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Kritik zum "Polizeiruf 110"
"Der Meister hatte wenigstens ’nen Beiwagen"

Bilder aus "Polizeiruf 110 – Grenzgänger"
Bilder aus "Polizeiruf 110 – Grenzgänger" FOTO: RBB
Düsseldorf. "Grenzgänger" mit den neuen Kommissaren Olga Lenski und Adam Raczek war der erste "Polizeiruf" ohne Horst Krause. Und nicht nur ihn wird so mancher Zuschauer wohl schmerzlich vermisst haben. Dem Fall fehlte es an Spannung, Tiefe und charakterstarken Hauptfiguren. Von Martina Stöcker

90 Minuten in 90 Zeichen

Boxbegeisterter Schnösel fühlt sich ungeliebt und erschlägt seinen unbekannten Halbbruder.

Was ist das Besondere am "Polizeiruf 110 – Grenzgänger"?

Zum ersten Mal in der Geschichte der Krimireihe gibt es eine grenzübergreifende Ermittlungsgruppe. Olga Lenski (Maria Simon) arbeitet mit Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) in einer deutsch-polnischen Ermittlergruppe im Grenzgebiet nahe Frankfurt (Oder).

 

Was erfährt man über den Kommissar?

Noch nicht viel. Er hat Familie, macht die Wäsche und bewegt sich gerne mal in Zeitluppe. Laut Rollenprofil des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) wuchs Raczek bis zu seinem zehnten Lebensjahr in Polen auf, bis er mit seinen Eltern nach Deutschland zog. Er hat polnische Wurzeln und einen deutschen Pass. Mit seiner neuen Kollegin wird er sicher noch aneinandergeraten: Er meint, Mütter gehören nach Hause zu ihren Kindern, Lenski ist alleinerziehend und berufstätig. Schauspieler Lucas Gregorowicz wurde in in London geboren und wuchs in Polen sowie in Bochum auf. Im Fernsehen war er unter anderem zuletzt in der ARD-Serie "Vorstadtweiber" zu sehen.

Wie wird an Horst Krause erinnert?

In nur einem Satz. Als Olga Lenski bei ihrem neuen Kollegen auf den Sozius klettern soll, sagt sie: "Der Meister hatte wenigstens 'nen Beiwagen." Horst Krause als Polizist Horst Krause verabschiedete sich nach 26 Fällen und 17 Jahren an der Seite von fünf Kommissarinnen in den Ruhestand. Seinen letzten Fall im Mai 2015 sahen 8,12 Millionen Zuschauer.

Macht "Grenzgänger" Lust auf mehr?

Der Fall ist ziemlich verworren und rührt zu viele Themen (Asylbewerber, tschetschenische Flüchtlinge, Boxkämpfe, Familiengeheimnisse) zusammen, um schlüssig zu wirken. Der Täter Tobias Vogel (Christoph Luser) erschlägt seinen Halbbruder, weil er selbst ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hat und fürchtet, dass dieser ihm das Kuckuckskind vorzieht. Sein Charakter bleibt aber im Dunkeln. Was trieb ihn an, was steckt hinter diesen Box-Wettkämpfen? Alles ist nur angedeutet, nichts auserzählt – das war zu wenig. Aus dem Zusammenspiel der beiden Kommissare kann etwas werden, aber nur wenn sie bessere Fälle bekommen.

Gibt es ein reales Vorbild für die grenzübergreifende Truppe?

Ja, die deutsch-polnische Dienststelle in Swiecko bei Slubice. Deren Koordinatoren haben bei den Dreharbeiten beraten. Ein im Juli dieses Jahres in Kraft getretenes deutsch-polnisches Polizeiabkommen gibt dem Krimi zudem besondere Aktualität.

Der "Hä"-Moment

Spannend war "Grenzgänger" nicht, und deshalb musste wohl am Ende noch einmal Dramatik her, als Vogel dem Kommissar die Waffe wegnimmt. So muss Marta Nowak (Danuta Stenka) noch an den Mörder ihres Sohnes appellieren, und jeder fragt sich, warum ihn das erweicht. Denn er kennt sie nur als Sekretärin seines Vaters, sie spielt keine Rolle in seinem Leben. Am Ende führt Adam Raczek den Festgenommenen noch ohne Handschellen ab – als wäre der ein Schwächling, der sich nicht zu wehren wüsste.

Hier gibt es Bilder aus "Polizeiruf 110: Grenzgänger".

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