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"Menschen bei Maischberger"
Keine Geisteskranken weit und breit

Menschen bei Maischberger: Keine Geisteskranken weit und breit
Conchita Wurst im Gespräch mit Sandra Maischberger. FOTO: Youtube
Düsseldorf. Sandra Maischberger griff am Dienstag die Gender-Debatte auf. Gäste mit Extrem-Positionen sollten vermutlich für einen aufregenden Abend sorgen. Stattdessen überschüttet Alice Schwarzer Conchita Wurst mit Liebe. Dabei hatte AfD-Mann Björn Höcke eine Diskussion mit Geisteskranken vorhergesagt. Von Philipp Stempel

Gender Mainstream also. Die Maischberger-Ausgabe mit dem schönen Titel "Sexuelle Vielfalt: Mann, Frau, egal?" gab vor, sich mit der aufregenden Debatte um den Wandel von Geschlechterorientierungen zu befassen. Seit Jahren tobt der Streit um die Frage, ob ein Geschlechterverhalten kulturell bedingt ist oder doch genetisch. Reizpunkte liefert das Thema verlässlich.

Dazu hatte Maischberger sich ein buntes Teilnehmerfeld eingeladen. Für den stramm-konservativen Flügel den AfD-Politiker Björn Höcke und die sechsfache Mutter und Theologin Michaela Freifrau Heeremann. Für die andere Seite die Sängerin Conchita Wurst, die Feministin Alice Schwarzer, die Transsexuelle Alicia King und den Johannes Zeller, der mit seinem Partner ein Kind von einer Leihmutter austragen ließ.

Galionsfigur Conchita Wurst

Dennoch artete die Sendung nicht in Krawall aus. Womöglich hatten die Teilnehmer ja vor einigen Wochen bei Frank Plasberg mit angesehen, wie ein Thema derart aus dem Ruder laufen kann, dass eine Diskussion darüber sowieso keine Rolle mehr spielt. Maischberger hingegen verwand viel Zeit darauf, sich zunächst einmal mit den Lebensentwürfen ihrer Gäste auseinanderzusetzen.

Conchita Wurst zum Beispiel, der leibhaftigen Menschwerdung von "Mann, Frau, egal", die als Privatperson Tom Neuwirth heißt. Wie keine andere Figur hat sie mit ihrem Siegeszug beim Eurovision Song Contest, Empfängen bei der Uno oder im Europäischen Parlament dazu beigetragen, die öffentliche Diskriminierung von Geschlechterrollen abseits der Norm zu reduzieren.

Schwarzer feiert Wurst

Bei Maischberger erzählte sie von ihrem Selbstverständnis als Mann, Frau, Zwischenwesen. Dass sie als Tom Neuwirth Dialekt spricht, aber nie als Frau. Dass es für sie das Natürlichste der Welt ist, auf die die Damentoilette zu gehen, wenn sie Bühnenkleider trägt. Und ihren Anspruch auf gesellschaftliche Anerkennung: "Ich möchte nicht, dass man ein Auge zudrückt. Ich möchte akzeptiert werden", sagte sie. Sie habe ein Recht darauf, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es wolle.

Ur-Feministin Alice Schwarzer feierte so viel Selbstbewusstein mit überschwänglichem Lob. Auch weil so offenkundig ein Faible für das Rebellische hat. "Ich mag das Subversive an Ihnen", offenbarte sie der Sängerin. Ihr Auftritt als Conchita Wurst sei ein "Akt des Stolzes und der Provokation". Und den trage Wurst auch noch so geschickt vor, dass niemand wage zu widersprechen.

Recht hatte Schwarzer damit. Denn selbst AfD-Mann Björn Höcke wollte sich nicht gegen die "Provokation" Conchita Wurst auflehnen. Dabei hatte das vor dem Abend bei Maischberger noch ganz anders geklungen. In der Sendung gehe es um "Gender Mainstreaming und andere Geisteskrankheiten", hatte der AfD-Mann vor Anhängern getönt. Auf die direkte Konfrontation mit Wurst herunterbrechen und sie konsequenterweise als "Geisteskranke" titulieren wollte Höcke dann lieber nicht und verwies auf die rhetorischen Zwänge des Wahlkampfes.

Der AfD-Vertreter beschränkte sich darauf, für die klassische Familie stark zu machen, die er durch die Auflösung von Geschlechterrollen bedroht sieht. Ganz ähnlich äußerte sich auch die Katholikin Heeremann: "Die Bisexualität steigt, wenn Kindern keine sexuelle Norm vorgelebt wird." Das sei wissenschaftlich erwiesen und das lehne ich ab."

Doch selbst das klassische Familienmodell geriet bei Maischberger ins Wanken, als der Geograph Johannes Zeller erzählte, wie er sich mit seinem Partner den sehnlichen Kinderwunsch mit Hilfe einer Leihmutter aus Thailand erfüllte. Selbstbewusst konterte er die Kritik Schwarzers, die in Leihmutterschaften eine ökonomische Ausbeutung von Frauen sieht. Zeller hingegen verwies darauf, dass diese Praxis vor allem in den USA und weniger in der Dritten Welt verbreitet sei.

AfD-Mann Höcke machte er sogar kurzzeitig sprachlos. Der hatte sich in der Diskussion mehrfach besorgt über das Kindeswohl geäußert. Zellers Replik: "Herr Höcke, kämpfen sie doch für meine Familie, gerade wenn sie den Fortbestand der Gesellschaft von den Kinder abhängig machen. Oder ist ihnen mein Kind nicht gut genug?"

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