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"Polizeiruf 110" aus München
Justizdrama um Schuld und Sühne

Szenen aus dem Polizeiruf "Und vergib uns unsere Schuld"
Szenen aus dem Polizeiruf "Und vergib uns unsere Schuld" FOTO: Bild: BR/Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG/Philipp Haberlandt
München. "Und vergib uns unsere Schuld" aus der "Polizeiruf"-Reihe ist ein großartiger Film zur richtigen Zeit. Es ist Hanns von Meuffels' (Matthias Brandt) zehnter Fall beim "Polizeiruf 110", und es wird sein schwerster. Von Martina Stöcker

Denn nachdem sich ein junger Mann, der für den Tod der 16-jährigen Miriam (Lola Dockhorn) verurteilt worden war, im Gefängnis nach zehn Jahren Haft das Leben genommen hat, bezichtigt sich ein anderer Mann: Er sei für die Tat verantwortlich. Jens Baumann (Karl Markovics) behauptet, der Münchner Kommissar habe damals den Falschen gestehen lassen, dabei sei er verantwortlich und wolle sich nun seiner Schuld stellen.

Natürlich glaubt Meuffels ihm nicht, er hat seine Arbeit damals gut gemacht. Oder etwa nicht? Doch Baumann kennt Details, sät Zweifel. Der Kommissar sieht sich konfrontiert mit seinem eigenen Versagen, mit seiner eigenen Schuld, obwohl er doch im Spiel mit den Bösen der Gute ist. Baumann drängt geradezu zwanghaft darauf, bestraft zu werden. Als es so aussieht, als würden die Beweise nicht genügen, fragt der vermeintliche Täter flehend: "Wer gibt mir die Strafe, die ich verdiene?" "Vielleicht ist es Ihre Strafe, frei zu sein", antwortet der Kommissar.

Matthias Brandt und Karl Markovics herausragend

Der Krimi, in dem Brandt und Markovics herausragend agieren, thematisiert Schuld und Sühne und wirft wichtige Fragen auf: Was haben Zeugen wirklich gesehen, oder was meinen sie, gesehen zu haben? Wie manipulierbar sind ihre Beobachtungen? Werden nur Beweise gesucht, die einen Täter belasten? Oder auch Fakten, die ihn entlasten? Regisseur Marco Kreuzpaintner findet für diese verzerrte Wahrheit grandiose Bilder, die wie hinter einem Farbfilter wirken. Der Kino-Experte entwickelt eine ganz eigene, unkonventionelle Kamera-, Schnitt- und Erzählform, die aus diesem Krimi etwas Besonderes macht.

Wenn Baumann zum Beispiel seine Version von Miriams Todestag wiedergibt und Meuffels ihn mit Fakten korrigiert ("Schien die Sonne?" "Ja" "Gab es nicht ein Gewitter?" "Doch, ja"), passt er die Rückblenden sofort der neuen Version jener Geschehnisse an: War es in einer Szene noch heller Tag, und Baumann korrigiert die Uhrzeit, ist es in der nächsten Szene dunkle Nacht, und es regnet. Eindringlich wird so klar, wie viele vermeintliche Wahrheiten die menschliche Wahrnehmung und Erinnerung liefern kann. Ein richtig guter Film, genau zur richtigen Zeit.

"Polizeiruf 110: Und vergib uns unsere Schuld", Das Erste, So., 20.15 Uhr

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Quelle: RP
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