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Maybrit Illner
"Russland ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems"

Maybrit Illner: "Russland nicht Teil der Lösung, sondern des Problems"
Die Runde bei Maybrit Illner diskutierte über Waldimir Putin und die Rolle Russlands. FOTO: ZDF
Düsseldorf. Die Reizfigur Wladimir Putin stand auf dem Programm bei Maybrit Illners Talkrunde am Donnerstagabend. Seine Rolle im Syrienkrieg wurde kontrovers diskutiert. Wie soll man mit dem Mann umgehen?  Von Christoph Schroeter

Darum ging's: "Feldherr Putin - schwacher Westen, starkes Russland". Die USA befinden sich seit Monaten in einem schmutzigen Präsidentschaftswahlkampf, Europa ist zerstritten, Deutschland mit der Flüchtlingskrise beschäftigt - Russland dagegen ist zurück auf der Bühne der Großmächte. Doch um welchen Preis?

Die Gäste:

  • Florence Gaub, Militär-Expertin
  • Aktham Suliman, syrischer Journalist
  • Peter Altmaier (CDU), Kanzleramtsminister
  • Dietmar Bartsch (Linke), Fraktionschef
  • Alexander Rahr, Putin-Biograf
  • Peter Neumann, Terrorismus-Experte

Die Meinungen: In der Runde ging es um den Krieg in Syrien. Putin hat es mit seinem Pro-Assad-Engagement  zurück auf die Weltbühne der Politik geschafft. Wirtschaftlich schwach, aber militärisch wieder eine Supermacht.

Syrien-Krieg: Einblicke in den Alltag FOTO: rtr, CK/ TC

Kanzleramtsminister Peter Altmaier verschärfte dabei weiter den Ton gegen Russland. Der Bürgerkrieg habe eine neue Dimension erreicht, "schlimmste Gräuel" würden dort verübt, "auch Kriegsverbrechen". Russland sei wegen der Unterstützung des Assad-Regimes nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems, teilte Altmaier gegen Putin aus.

Putin-Biograf Alexander Rahr hielt dagegen. Er wies direkt darauf hin, keine Propaganda für den russischen Präsidenten machen zu wollen. Putin wolle zurück auf die Weltbühne, dafür brauche er Syrien, den Nahen Osten. Es bringe nichts, dem Land mit Sanktionen zu drohen, Putin werde sich dann andere Verbündete in Asien suchen, um seine Ziele zu erreichen. "Aleppo muss fallen, dann ist Assads Macht gesichert, das ist Putins Ziel", sagte Rahr.

Der syrische Journalist Aktham Suliman betonte, "jede Sekunde in Syrien hilft" - auch ein Waffenstillstand von nur wenigen Stunden sei gut für die Menschen dort. Dann zog er einen Vergleich zum Irak: Mossul und Aleppo würden von den regulären Truppen der jeweiligen Länder angegriffen. Jedoch gefalle dem Westen in Syrien das Regime nicht, daher sehe man tote Kinder in Aleppo, aus Mossul bekomme man solche Bilder nicht zu sehen. "Es gibt gute Kriege und schlechte Kriege."

Bombenangriffe in Syrien gehen weiter FOTO: afp

Sein Land brauche keine ausländischen Dschihadisten, die würden aus dem Land nur ein zweites Afghanistan machen, und man wolle auch nicht zwischen den Fronten Russlands und des Westens stehen. "Wir können unsere Probleme selber lösen", sagte Suliman.

Die Militärexpertin Florence Gaub nannte die anfänglich zögerliche Haltung des Westens gegenüber dem Konflikt in Syrien "Wunschdenken". "Iran und Russland waren bereit, alles zu tun, um ihre Ziele zu erreichen, der Westen nicht." 

Und Putins Rolle dabei? Während Kanzleramtsminister Altmaier ihn als Problem ansah, versuchten Bartsch und Rahr, dessen Beweggründe aufzuzeigen. "Ich sehe Putin nicht so negativ, er will doch auch eine Lösung mit dem Westen", sagte Rahr. Bartsch forderte einen Dialog auf Augenhöhe mit Putin.

Dann ging es in der Runde noch um den Kampf gegen den Terrorismus und speziell gegen den IS. Man dürfe diesen nicht aufgeben, nur weil man Angst habe, mögliche Heimkehrer würden dann im Westen vermehrt Anschläge verüben, sagte Altmaier.

Terrorismus-Experte Peter R. Neumann räumte zwar ein, es bestehe nach einem Fall Mossuls erhöhte Terrorgefahr - eine Welle von Heimkehrern sei jedoch nicht zu erwarten, viele würden frustriert und vom Kampf müde sein, einige von ihnen in andern Konflikten wieder auftauchen. Und: Nicht jeder Heimkehrer sei automatisch ein Terrorist.

Spruch des Abends: "Weltpolitik vom Sofa aus geht nicht mehr" - Alexander Rahr

Erkenntnis: Eine militärische Lösung des Konfliktes in Syrien kann es nicht geben, darüber herrschte in der Runde Konsens. Uneinig war man sich, wie eine diplomatische Lösung aussehen könnte, wie man sich gegenüber Putin positionieren soll. Soll ihm "mit Härte" (Altmaier) begegnet werden oder auf Augenhöhe, wie Bartsch es forderte?

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