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Privatsender
ProSieben droht Quoten-Sinkflug

Privatsender: ProSieben droht Quoten-Sinkflug
In neun Monaten der Fernsehsaison 2014/15 zeigte der Sender ProSieben 1643 Episoden der Serie "The Big Bang Theory" - dabei liefen aber nur 171 unterschiedliche. Jede Folge wurde also rund zehnmal wiederholt. Nicht gerade innovativ. FOTO: Warner Bros. Television
München. Der Privatsender muss sich schon vor dem Raab-Aus neu positionieren, um die Zuschauer zu halten. Neueinkäufe wie "The Flash" oder "Gotham" brachten nicht den erhofften Erfolg. Die wenigen Erfolge, die man hat, quetscht man gnadenlos aus. Von Jörg Isringhaus

Es ist wie so oft eine Frage der Lesart. In den monatlichen Statistiken der Sender zu den Marktanteilen sucht sich jeder die Zielgruppe oder den Sendeplatz, der ihn im Vergleich zur Konkurrenz am besten dastehen lässt. Abseits der Zahlenakrobatik haben aber, betrachtet man den Marktanteil insgesamt, alle Sender im ersten Halbjahr 2015 leicht an Zuschauern verloren. Problematisch könnte die Entwicklung vor allem für ProSieben werden.

So verzeichnet der Sender im ersten Halbjahr zwar nur einen kleinen Verlust von 5,5 auf 5,3 Prozent Marktanteil, die Werbeumsätze sind aber im gleichen Zeitraum laut Meedia.de um 4,8 Prozent oder 46 Millionen Euro zurückgegangen. Dazu kommt, dass mit Stefan Raab die prägende Figur des Senders am Ende des Jahres geht. ProSieben muss sich also konzeptionell komplett neu aufstellen - angesichts des derzeitigen, eher einfallslosen Formatschemas keine leichte Aufgabe.

Besteht das Programm doch vor allem aus US-Serien und einigen wenigen Shows. Dabei werden Quotenhits gnadenlos ausgequetscht: So sind laut Meedia.de in den vergangenen neun Monaten 1643 Episoden der Serie "The Big Bang Theory" ausgestrahlt worden, davon aber nur 171 unterschiedliche. Jede Folge wurde also rund zehnmal wiederholt. Ein ähnlich beliebtes Comedy-Format fehlt. Andere Neueinkäufe wie "The Flash" oder "Gotham" schwächelten schnell, auch das gerade erst gestartete "Empire" erweist sich bislang als Flop.

Wie wichtig Stefan Raab für ProSieben ist, zeigt auch ein Blick in die Statistik. "Schlag den Raab" führt bei den Zuschauerzahlen neben "The Voice of Germany", auch die schon fast totgesagte Late-Night-Show "TV total" hat zuletzt wieder Quotenboden gut gemacht. Weder das vergangene Woche desaströs gestartete Casting-Format "The Band" noch "Circus Halligalli" können die Lücke füllen, die Raab reißen wird.

So muss ProSieben bald entscheiden, wohin der Weg gehen soll. Will man ein neues Sendergesicht aufbauen, um das lukrative Showgeschäft zu erhalten? Oder sollen neue Serien oder mehr Spielfilme das Raab-Loch füllen? Mit noch mehr Wiederholungen wird es nicht getan sein. Netflix freut sich schon auf die ProSieben-Flüchtlinge.

Quelle: RP
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