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"Polizeiruf 110"
Graue Landschaften - und ein sehr guter Fall

Szenen aus dem Polizeiruf 110 "Muttertag"
Szenen aus dem Polizeiruf 110 "Muttertag" FOTO: ARD/rbb
Düsseldorf. Trübsinnig war der "Polizeiruf 110", in dem Maria Simon und Lukas Gregorowicz ermittelten. Die Zutaten: Arbeitslosigkeit, Armut, junge Menschen ohne Zukunft. Das Ergebnis: sehr deprimierend  - und sehr gut zugleich. Von Barbara Grofe

Das war erschreckend
Anton Spieker spielt Enrico Schoppe in "Muttertag" als menschliches Pulverfass, das jede Sekunde in die Luft gehen kann. Der junge Berliner macht das so unfassbar gut, dass man sogar als Zuschauer immer mit auf der Hut ist. Gleichzeitig ist seine Verzweiflung quasi zum Greifen real: darüber, dass es für ihn keine echte Zukunft gibt in diesem Örtchen, in dem nur zwei Mal am Tag der Bus hält; darüber, dass er ohnehin immer für jeden der Verdächtige und Buhmann ist. Und auch darüber, dass die Frau, die er liebt, einen verheirateten Tischler vorzieht.

Das war tragikomisch
"Gucken wir jetzt ,Sturm der Liebe'?", fragt die Mutter der Vermissten Sabrina Uhl ihre Nachbarin, Enricos Mutter, als diese ihr etwas zu essen vorbei bringt. Ein bisschen Kitsch und Romantik in der sonst so grauen Uckermark.

Das war komisch
Im Zuge der Ermittlungen landen die beiden Kommissare in einer sehr runtergerockten Pension. Raczek bekommt Almas Zahnbürste, weil er keine dabei hat, die beiden schlafen in Bettwäsche, die eigentlich verboten gehört, und als sie morgens wach werden, liegt Adams Hand offenbar, wo sie nicht liegen sollte. Danach schlägt er ihr vor, sich zu duzen - schließlich sei man ja zusammen im Bett gewesen. Sehr hübsch.

Das war arg unrealistisch
Dass Olga Lenski von Potsdam an die polnische Grenze zieht, wo sie niemanden kennt und wo die Betreuungssituation ihrer kleinen Tochter Alma nicht geklärt ist, ist dann doch ein bisschen arg drüber. 

Das war herzerwärmend
Adam Raczek beschwert sich bei den Vorgesetzten darüber, dass Olga immer wieder mit Alma zur Arbeit komm, ist genervt, als das Mädchen im Auto "Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder" (wie passend!) anfängt zu singen. Und doch: Als die Kleine dann im aktuellen Fall mitkommt, weil nachts so schnell kein Babysitter zu finden war, kümmert er sich. Passt auf, dass sie sich nicht an der Tischlersäge verletzt, setzt sie in den Autositz, als der Babysitter dann doch endlich Zeit hat, um Alma abzuholen, bietet am Ende sogar an, dass seine Frau das Kind immer mal wieder nehmen kann, bis sich Olga organisiert hat. Er hat ein Herz, der Mann.

Das war zum Heulen
Als Enrico festgenommen wird, umarmt ihn seine Mutter Heidi und drückt seine Hand, die schon in Handschellen ist. Erst guckt der Sohn fast ein bisschen genervt, als wäre sie ihm zu viel, diese offensichtlich nie enden wollende Mutterliebe. Irgendwann drückt seine Hand zurück.

Das war aufschlussreich
Wer sich immer schon mal gefragt hat, ob man Menschen, die man duzt, das Du auch wieder entziehen kann: man kann, Olga Lenski zeigt es. Sie siezt ihren Partner Adam Raczek in der letzten Szene dieses Polizeirufs, er sagt, man sei doch aber beim Du gewesen. Sie: "Hab ich mir anders überlegt."

 
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