| 10.24 Uhr

Oslo
Politthriller nach Jo Nesbø

Oslo. In "Occupied" nehmen die Russen nach und nach wichtige Teile Norwegens ein. Von Christian Jung

Neues aus der skandinavischen Traumfabrik: Nach dem Politthriller "Borgen" und dem Actionreißer "Die Brücke" kommt nun eine düstere Zukunftsvision aus dem hohen Norden ins deutsche Fernsehen. Die norwegische Serie "Occupied - Die Besatzung" geht der Frage nach: Wie verhalten sich Regierung und Bevölkerung eines Landes, wenn sie nach und nach ihre politischen und gesellschaftlichen Rechte verlieren und immer mehr unter Besatzung leben? Heute ist "Occupied" bei Arte zu sehen. Die Serie läuft in Doppelfolgen bis Weihnachten.

Im Mittelpunkt der Produktion nach einer Idee von Krimi-Autor Jo Nesbø steht in verschiedenen Erzählsträngen der norwegische Premierminister Jesper Berg (Menrik Mestad). Berg will sein Land auf umweltfreundliche Energiepolitik umstellen und gerät deshalb in große Schwierigkeiten. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union schäumen. Denn ihre Länder sind die Hauptabnehmer der norwegischen Gas- und Erdölindustrie. Deshalb verbündet sich die EU mit Russland. Die Allianz führt schließlich zu einer immer stärker zu spürenden Einflussnahme von Russland in Norwegen. Anschläge von Separatisten, mehrere mysteriöse Todesfälle und Entführungen verändern das Land. Norwegen steht vor dem ordnungspolitischen Super-GAU, ein Krieg mit Russland wird immer wahrscheinlicher.

Mit jeder Folge verändern sich langsam, aber merklich die Charaktere der Hauptfiguren, darunter ein Bodyguard, die norwegische Geheimdienst-Chefin und ein Journalist. Vor allem wegen des kritischen Russland-Bildes gab es nach Angaben von Regisseur Erik Skjoldbjærg "nicht nur in Norwegen sehr viele Reaktionen und ein kritischeres Echo, als wir dachten". Für Drehbuchautorin Karianne Lund war es besonders wichtig, den Plot "so realistisch wie möglich zu gestalten" und "die Zuschauer mit den Charakteren emotional zu berühren." Skjoldbjærg und Lund eint auch eine aufklärerische Motivation, da "Regierungen ihre eigenen Erzählungen und Realitäten schaffen, denen man sich nicht entziehen kann". Die Autoren, die die Idee des norwegischen Bestsellerautors Nesbø weiterentwickelten, wurden beim Schreiben von der politischen Aktualität überrascht, als Russland auf der Krim einmarschierte.

"Occupied - Die Besatzung", Arte, 20.15 Uhr

(dpa)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Oslo: Politthriller nach Jo Nesbø


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.