| 11.58 Uhr

Nachlese zum "Polizeiruf" aus Magdeburg
Ein trauriger Jubiläumsfall

Bilder aus dem "Polizeiruf: Endstation"
Bilder aus dem "Polizeiruf: Endstation" FOTO: MDR/Christine Schroeder
Düsseldorf. Im Polizeiruf aus Magdeburg lassen sich gutgläubige Pflegeeltern von ihrem Pflegekind die Familie zerstören - und töten es. Der Schnellcheck. Von Martina Stöcker

Wie macht sich der Neue?

Schauspieler Sylvester Groth war nach nur vier Fällen als Kommissar Drexler ausgestiegen – bei den Drehbüchern überrascht das nicht. Das Debüt des Neuen, Matthias Matschke als Kommissar Dirk Köhler, ging in diesem schwachen Fall ein wenig unter. Das lag nicht an dessen Darstellung – sein ums Ankommen bemühter Familienvater hatte auch komische-unterhaltsame Züge –, sondern vielmehr an einem wieder mal verquasten Drehbuch, in das alles reingequetscht wurde, was ging.

Ein Pflegekind wird von seinem Bruder erschlagen, der wiederum eine Beziehung zu seiner Ziehschwester hat, die auch ein Kind von ihm erwartet. Am Ende tötet die Pflegemutter den Brudermörder, ihr Mann entsorgt die Leiche. Matschke brachte komödiantische Elemente in den Krimi, dafür ist er beim Publikum dank seiner Auftritte in "Ladykracher" oder "Pastewka" auch bekannt.

Was hat beeindruckt?

Der Beginn geht an die Nieren, selten wurde eine Prügelszene so deutlich gezeigt – und sie ist natürlich noch schlimmer, weil ein zwölfjähriger Junge das Opfer ist.

Was hat nicht gefallen?

Wer Krimis schaut, der meint mitunter, bei der Polizei arbeiten nur kontaktgestörte Menschenfeinde – zumindest in Magdeburg. Zudem schafft es die Mutter Lara Schilchow (Paula Dombrowski), 90 Minuten nur einen Gesichtsausdruck zu zeigen, ebenso wie der rabiate Pflegesohn Sascha (Nino Böhlau), der nur aggressiv durch die Gegend läuft. Die Protagonisten atmen in Phasen der Anspannung immer hektisch, um ja zu zeigen, wie angespannt und außer sich sie doch sind. Und kein abgegriffenes Bild, das den Tod eines Kindes zeigt, wird ausgelassen – wie die leere Schaukel zum Beispiel.

Was hat der Zuschauer gelernt?

In Sachsen-Anhalt hat die Polizei-Uniform (oben gelb, unten dunkelblau) frappierende Ähnlichkeit mit der Postboten-Bekleidung – nicht dass es in einer Notsituation zu Missverständnissen kommt.

War der Film eines Jubiläums würdig?

Traurig, dass der MDR mit diesem Fall das 45-jährige Bestehen der ursprünglich ostdeutschen Krimireihe feiern wollte – oder musste. Das Jubiläum in andere Hände zu geben, kam wohl aus senderpolitischen Gründen nicht in Frage, dabei gibt es zwei "Polizeiruf"-Teams, die regelmäßig begeistern: Rostock und München – sei es durch gelungene Drehbücher, gute Schauspiel-Ensembles oder gewagte Inszenierungen. Doch bei den Nordlichtern ist der NDR meist federführend, im Süden zeichnet der BR verantwortlich. Auch der rbb hat mit seinem Team in Frankfurt an der Oder eine Baustelle – es gibt viel zu tun im Krimi-Osten.

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Polizeiruf 110 aus Magdeburg mit Nino Böhlau: Trauriger Jubiläums-Fall


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.