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"Die Höhle der Löwen"
Zucker für die Zahnpflege

Gründer aus NRW überzeugen "Höhle der Löwen"-Jury
Gründer aus NRW überzeugen "Höhle der Löwen"-Jury FOTO: VOX / Bernd-Michael Maurer
Würselen. Zwei NRW-Gründer sammelten am Dienstagabend bei "Die Höhle der Löwen" 150.000 Euro ein: Sie wollen mit zuckersüßen Pastillen Karies bekämpfen. Von Florian Rinke

Auf dem Tisch steht ein großes Gefäß voll winzig kleiner weißer Kristalle. "Probieren Sie mal", sagt Randall Pitts und reicht einen Teelöffel: "Sieht aus wie Zucker, schmeckt wie Zucker - ist aber gut für die Zähne." Das sei Xylit, sagt der 51-jährige Amerikaner und greift zu einer Dose mit kleinen Pastillen, auf der Penta-Sense steht.

Xylit ist ein Zuckerersatz, der gegen Karies hilft. So erklärten es Pitts und sein Mitstreiter Philip Kirchhof am Dienstagabend auch den vier Investoren um Carsten Maschmeyer in der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen". 150.000 Euro wollten die beiden Gründer bei der Show einwerben, um mit ihrem Unternehmen "Penta-Sense" weiter zu wachsen - und hatten Erfolg. Ab Mittwoch werden ihre Pastillen bei Kaufland und Netto, Edeka und dem Versandhändler Otto sowie dem Einkaufssender HSE24 verkauft. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Denn Penta-Sense ist nicht der erste Versuch von Randall Pitts, mit einem Start-up Erfolg zu haben. Mit einem Ex-Kollegen, den er noch vom Studium an der RWTH Aachen kannte, hat er die Firma Cognesys gegründet, deren Software die Bedeutung von Texten erkennen kann. Doch irgendwann unterschieden sich seine Vorstellungen und die der Investoren - und Pitts fing neu an, diesmal mit Penta-Sense.

Der 51-Jährige sitzt an einem Küchentisch in einem Einfamilienhaus in Würselen bei Aachen und erzählt vom Jahr 2009, als er das erste Mal von Xylit hörte und davon, wie gut es bei der Kariesprophylaxe helfe. "Ich musste erstmal recherchieren, was das überhaupt ist", sagt Pitts. Doch die Neugier des vierfachen Familienvaters war geweckt -immerhin war auch sein Nachwuchs eher zahnpflegefaul. "Ich habe dann wissenschaftliche Studien gefunden, die belegen, wie gut Xylit für die Zahnpflege ist", sagt er: "In Deutschland war das jedoch kaum bekannt. Da habe ich gedacht: Wow, das ist eine Schutzmöglichkeit für meine Familie und eine Marktlücke zugleich."

Mit 6000 Euro startete Pitts sein Start-up, vertrieb Xylit zunächst als Pulver, später auch als Pastillen - doch seine Idee blieb ein Nischenprodukt. "Immer wenn ich Geld verdient hatte, musste ich es in die neue Produktion stecken. Da blieb nichts übrig für Marketing", sagt er: "Da war klar: So geht's nicht weiter."

Dann lernte er im vergangenen Jahr Philip Kirchhof kennen. Auch der 38-Jährige machte sich damals Gedanken über seine Zukunft. Kirchhof arbeitet bei der Deutschen Post im Finanzbereich und wollte nebenbei noch etwas machen, bei dem er operativ mehr Einfluss nehmen kann. Pitts wiederum suchte jemanden, der hilft, seine Idee zu verkaufen. Das passte.

Genau wie Pitts Jahre zuvor war auch Kirchhof zunächst verblüfft: Wie konnte es sein, dass ein angeblich genialer Stoff wie Xylit nicht bekannt ist? Auch er recherchierte - und war schließlich überzeugt. "Für mich war unser Produkt allerdings kein Lebensmittel, sondern ein Kosmetikprodukt, weil es für die Zahnpflege genutzt wird", sagt er. Schöner Nebeneffekt: Mit den Penta-Sense-Pastillen entstünde gleich eine neue Produktkategorie. "Zahnpflege zum Lutschen taucht bislang nicht bei Wikipedia auf", sagt Kirchhof: "Das fand ich irgendwie cool."

Die beiden bewarben sich bei der Fernsehsendung "Die Höhle der Löwen", außerdem begann Kirchhof damit, Apotheken für ihr Produkt zu begeistern. "Das war im Grunde nur möglich, weil mein Chef mich im vergangenen Jahr sehr stark unterstützt hat und mir viele Freiräume gegeben hat. Dafür bin ich ihm sehr dankbar", sagt er.

So waren die beiden gut vorbereitet, als sie im März zur Aufzeichnung der Vox-Sendung eingeladen wurden. "Wir hatten glücklicherweise frühzeitig mit der Sicherheitsprüfung angefangen, so dass wir vom Tüv Rheinland schon die Zusage hatten, dass unsere Pastillen als Kosmetikum durchkommen würden", sagt Kirchhof. Trotzdem sei er ziemlich nervös gewesen, gesteht der 38-Jährige: "Es ging ja schließlich um echt viel." Immer wieder seien sie während einer Fahrt am Vortag der Aufzeichnung ihre Präsentation durchgegangen, sagt Pitts. Und dann: Showtime.

Zwei der fünf Jury-Mitglieder zeigten Interesse an Penta-Sense und waren bereit, insgesamt 150.000 Euro für 30 Prozent der Firmenanteile zu zahlen - unter einer Voraussetzung: Penta-Sense sollte kein Nischenprodukt bleiben, sondern den Massenmarkt erobern.

Dank der Kontakte der Investoren Ralf Dümmel und Judith Williams könnte das sogar klappen. Normalerweise bestelle er eine Tonne Xylit für die Produktion, diesmal seien es allein für die Erstbestückung der Handelspartner ein Vielfaches gewesen, sagt Pitts: "Ich versuche seit mehr als zehn Jahren eine Firma zu gründen, die überleben kann - und jetzt generieren wir allein mit der ersten Bestellung mehr Umsatz als vorher in fünf Jahren", jubelt er.

Vorerst soll das Geschäft weiter aus dem Einfamilienhaus in Würselen betrieben werden, nur eine kleine Änderung gibt es: Früher habe er immer am Küchentisch gearbeitet, sagt Pitts und lacht: "Jetzt habe ich einen Schreibtisch, damit ich nicht mehr dauernd umräumen muss."

Quelle: RP
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