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"Polizeiruf 110"
Keine Küsse, nur Kopfnüsse

Fotos: Szenen aus dem neuen "Polizeiruf 110"
Fotos: Szenen aus dem neuen "Polizeiruf 110" FOTO: NDR/Christine Schroeder
Düsseldorf. Der starke Rostocker "Polizeiruf 110 – Einer für alle, alle für einen" behandelte vielschichtig das Thema Gewalt: in Beziehungen, im Stadion und bei der Polizei. Der Schnellcheck. Von Martina Stöcker

Wie war's?

Wütend, laut, aggressiv – gut!

Wer war's?

Vor einigen Jahren war ein Polizist bei einem Einsatz in der Rostocker Ultra-Szene so zusammengeschlagen worden, dass er zum Pflegefall wurde. Sein ehemaliger Kollege und seine Frau haben sich an den Leuten gerächt, die sie für die Tat verantwortlich machen. Zugleich klären die Kommissare Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Sascha Bukow (Charly Hübner) auf, wer für den Überfall damals verantwortlich war. Stefan Momke (Lasse Myhr), der sieben Jahre für diese Tat im Gefängnis saß, hat die Verantwortung übernommen und damals geschwiegen, weil seine Freundin Doreen, (Lana Cooper) schwanger war.

Was bleibt hängen?

In dem 16. "Polizeiruf" aus Rostock ging es nicht darum, wie sich ein Ultra von einem Hooligan unterscheidet. Regisseur Matthias Tiefenbacher wollte nicht eine Dokumentation über aggressive Fußballfans drehen, sondern ein Milieu zeigen, das Gewalt und Stärke als Lebensgefühl feiert. Deshalb zeigt der Krimi, wie Gewalt einigen Menschen – quer durch alle Gesellschaftsschichten – als Ventil dient.

Der Ermordete war Zahnarzt und hat sich am Wochenende regelmäßig geprügelt – "friedlich", wie seine Mitstreiter beteuern. Und auch die Beziehung zwischen Momke und Doreen ist von Gewalt geprägt: Da gibt es keine Küsse, nur Kopfnüsse und schnellen Sex an der Kneipenwand.

Auch Kommissarin König muss mit den Folgen von Gewalt klarkommen. Am Ende des letzten Falls wurde sie fast vergewaltigt und hat den Täter dann in blinder Wut zusammengeschlagen. Darüber muss sie nun einen Bericht anfertigen. Ihre Kollegen gestehen ihr zu, die Wahrheit so zu biegen, dass es für sie dienstlich keine Konsequenzen hat. Das kommt für sie aber nicht in Frage, König ist ein Gerechtigkeitstier.

Geschickt vergleicht Regisseur Tiefenbacher den Zusammenhalt der Polizisten mit dem der Ultras. Kurz ist eine Polizei-Tasse zu sehen, auf der "Einer für alle" steht – die Ultras gefallen sich mit dem gleichen Motto.

Die besten Sprüche

Katrin König auf die Frage, wie es ihr geht, nachdem sie von einem Triebtäter beinahe vergewaltigt worden ist: "Die ersten drei Selbstmordversuche haben nicht geklappt, aber ich werde jeden Tag besser!" Katrin König zu ihrem verkaterten Kollegen Bukow: "Sie müssen Ihre Ernährung umstellen – weniger flüssig, Mann!"

Hat Hansa Rostock ein Gewaltproblem?

Tiefenbacher legt seine Geschichte um einen fiktiven Fußballverein an. Er betont, dass sich die Hansa-Ultras klar gegen den "hemmungslosen Hooligan" positionieren. Ostdeutsche Vereine wie zuletzt Dynamo Dresden machen immer wieder Schlagzeilen. Aber auch Fangruppierungen von Borussia Dortmund zum Beispiel, gegen die es unlängst Razzien gegeben hat, werden von der Polizei intensiv überwacht.

Für die Freunde von Wortspielen

Doreens Sohn trägt den Namen Thore, treffender geht es für ein Kind von Fußball-Fans wohl nicht. Ihr Friseursalon heißt "Haarpune", wie ein Schild an der Tür verrät, und dieser ist entweder "Ofen" oder "Klosett".

Das Bild, das alles sagt

Momke sitzt mit einem Radio auf einem Sportplatz inmitten einer Plattenbau-Siedlung. Er ist ein Ex-Knacki, hat keinen Job, keine Frau, keine Freunde – trostloser geht es nicht, aber er jubelt, nur weil sein Verein in Führung liegt.

Die beste Szene

Wenn Kommissare tanzen, dann flirrt die Luft – zumindest, wenn es sich um die Schauspieler Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau handelt. Ihre Figuren schleichen schon länger um einander herum. Abends in der Kneipe trinken sie schließlich Gin Tonic und vergeben Fleiß-Zitrönchen fürs schlaue Kombinieren.

Kommissarin König fordert den Kollegen zum Tanzen auf, er entgegnet, er könne nicht tanzen. "Dann bleiben Sie einfach stehen, und ich tanze um Sie rum", sagt sie. Und dann tanzen die beiden: sie wild, er ungelenk, sie ein wenig aufreizend und er doch schüchtern. "Sie sind inzwischen der Mensch, der mir am meisten bedeutet", bekennt Bukow – aber: "Von mir abgesehen."

Wie geht es mit dem Rostocker "Polizeiruf" weiter?

Das Ende bleibt offen. König hat sich geweigert, ihren Bericht an die Dienstaufsicht zu schönen. Unklar ist, ob sie den Dienst quittieren muss. Zumindest wird es einen 17. Fall geben, denn laut Norddeutschem Rundfunk ist der schon abgedreht – und Anneke Kim Sarnau als Katrin König ist wieder mit an Bord

 
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