| 14.27 Uhr

Nachlese zum "Polizeiruf"
Eine singende Kommissarin macht noch keinen Top-Krimi

Polizeiruf 110 Kritik: Singende Maria Simon macht noch keinen Top-Krimi
Deutsch-polnisches Team: Olga (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) ermitteln in ihrem zweiten Fall. Sie sind einer Bande von Autoschiebern auf der Spur. FOTO: RBB/Christoph Assmann/Lenski
Düsseldorf. Im neuen "Polizeiruf" zeigt Kommissarin Maria Simon ihr musikalisches Talent. Ihr polnisches Pendant zeigt patriarchalische Züge - der Krimi aus Frankfurt an der Oder ist solide. Mehr aber auch nicht. Von Martina Stöcker

90 Minuten in 90 Zeichen

Ein Polizist unterstützt Autoschieber, der Mörder ist hingegen ein Mitglied der Bürgerwehr.

Ein deutsch-polnischer "Polizeiruf" – wie klappt es mit der Sprache?

Besser als im ersten Teil, da wähnten sich manche Zuschauer im Sprachurlaub, vor allen Dingen, weil nur wenig übersetzt wurde, da sich der Sinn meist erschloss. Wirklich gelöst ist die Problematik nicht, die Macher verzichten weiterhin auf Untertitel. Die deutsche Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) spricht zudem für ihre Aufgabe zu schlecht Polnisch. Der polnische Polizist Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) hingegen beherrscht beide Sprachen perfekt. In einer Szene sitzt er mit seinem Chef und Landsmann auf einer Bank im Kommissariat und redet Deutsch. Zum Glück ist den Autoren aufgefallen, wie seltsam das wirkt, und die beiden Figuren machen dann einen müden Witz darüber. "Warum sprechen wir eigentlich Deutsch?" Tja, warum? "Damit der deutsche Zuschauer überhaupt etwas versteht", hätte auch eine Antwort lauten können.

Jetzt singt sie auch noch

In dem Polizeiruf gibt es eine Premiere: Kommissarin Olga Lenski singt. Für ihre Tochter Alma stimmt sie das Lied "Die alten Geschichten" an. Es stammt von der Band "Ret Marut", in der Maria Simon mit ihrem Mann Bernd Michael Lade Musik macht. Sie kann sich vorstellen, die Gesangseinlagen auszubauen. Nur ein Einwand: Bitte erst, wenn die Drehbücher besser geworden sind.

Darf man sich auf den dritten deutsch-polnischen Fall wirklich freuen?

Bedingt. Der Krimi war solide und brav, aber überfrachtet mit Problemen. Es geht um eine alleinerziehende Kommissarin, ein binationales Team mit zwei Mentalitäten, eine Bürgerwehr, kurz wird die NS-Zeit gestreift – in 90 Minuten kommt irgendwie alles ein wenig zu kurz, und man möchte den Drehbuchautoren sagen: Macht euch das Leben doch nicht so schwer! Die deutsch-polnischen Unterschiede könnten zum Beispiel viel charmanter dargestellt und dafür ausgebaut werden. Warum soll man ein gemischtes Team überhaupt ermitteln lassen, wenn das kaum thematisiert wird? So bleibt das Verhältnis der beiden Länder im Kollegen-Klatsch über Frühstücksbrote mit Harzer Käse stecken.

Der schönste Dialog

Olga Lenski: "Wie machen Sie das denn mit Ihren Kindern?"

Adam Raczek: "Ich bin Pole. Das macht meine Frau."

Wie groß ist das Problem der Autoschieberbanden an der deutsch-polnischen Grenze?

Sehr groß. Über diese Grenze führt die wichtigste Route für kriminelle Autoschmuggler-Banden. Die meist in Deutschland oder den Benelux-Staaten gestohlenen Fahrzeuge werden nach Kasachstan, Litauen oder Weißrussland gebracht. Polen ist laut Bundeskriminalamt als Ziel- und Transitland einer der zentralen Staaten der internationalen Kfz-Verschiebung. Die meisten Autos (4162 im Jahr 2014) wurden in Berlin entwendet. Ehe den Besitzern auffällt, dass ihr Wagen gestohlen wurde, sind die Kuriere schon über die Grenze.               

(felt/mso)
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