| 08.35 Uhr

TV-Nachlese zu "Maybrit Illner"
Die Gefahr lauert überall

Maybrit Illner: Was haben der Terror in Istanbul und Köln gemeinsam?
Eine Stunde lang diskutierte die Talkrunde das diffuse Thema der "German Angst". FOTO: ZDF Mediathek
Düsseldorf. Prominente Runde, brisantes Thema. Müssen Deutsche nach dem Terror in Istanbul dauerhaft in Angst leben und lässt sich Kriminalität nach Vorfällen wie in Köln einfach abschieben? Maybrit Illner wirft viele Fragen auf, die meisten müssen unbeantwortet bleiben. Von Ludwig Krause

Darum ging's

Die erste Sendung des neuen Jahres stellte Illner unter das Motto "Deutschland 2016 – leben mit Gewalt und Terror?" und stellte direkt zu Beginn fest: "Das Leben der Deutschen ist gefährlicher geworden." Das sollte wohl der klebrige Satz sein, der das Thema der Show zusammenhält, schließlich vermischt die Sendung die Dinge munter miteinander: Die sexuellen Übergriffe in Köln und der Bombenterror in Istanbul. Sei unser Leben nach "langen Jahren des Friedens" durch "neue Gefahren" jetzt etwa "lebensgefährlich"? Stehe jetzt eine Zeitenwende bevor? Wenigstens weiß man schon nach wenigen Sekunden, dass es der Sendung unmöglich sein wird, auf all die Fragen eine Antwort zu finden. Man hätte ja wenigstens klein anfangen können: Wo würde diese Zeitenwende eigentlich beginnen? Deutsche Touristen sind schon 1997 bei einem Anschlag auf Luxor ums Leben gekommen. Vermutlich wusste das auch Illner, darum schnell die Gäste vorstellen.

Die Runde

Innenminister Thomas de Maizière, gerade erst aus Istanbul zurückgekommen, war die Stimme der entschlossenen Bundesregierung: Wir weichen nicht vor Terrorismus zurück, kriminelle Ausländer werden schneller abgeschoben. Bernd Ulrich, stellvertrender Chefredakteur der "Zeit", erinnerte daran, dass auch verschärfte Gesetze nicht verhindern werden, dass Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Dauergast und Islamwissenschaftler Guido Steinberg fürchtete hingegen, dass es in diesem Jahr zu einem Anschlag in Deutschland kommt – und anschließend die Flüchtlingsheime brennen. Grünen-Politiker Cem Özdemir forderte eine deutlich bessere Ausstattung der Polizei. Die Beamten durften durch Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter, der zunächst im Publikum Platz nahm, natürlich auch zu Wort kommen. Fiedler machte, was alle Kollegen vor dem TV von ihm erwarten: die eigenen Leute in Schutz und die Politik aufs Korn nehmen. Egal wer regierte, jeder hätte die Polizei im Stich gelassen. Schließlich noch Seyran Ates, Rechtsanwältin türkisch-kurdischer Herkunft, die meinte, dass wir von den Immigranten Anpassung und Respekt einfordern müssen, weil uns diese sonst nicht ernst nehmen würden.

Darum ging's wirklich

Ein bisschen wirkte das Thema der Sendung, als wolle man all jenen Zuschauern, die irgendwie die Welt nicht mehr verstehen, vermitteln, dass all ihre Befürchtungen wahr sind. Dass Reisegruppen aus dem Erzgebirge Recht damit haben, wenn sie die Stadt Köln aus Angst um "Leib und Leben" meiden. Die gute Nachricht für diese Klientel: Ganz so schlimm ist es dann anscheinend doch nicht.

Zunächst aber ging der Blick nach Istanbul. Da waren sich alle einig: Furchtbar, was passiert ist. Aber ziemlich schnell, wie die türkischen Behören das mit der Identifizierung des Täters hinbekommen haben. Vielleicht zu schnell? Vor allem der erste Teil der Sendung war mehr ein "Brennpunkt: Terror in Istanbul", der es leider zu oft über das Stadium der Empörung und das Stellen von vielen offenen Fragen nicht hinausschaffte.

Bizarrste Überleitung

Seyran Ates schilderte dramatische Zustände in der Türkei. Im Fernsehen würden jeden Tag die Leichen gezählt, Teile des Landes befänden sich im Krieg. Nicht nur Soldaten, sondern auch Frauen und Kinder würden sterben. "Überall ist der Tod. Was passiert mit der Türkei?" Antwort von Maybrit Illner: "Und in sofern ist dieses Land in einer sehr schwierigen Situation, offensichtlich aber auch die Deutschen."

Satz des Abends

Müssen Deutsche nicht nur im Ausland Angst haben, sondern auch vor der Haustür – etwa an Silvester, unkte Illner. Oder Karneval? Sebastian Fiedler widersprach: "Das wäre ja noch schöner, wenn wir uns das auch noch verderben lassen."

Erkenntnis

Allein die letzten Minuten waren so wild durcheinander, wie es das Thema Sendung im Vorhinein befürchten ließ. Da wird innerhalb von 30 Sekunden diskutiert, in welche Länder abgeschoben werden kann, ob man straffällige Ausländer nicht lieber in Deutschland ihre Strafe absitzen lässt und ob man sich nicht mal viel lieber über Sexismus unterhalten sollte? Und sollte man nicht mit allen Mitteln verhindern, dass die Länder Nordafrikas "vor die Hunde gehen", wie es Cem Özdemir sagte. Können wir Kriminalität einfach abschieben, fragte Illner. "Nein", antwortete Sebastian Fiedler. "So", meinte Thomas de Maizière. "Es gibt nicht die eine Lösung."

Hier geht es zur Sendung in der Mediathek.

(lukra)
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