| 08.09 Uhr

"Menschen bei Maischberger"
Dauerzoff zwischen einem CSU-Mann und dem Grünen Trittin

Menschen bei Maischberger: Jürgen Trittin und ein CSU-Mann geraten aneinander
Der CSU-Politiker David Bendels und Jürgen Trittin wurden keine Freunde in der Sendung "Menschen bei Maischberger". FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Angela Merkel steht im zehnten Jahr ihrer Kanzlerschaft angesichts der Flüchtlingskrise in der Kritik. Vor dem Parteitag der CDU diskutierte Sandra Maischberger genau darüber. Ein CSU-Politiker und der Grüne Jürgen Trittin gerieten dabei heftig aneinander – wegen der AfD. Der Talk im Schnellcheck. Von Dana Schülbe

Darum ging's

Irgendwie fühlte man sich doch an "Sissi" erinnert, wenn man den Titel von "Menschen bei Maischberger" am Dienstagabend hörte. "Das Schicksalsjahr der Kanzlerin: Scheitert Merkel?", lautete dieser. Diskutiert wurde dies bereits mehrfach insbesondere rund um das Datum ihrer zehnjährigen Kanzlerschaft vor einigen Wochen. Sandra Maischberger aber nahm den CDU-Parteitag am 14. und 15. Dezember zum Anlass, um noch einmal darüber zu sprechen. Und natürlich brachte sie direkt den CSU-Parteitag ins Spiel, als Horst Seehofer Merkel auf offener Bühne düpierte. Das sei der "Höhepunkt eines lange schon schleichenden Ansehensverlusts" gewesen.

Die Runde

Maischberger hatte sich sowohl Befürworter als auch Kritiker eingeladen: Vize-CDU-Chefin Julia Klöckner, Grünen-Politiker Jürgen Trittin, CSU-Politiker David Bendels sowie die Journalisten Wolfgang Herles und Markus Feldenkirchen.

Der Frontverlauf

Entsprechend ihrer politischen Rollen verhielten sich auch die Gäste. Klöckner verteidigte Merkel in jeder Minute mit Sätzen wie: "Das ist mir alles viel zu dramatisch, nach dieser Lesart ist sie dann auch noch am schlechten Wetter schuld", "Jeder weiß bei uns in der Partei, das Angela Merkel die unangefochtene Nummer eins ist" oder auch: "Einem Land zu dienen ist in Sonnenzeiten einfach." CSU-Mann Bendels übte harsche Kritik, sah Seehofers Auftritt beim Parteitag nur als eine Art "Notwehr", weil Merkels Rede dort "erneut nur Phrasen und Plattitütden" enthalten habe, das habe er als "Frechheit" empfunden. Und überhaupt begehe die Bundesregierung in der Flüchtlingsfrage "hunderttausendfachen Rechtsbruch". Trittin wiederum wirkte oftmals amüsiert, gab sich als analytischer Beobachter (die Kanzlerin habe immer noch eine starke Position, weil man ja jemanden finden müsse, der sie ersetzen müsse) und sogar mal als Merkel-Verteidiger. Journalist Herles kritisierte wiederum Merkel ("Mutti regelt nix mehr"), während sein Kollege, der ihr oft kritisch gegenüberstand, zwar sieht, dass der Druck von der Basis her zunimmt ("Ich glaube, dass viele nach einem Moment der Schwäche gelechzt haben"), jetzt aber feststellt, dass Merkel erstmals eine Politik aus innerer Überzeugung betreibt – gegen alle Widerstände.

Die Streithähne des Abends

Das waren Bendels und Trittin. Sie gerieten schon aneinander, als Feldenkirchen feststellte, dass Bendels in der "Jungen Freiheit", "dem Zentralorgan der Neuen Rechten" der Bundesregierung, zwar keine Mitschuld, aber eine Mitverantwortung an den Anschlägen von Paris habe. Bendels verteidigte dies damit, dass eine Politik der offenen Grenzen ein Sicherheitsrisiko sei, schließlich seien mehrere Attentäter (Anmerk. d. Red.: zwei sind belegt) als Flüchtlinge getarnt über die Balkanroute gekommen. Woraufhin Trittin lospolterte, das sei eine bizarre Position, wo doch die meisten Attentäter von Paris in Frankreich und Belgien aufgewachsen seien, man also ein Problem in Europa habe. 

"Sie denunzieren Flüchtlinge, die vor Terror fliehen, weil sie die in Zusammenhang bringen mit Straftaten, die europäische Staatsbürger auf europäischem Grund begangen haben. Das ist eine in meinen Augen bizarre Position", warf Trittin Bendels vor. Dieser verteidigte sich mit den Worten, dass er immer gesagt habe, man dürfe Flüchtlinge nicht unter Generalverdacht stellen. Wirklich bizarr wurde es zwischen den beiden jedoch, als es um die AfD ging und Trittin aus einem Leitartikel zitierte, in dem eine zunehmende Radikalisierung der Partei angesprochen wurde. Bendels sagte: "Ich sitze jetzt bestimmt nicht hier als Verteidiger der AfD", aber das Ganze sei doch abenteuerlich, dass Trittin eine "demokratische Konkurrenzpartei in den rechtsextremen Sektor" rücken wolle, während Parteifreunde von ihm mit Linkradikalen mitmarschieren würden. "Das ist für mich ein Verhalten, das nicht akzeptabel ist". Aber zum Glück entschieden Trittin und die Grünen ja nicht mehr viel. Woraufhin Trittin antwortete: "Dass sie sich jetzt zum Schutzpatron der AfD aufspielen, das finde ich bei der CSU schon hoch interessant." Bendels: "Da haben sie nicht richtig zugehört, ich habe nicht gesagt, dass ich die AfD verteidige." Trittin: "Doch, sie haben sie gerade verteidigt, weil sie genau die Argumente der Partei verwendet haben." Maischberger bricht das Ganze schließlich ab.

Erkenntnis

Nicht viel Neues kam dabei herum, weil eigentlich jeder weiß, dass Merkels Ansehen in der Flüchtlingskrise gelitten hat. Und so wurde entlang der üblichen Linien diskutiert. Eine Erkenntnis aber gab es dann doch: dass CSU-Politiker Bendels keine Koalition mit der AfD ausschließen wollte. Auf eine entsprechende Frage Feldkirchens antwortete er, dass er hoffe, dass in Bayern noch sehr lange die CSU allein regiere, man auf Bundesebene aber abwarten müsse, wie sich die AfD entwickle. "Ich persönlich sehe die AfD als politischen Konkurrenten und Mitbewerber", sagte er noch, woraufhin Klöckner als Vize-CDU-Chefin nochmal deutlich klar stellte, dass eine Koalition mit der AfD für ihre Partei nicht infrage komme.

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