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Late-Night-Premiere im Ersten
Pocher bringt den guten, alten Schmidt zurück

Solo für zwei: "Schmidt & Pocher"
Solo für zwei: "Schmidt & Pocher" FOTO: ddp
Düsseldorf (RPO). Wer hätte das gedacht: Mit Oliver Pocher an seiner Seite ist Harald Schmidt plötzlich wieder das, was er einmal war - zu seinen besten Zeiten. ProSieben-Pocher bringt uns in der ARD den Sat.1-Schmidt zurück. Abwegige Ideen, beißende Ironie - alles, was Schmidt in den meisten seiner ARD-Sendungen fehlte, ist plötzlich wieder da. Die Sendung im Sieben-Punkte-Check. Von Judith Conrady

Einfälle
Egal, wer sich die Gags in der Sendung nun ausdenkt - die Ideen sprudeln plötzlich wieder. Schmidt und Pocher schließen sich mit einem Ohrclip an ein "Nazometer" an, das ihre Sprüche auf politische Korrektheit prüft. ("Autobahn" fällt durch.) Das erinnert an Sat.1-Zeiten, das ist gut.

Einspielfilme
Eines der Highlights: Pocher und Schmidt beim Promi-Pilgern auf dem "schönsten Abschnitt des Jakobswegs" (irgendwo auf einem Feldweg nahe Pulheim oder Köln-Kalk, im Hintergrund Fabriken und Hochhäuser). Gnadenlos machen sie B- und C-Promis lächerlich, die im TV Seelenstriptease betreiben und schamlos in die Kamera heulen. Mehr davon.

Aufgabenteilung
Pocher spielt in der Sendung (noch?) eine Nebenrolle. Den Stand-up-Teil am Anfang übernimmt Schmidt allein, Pocher hat seinen Auftritt erst nach rund zehn Minuten. Die ganze Sendung über wirkt Pocher eher wie Schmidts Assistent. Bezeichnend: Schmidt plaudert mit Gast Günther Jauch, Pocher sitzt daneben und fragt schließlich "Darf ich vielleicht auch mal eine Frage stellen?". Pocher ist beinahe zurückhaltend - wer hätte das gedacht.

Niveau 
Pocher und Schmidt spielen mit dem Niveau-Unterschied, über den im Vorfeld der Sendung viel geschrieben und geredet wurde. Teilen das Publikum in "meine Zuschauer" und "deine Zuschauer" ein: Pochers Zuschauer sind jung, aber eher einfach gestrickt; Schmidts Zuschauer sind gebildet, aber alt. "Deine kennen sie nicht. Und für meine war es zu leise", kommentiert Schmidt einen Gag Pochers über die Wochenzeitung "Die Zeit".

Stil
Rein optisch haben sich Schmidt und Pocher auffällig angeglichen. Schmidt trägt einen hellgrauen Anzug mit rotgestreifter Krawatte - wir haben ihn schon eleganter gesehen. Pocher hat modisch ordentlich aufgerüstet, trägt einen grauen Anzug, allerdings mit T-Shirt statt Hemd. Auch hier gibt's keine Abzüge: Beide konnten sich sehen lassen.

Parodien
Neu in der Sendung: Eine hoher Anteil an Parodien. Hier kann Pocher seine Stärke ausspielen, besonders als Lukas Podolski. Durchaus sehenswert.

Gast
Günther Jauch war für die Premiere eine sichere Bank - mit dem konnte nicht viel schiefgehen. Fast hätte Jauch seinen Kollegen Pocher und Schmidt mit seiner Parodie von RTL-Schuldner- und Sparberater Peter Zwegat ("Ich habe gehört, Sie haben schon wieder gebadet anstatt zu duschen") die Schau gestohlen.

Fazit
Schmidt und Pocher schossen bei ihrer Premiere ein Feuerwerk ab. Bleibt zu hoffen, dass die Munition nach der ersten Sendung nicht schon verpulvert ist.

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