| 06.10 Uhr

Talk bei Maybrit Illner
Zukunft der Rente - der neidvolle Blick auf die "Arbeitnehmer deluxe"

Maybrit Illner: Zukunft des Rente - Der neidvolle Blick auf die "Arbeitnehmer deluxe"
Familienministerin Manuela Schwesig preist im Talk vor allem die Lebensleistungsrente an. FOTO: Screenshot
Düsseldorf. Im Talk mit Maybrit Illner ging es um die Zukunft der Renten in Deutschland. Zu Gast war neben Familienministerin Manuela Schwesig und Blogger Sascha Lobo auch der Vorsitzende des Beamtenbundes. Und der war ein gern gesehener Sündenbock. Von Tanja Karrasch

Darum ging´s

45 Jahre im Beruf und im Alter nur eine Grundsicherung - bei Maybrit Illner lautete das Thema des Abends am Donnerstag "Reiches Land, arme Rentner - Deutschlands Zukunft?". Vorschläge zur Verbesserung des Systems gab es von allen Seiten. Während Manuela Schwesig für jedes Problem einen Lösungsweg in Planung vorstellte, zeichnete Paul Ziemiak von der Jungen Union ein düsteres Bild.

Darum ging´s wirklich

Um die bösen, bösen Beamten, oder auch die "Arbeitnehmer deluxe", wie sie im Einspieler genannt werden. Die werden auch im Alter noch königlich bezahlt und schlafen beim Gedanken an den Ruhestand laut Illner ruhig in der Nacht, während der Rest der deutschen Arbeitnehmer von Zukunftsängsten geplagt ist. Eine von Illner persönlich gesteuerte Neiddebatte plätscherte irgendwie am eigentlichen Thema vorbei.

Die Runde

  • Manuela Schwesig (SPD), Familienministerin
  • Paul Ziemiak (CDU), Vorsitzender Junge Union
  • Klaus Dauderstädt, Vorsitzender Beamtenbund
  • Sascha Lobo, Autor und Journalist
  • Carla Rodrigues-Fernandes, Gebäudereinigerin

Frontverlauf

Gebäudereinigerin Carla Rodrigues-Fernandes arbeitet in der Kundenbetreuung. Sie arbeitet viel für einen geringen Lohn und eine noch geringere Rente, fasst die Moderatorin zusammen. Rodrigues-Fernandes betont: "Es ist wirklich menschenunwürdig. Man arbeitet ein ganzes Leben lang und hat dann wirklich nur eine Grundsicherung."

Familienministerin Schwesig stellt sich auf die Seite der Gebäudereinigerin: "Es gibt unheimlich viele, insbesondere Frauen, die fleißig arbeiten, ihren Kindern ja damit auch Vorbild sind, sich um die Kinder kümmern aber am Ende von so einem Arbeitsleben vielleicht eine Rente haben, die so wäre, als wenn sie nie gearbeitet hätten. Und das ist ungerecht", sagt sie. Die Lösung für das Problem? Laut Schwesig die Lebensleistungsrente. Außerdem will sie sich für mehr Lohngerechtigkeit und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen.

Sascha Lobo richtet den Blick in die Zukunft der Arbeitswelt, so wie es das Thema des Abends eigentlich auch versprochen hatte. Er spricht von der zunehmenden Digitalisierung, die die starren Arbeitsverhältnisse mehr und mehr auflöst. Auch von dem Bedarf der Arbeitnehmer nach mehr Flexibilität. Dazu passe das starre Rentensystem in Deutschland einfach nicht. Er spricht vom Arbeiten im Homeoffice, von Mischsystemen aus Festanstellung und Freiberuflertum. "Da gibt es einen riesigen Bedarf, und da geht man nicht drauf ein. Warum? Weil man sich das Sozialsystem nur in den ganz engen Bahnen der Festanstellung vorstellen kann", so Lobo. Diese Starrheit sei fatal. Das betreffe vor allem auch Menschen mit künstlerischen oder kreativen Berufen. Er will ein neues System, das an die neue Arbeitswelt angepasst ist.

Paul Ziemiak möchte lieber an kleinen Stellschrauben drehen, rosige Versprechungen nennt er "blanken Populismus". Ziemiak: "Heute zu versprechen, dass jeder, egal wieviel er verdient hat, später eine sehr gute Rente oder eine durchschnittliche Rente dieses Eck-Rentners haben wird, das wäre einfach unseriös, weil wir es uns in Deutschland so werden nicht leisten können."

Klaus Dauderstädt hatte noch versucht, das Unheil abzuwenden: "Wir haben die falsche Gruppe im Visier, denn Systeme, die funktionieren muss man nicht in den Fokus nehmen", sagte der Vorsitzende des Beamtenbundes als zum ersten Mal die Beamtenpension ins Spiel gebracht wurde. Seiner Meinung nach sei das Problem der Rentenversicherung, dass nur eine Säule des Drei-Säulen-Modells funktioniert. Er ist dafür, eine verpflichtende Altersvorsorge für alle Menschen einzuführen, mit Schutzregelungen für die, die sich das nicht leisten können.

Doch so leicht lässt Illner ihn nicht von der Schippe springen: "Eine Gruppe in unserer Gesellschaft schläft die Nacht darüber tatsächlich sehr ruhig, und das sind die Beamten", sagt sie. Die "Arbeitnehmer deluxe" sind so gut wie unkündbar und befreit von der Sozialversicherungspflicht. Im Schnitt bekommen sie 2730 Euro Pension, heißt es im Einspieler.

Dauderstädt vergleicht die Pension mit der gesetzlichen Rente plus Betriebsrente eines Bosch-Mitarbeiters, dabei kommt er auf "marginale Unterschiede". Sascha Lobo ist mit dem Vergleich nicht glücklich: "Wer bekommt denn die Betriebsrente?", fragt er. Maybrit Illner fügt hinzu: "Und es arbeiten ja auch nicht alle bei Bosch."

Der Satz des Abends

"Ziel eines Sozialsystems muss die Abschaffung der Existenzangst sein", sagt Sascha Lobo in seinem Schlusswort und verweist erneut auf die Veränderung der Arbeitswelt hin. "Wenn immer mehr Leute da rausfallen, dann ist da etwas falsch."

Erkenntnis

Bürgermeister, Kämmerer, Stadträte, aber auch Merkel oder Gabriel - warum bekommen Politiker im Alter viel Geld? Warum geht es Beamten finanziell prima und den vielen anderen so schlecht? Das waren die Fragen, die im Talk vorrangig behandelt wurden und eher Zorn auf einige Wenige schürten, als die Probleme der breiten Masse zu behandeln. Wie der neidvolle Blick auf die vollen Geldbörsen anderer in der Debatte um Altersarmut und Ungerechtigkeit im Rentensystem helfen soll, ist fraglich.

 

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