| 08.10 Uhr

TV-Talk von Maybrit Illner zu Griechenland
Martin Schulz: "Die gehen mir mittweilen gewaltig auf die Nerven"

Maybrit Illner zu Griechenland: Martin Schulz hat "die Faxen dicke"
Martin Schulz bei Maybrit Illner. FOTO: Screenshot zdf
Düsseldorf. Wie sehr die Krise Griechenlands auch an den Nerven der Beteiligten in Brüssel zehrt, lässt sich im Talk von Maybrit Illner nachvollziehen. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz findet deutliche Worte in Richtung Athen ("die gehen mir mittweilen gewaltig auf die Nerven"), und ein slowakischer Abgeordneter reagiert zunehmend gereizt auf den griechischen Verhandlungspoker. Von Dana Schülbe

Eigentlich wäre an diesem Freitag die Frist abgelaufen, bis zu der Griechenland die nächste Tranche an den Internationalen Währungsfonds zahlen müsste, nun bekommt die Regierung in Athen Zeit, die vier Raten gebündelt am Ende des Monats zu zahlen. Eine Lösung der Krise in Griechenland ist damit aber noch lange nicht gefunden, der Verhandlungspoker geht weiter. Und das dürfte auch manchem Beteiligten zunehmend an die Nerven gehen. Das zeigte sich auch am Donnerstagabend im ZDF-Talk von Maybrit Illner.

Denn ebenfalls zum gefühlten hundertsten Mal widmete sich einer der TV-Talker dem Thema Griechenland, auch wenn das Thema eigentlich lautete: "Union der Egoisten – Europas Einheit in Gefahr". Wieder einmal mit dabei: ein Vertreter der Syriza-Partei (Giorgos Chondros), der die Haltung seines Landes verteidigte und erklärte, sein Land wolle kein Geld für Wachstum, der von den Belastungen für die Rentner und einfachen Leute sprach. Und mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz war wiederum erneut jemand zu Gast, der die Griechen gleich mehrfach aufforderte, doch nun endlich die ausgestreckte Hand anzunehmen. Und es waren Politiologen und Verleger zu Gast, die mal für den Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone, mal dagegen sprachen.

Doch dann sprach Schulz Tacheles. "Seien sie mir nicht böse, Herr Chodros", begann der SPD-Politiker, als er auf die griechische Regierung zu sprechen kam. Und sagte dann: "Die gehen mir mittweilen gewaltig auf die Nerven", egal ob Finanzminister Varoufakis oder ein anderer. Schulz gab zu, dass die Athener Regierung eine gewaltige Erblast der vergangenen Regierungen mit sich trage, aber er verstehe nicht, wie die Partei etwa habe zulassen können, dass das Kapital der Reichen aus dem Land abgeflossen sei. "Ich habe auch die Faxen dicke, dass wir immer nur von Kürzungen reden, aber wissen, dass es in Europa einen Kapitalstand gibt wie nie zuvor", setzte Schulz seine Schimpftirade fort. Die Kleinen seien solidarisch, doch die Besitzer großen Kapitals würden sich aus der Verantwortung stehlen.

Klar, dass Chondros das nicht auf sich sitzen lassen konnte und sofort anfing, mit Schulz zu diskutieren. Kaum ein Wort war noch zu verstehen, und auch Illner brauchte mehrere Anläufe, um die beiden zum Schweigen zu bringen. Aber Schulz und Chondros waren nicht die einzigen, die Nerven zeigten. Auch der slowakische Politiker Richard Sulík, der im EU-Parlament sitzt, machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen den griechischen Verhandlungspoker.

Dass er zu Gast war, war dabei durchaus spannend, denn die Slowakei ist ebenfalls eines der ärmeren Länder in der EU, das sich aber an die Erfüllung der europäischen Verträge hält. Die Sichtweise eines anderen Landes zu sehen statt den Streit immer nur auf Deutschland und Griechenland zu konzentrieren, war dabei eine wahre Wohltat.

Ist der Ehrliche der Dumme?

Für Sulík steht denn auch fest: "Die Griechen haben keine Chance, dauerhaft in der Eurozone zu überleben, wenn sie nicht subventioniert werden." Natürlich habe er das Gefühl, wenn er nach Athen und in sein Land selbst schaue, dass der Ehrliche der Dumme sei, entgegnete er auf eine entsprechende Frage Illners. An den Verhandlungen könne man ja sehen, wenn man nur starr genug sei, dann werde die EU wohl nachgeben und weiter "Geld zum Fenster rauswerfen", wie es bislang geschehen sei. 

Die Frage der Sendung übrigens, ob Europas Einheit in Gefahr sei, kam denn auch zu kurz. Aber immerhin konstatierte die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot, die leidenschaftlich in der Sendung ein Plädoyer dafür hielt, doch nicht mehr nur von "den Griechen, den Deutschen oder den Italienern" zu sprechen, sondern vom Euroland, am Ende der Sendung: "Es ist wirklich extrem einsturzgefährdet." Und auch Verleger Wolfram Weimer, der einen Austritt Großbritanniens aus der EU für wesentlich schwieriger hält als einen Euro-Austritt Griechenlands, sagte: "Im Moment droht der Laden zusammenzubrechen."

 
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