheim kann man anzünden", sagte die Journalistin. Filmemacherin Güner Balci sprach über Vorurteile, Christian Pundt, Bürgermeister einer Gemeinde in Niedersachsen, über die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements. Und Staatsministerin Aydan Özoguz erklärte die Fortschritte, die Deutschland in der Bewältigung der Situation mache: mehr Deutschkurse, bessere Unterbringungen und die Arbeitserlaubnis für Flüchtlinge schon nach wenigen Monaten.

Nur der Vorsitzende der Jungen Union brachte etwas Pfeffer in den monotonen Meinungskonsens. Dass Flüchtlinge vor allem nach Deutschland kämen, hinge mit dem hohen Lebensstandard und den Sozialleistungen zusammen, das sei einzigartig in Europa. 

Auch die wochenalte Burka-Diskussion wurde in der Sendung aufgewärmt. Man könne nicht alles verbieten, was einem nicht passe, sagte Khola Maryam Hübsch. Sie finde es gefährlich, dass es immer wieder Verbotsdiskussionen gebe. "Wir wollen das Kopftuch verbieten, die Burka verbieten, den Burkini verbieten, das Verweigern des Händereichens, Beschneidung und Minarette verbieten. Was wollen wir noch verbieten?", so die Journalistin. Damit werde man nur den autoriätern Herrschern ähnlicher, die eine restriktive Religionspolitik forcieren und Minderheiten diskriminieren. "Wir müssen in einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft unsere Werte verteidigen, in dem wir damit überzeugen, indem wir sie vorleben." 

Doch das wollte Paul Ziemiak nicht stehen lassen. Er beklagte, dass Hübsch ihm nicht Hand geschüttelt habe zur Begrüßung. "Das sind kulturelle Unterschiede. Ich kann verstehen, wenn Menschen das komisch finden, wenn Männer Frauen keine Hand geben oder Frauen sagen, dem Mann, der hier ins Studio kommt, gebe ich nicht die Hand." Das Wortgefecht zwischen Ziemiak und Hübsch blieb das einzig spannende dieser Sendung.

Spruch des Abends: "Man kann nicht alles verbieten, was einem nicht gefällt." (Khola Maryam Hübsch)

(heif)
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