| 12.43 Uhr

Maybrit Illner zur Flugkatastrophe
Talkrunde bei Illner wirft Zweifel auf

Maybrit Illner zum Germanwings-Absturz: Talkrunde wirft Zweifel auf
Technikfehler? Fahrlässigkeit? Vorsatz? Wie kam es zum Flugzeugunglück in den französischen Alpen? war das Thema bei Maybrit Illner. FOTO: Screenshot ZDF
Düsseldorf. Nach der dramatischen Wende in den Ermittlungen um den Absturz der Germanwings-Maschine 4U 9525 am Donnerstag herrschte allerorts Fassungslosigkeit. Laut der französischen Staatsanwaltschaft soll der Co-Pilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und zerstört haben. "Das hieße 149-facher Mord und ein Suizid", erklärte Maybrit Illner zu Beginn der Sendung. Doch ihre Gäste zeigten sich skeptisch, dass so früh so klare Aussagen getroffen wurden.

Bestürzung brachte auch die Talk-Runde bei Maybrit Illner zum Ausdruck: Als "unfassbar" bezeichnete Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Flugverkehrswirtschaft (BDL), was man von der französischen Staatsanwaltschaft gehört habe. Die Nachricht sei "nochmal ein Schock", sagte Maggie Schauer, Leiterin des Kompetenzzentrums Psychotraumatologie der Universität Konstanz. "Wenn Sie mich als Psychologin fragen, wir haben die Grundüberzeugung: die Menschen sind gut, die Welt ist gut. Und jetzt bricht das komplett weg."

"War es tatsächlich so?"

Doch zugleich warnten alle vor zu schnellen Schlussfolgerungen.  "Wir müssen schauen, in welche Richtung die weiteren Untersuchungen gehen, um auch bewerten zu können – für uns selber:  War es tatsächlich das Drama, von dem derzeit alle ausgehen? Oder sollten wir nicht vielleicht doch warten, bis das Bild komplett ist, um dann erst unsere Schlussfolgerungen zu ziehen?", sagte Markus Wahl, Vorstandsmitglied der Piloten-Vereinigung Cockpit.  Er kenne solche Fälle aus seiner Piloten-Laufbahn nicht. Dabei sei es "leider Gottes" nicht unüblich, dass Piloten mit ihrem Flugzeug Selbstmord begehen, konterte Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth. Der letzte Fall sei anderthalb Jahre her. "Im November 2013 in Namibia."

Doch Spaeth (selbst einer der ersten, der die Option einer aktiven menschlichen Handlung in den Raum warf) kritisierte zugleich die französische Staatsanwaltschaft: "Ich würde heute noch nicht unbedingt hingehen und vollkommen technische Ursachen ausschließen." Und verwies auf Fälle aus der Vergangenheit, in denen Staatsanwaltschaften möglichst Schaden von Airbus fernhalten wollten. "Ich behaupte aber nicht, dass es hier so war", ruderte er sofort zurück. Die Klarheit der Aussagen machten ihn lediglich "skeptisch".

"Was wir den Angehörigen antun, ist unfassbar"

Der gleichen Meinung war der ehemalige Verkehrsminister Peter Ramsauer: "Wenn ein Staatsanwalt etwas behauptet, dann heißt es noch lange nicht, dass es wirklich definitiv so ist. Viele Staatsanwälte haben schon viel in die Welt gesetzt, die Urteile waren dann oft völlig anders." Bislang habe man den Stimmenrekorder ausgewertet. Der Flugdatenschreiber sei noch nicht gefunden. "Was wir diesen Angehörigen antun, ist unfassbar."

Doch welche emotionalen Folgen die Aussagen der Staatsanwaltschaft haben, sei laut der Psychologin schwer zu sagen: "Für die Angehörigen macht das alles noch schlimmer. Für uns alle vielleicht weniger schlimm, weil es kein technisches Versagen ist, das uns in jeder anderen Maschine passieren könnte", sagte Schauer.  

"In der Flugsicherheit sind Schnellschüsse das Schlimmste"

Dennoch haben viele seit der Katastrophe Angst, in ein Flugzeug zu steigen. Dass viele Fragen noch offen sind, stellte die Talkrunde dar. Doch unabhängig vom weiteren Ermittlungsverlauf haben viele Fluggesellschaften bereits Konsequenzen gezogen. Easyjet, Air Berlin und mehrere weitere Linien verschärften ihre Sicherheitsvorschriften, so dass künftig das Cockpit immer mit mindestens zwei Menschen besetzt sein muss.

In der Runde bei Illner warnte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Flugverkehrswirtschaft (BDL) allerdings vor vorschnellen Entscheidungen: "In der Flugsicherheit sind Schnellschüsse das Schlimmste, was man machen kann." Ob ein Vier-Augen-Prinzip im Cockpit wirklich etwas ändern könnte, wurde ebenfalls von der Runde bezweifelt. 

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