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Maybrit Illner talkt zum Nordkorea-Konflikt
"Ich mache mir mehr Sorgen um die innere Sicherheit der USA"

Maybrit-Illner-Talk zu Nordkorea: "Mache mir mehr Sorgen um die innere Sicherheit der USA"
Maybrit Illner (Mitte) diskutiert mit Ska Keller, Klaus von Dohnanyi, Peter Rough und Constanze Stelzenmüller (v.l.). FOTO: ZDF Screenshot Mediathek
Düsseldorf. Dass die USA keinen Krieg gegen Nordkorea planen, darin waren sich alle Talk-Gäste bei Maybrit Illner einig. Streit gab es über die Frage, wer eigentlich unberechenbarer ist – Trump oder Kim Jong Un. Eine Südkoreanerin hatte ihre ganz eigene Meinung.  Von Franziska Hein

Darum ging's

"Kims Raketen, Trumps Provokationen –- droht der Welt ein neuer Krieg" – unter dieser Überschrift ließ Moderatorin Maybrit Illner ihre Gäste diskutieren. Es ging um den Raketenstart Nordkoreas und die Reaktionen der USA und der internationalen – auch der deutschen – Politik darauf.

Darum ging's wirklich

Angesichts der Bundestagswahl in fast drei Wochen kann man sich schon fragen, warum der Sender ZDF und die Moderatorin Maybrit Illner eine weitere Trump-Show präsentieren – zumal trotz des abgewandelten Themas fast immer ähnliche Gäste mitdiskutieren. Die Frage, ob ein Atomkrieg drohe, war dann auch eine rein rhetorische. Denn alle Mitdiskutanten hielten einen militärischen Präventionsschlag der USA für ausgeschlossen. Zuletzt driftete die Diskussion ab in die Frage der amerikanischen Strategie im Afghanistan-Einsatz und die Rolle der Nato. 

Die Gäste

  • Klaus von Dohnanyi, SPD
  • Constanze Stelzenmüller, Politikwissenschaftlerin
  • Hans-Lothar Domröse, Bundeswehrgeneral a. D. 
  • Ska Keller, Grüne, EU-Parlamentarierin
  • Peter Rough, Politikberater 
  • Sung-Hyung Cho, deutsch-koreanische Dokumentarfilm-Regisseurin
  • Peter Altmaier, CDU, Bundesminister (zugeschaltet)

Der Frontverlauf

Eine Sache stand schon zu Beginn der Sendung fest: Die Frage, ob im Nordkorea-Konflikt ein Atomkrieg drohe, war eine rein rhetorische. Nach zehn Minuten fragte Moderatorin Illner die Politikwissenschaftlerin Constanze Stelzenmüller, die auch in Washington lebt, danach. Sie schloss diese Option sofort aus, in der Runde widersprach ihr niemand. Später sagte sie: "Ich mache mir um den inneren Frieden in den USA mehr Sorgen als um den äußeren."

Nicht mal der erfahrene SPD-Außenpolitiker mit oberlehrerhafter Attitüde, Klaus von Dohnanyi, widersprach. Illner führte ihn zu Beginn des Abends ein und erwähnte, er sei zur Zeit des Korea-Krieges (1950-53) als Student in den USA gewesen. Dohnanyi hob dann auch bei jeder Gelegenheit sein Erfahrungswissen hervor. Als Politiker der alten Schule setzte er auf Realpolitik. Er sagte, es sei kontraproduktiv, dass Südkorea eine Wiedervereinigungspolitik forciere. Nordkorea fühle sich in seiner Existenz bedroht, solange Südkorea in der Frage der Wiedervereinigung so offensiv sei. "Selbstverteidigung ist zwar ein unlauteres, aber sie ist ein Motiv." 

Seine Gegenspielerin fand Dohnanyi in Stelzenmüller und in Politikberater und Trump-Unterstützer Peter Rough. Einig waren sich die drei darin, dass China eine entscheidende Rolle im Konflikt spiele und dazu bewegt werden müsse, mehr Einfluss auf Nordkorea auszuüben. Die USA bräuchten China für die Abschreckung und Einhegung des Konflikts, gleichzeitig drohten sie aber mit einem Handelskrieg, so Stelzenmüller. Und China habe ein Interesse, an einer diplomatischen Lösung mitzuwirken. "Nordkorea ist für die Chinesen ein schwerer Störfaktor." Dohnanyi widersprach ihr mehrfach, die Chinesen hätten kein gesteigertes Interesse an einer Lösung des Konflikts. 

Als Ergänzung zu der Runde hatte Illner außerdem die deutsch-südkoreanische Filmemacherin Sung-Hyung Cho eingeladen. Sie sollte - ähnlich wie Peter Rough für die amerikanische Seite - die koreanische Perspektive vertreten. Ihrer Meinung nach sei Trump viel unberechenbarer als Kim Jong Un, weil der amerikanische Präsident ständig seine Haltung wechsele. "Eine verantwortliche Politik sieht anders aus." Es sei auch nicht richtig, dass die Provokationen nur von Nordkorea ausgegangen seien, vielmehr provozierten auch die USA mit dem derzeit laufenden militärischen Manöver. 

Das wollte vor allem Peter Rough nicht stehen lassen. Trump sei ein demokratisch legitimierter Präsident, der auf Provokationen Nordkoreas reagiert habe. Es sei zynisch, den Präsidenten eines Verfassungsstaates auf dieselbe Stufe mit einem Diktator zu stellen. Doch die "Wer-hat-angefangen"-Diskussion führe nicht weiter.

Rough verwies mehrfach auf die Gefahr, die von Nordkoreas Waffensystemen ausgehe. Man müsse auch über die Frage verhandeln, wie eine Weitergabe der nordkoreanischen Atomwaffensysteme verhindert werden könne. Es sei bekannt, dass Pjöngjang seine Technologie an autoritäre Regime im Nahen Osten verkaufe. 

 
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